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Der Dracula der Meere

Vampirtintenfisch aus der Hölle

„Ein kleiner aber ziemlich schrecklicher Octopus, so schwarz wie die Nacht mit elfenbeinfarbenem Maul und blutroten Augen“: So beschreibt der Tiefseeveteran William Beebe 1925 seine erste Begegnung mit Vampyroteuthis infernalis auf seiner Arcturus Expedition zwischen Panama und den Galapagos-Inseln.

Vampyroteuthis infernalis © NOAA

Doch Beebe war beileibe nicht der einzige, dem der „Vampirtintenfisch aus der Hölle“ Unbehagen bereitet hat. Denn trotz seiner geringen Größe von knapp 20 Zentimetern wirkt der Tintenfisch durchaus unheimlich und angsteinflößend – zumindest wenn man ihm in 600 bis 1.000 Meter Tiefe in der pechschwarzen Dunkelheit begegnet. Dies liegt zum einen an den im Vergleich zu seinem Körper riesigen Augen, die in der Tat häufig rötlich oder bläulich glühen. Aber auch die Häute zwischen seinen Fangarmen, die zusammen wie eine Art Umhang wirken, wecken Erinnerungen an Dracula und Co.

Das außergewöhnlichste an Vampyroteuthis sind jedoch die zahlreichen Leuchtorgane, die fast den ganzen Körper übersäen und die der Tintenfisch scheinbar ganz nach Belieben an und Abschalten kann. In diesen so genannten Photophoren wird Bioluminiszenz-Licht erzeugt. Am Ansatz der paarigen Flossen befinden sich zwei ganz besondere Exemplare dieser Unterwasserlampen, die Vampyroteuthis mit einer Art Augenlid je nach Bedarf verschließen oder öffnen kann.

Wozu aber benötigt er diese Leuchtorgane? Wissenschaftler im Monterey Bay Aquarium Research Institute sind der Lösung des Rätsels mittlerweile ein Stück näher gekommen. Mithilfe von ferngesteuerten Fahrzeugen haben sie eine erstaunliche Abwehrstrategie des Vampirtintenfischs entdeckt. Nähert sich ein potenzieller Feind, fangen die Leuchtorgane an der Spitze jedes Armes an zu pulsieren. Zeitgleich krümmen sich die Tentakel nach allen Seiten und lassen die Konturen des Tintenfisches völlig verschwimmen. Wenn das Tier dann noch eine Wolke von Leuchtpartikeln ausstößt, die ein blaues Licht versprühen, ist der Angreifer völlig verwirrt. Vampyroteuthis infernalis hat sein Ziel erreicht und genug Zeit, um in aller Ruhe in sichere lichtlose Sphären zu entfliehen.

Doch nicht nur seine Beleuchtungstricks sind bemerkenswert, der Vampirtintenfisch ist auch der einzige Kopffüßer, der sein ganzes Leben unter extrem sauerstoffarmen Bedingungen verbringt. Wie Meeresbiologen herausgefunden haben, besitzt er einen ganz besonderen Blutfarbstoff, das Hämocyanin, das sehr effektiv O2 aus dem Wasser binden kann.

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Stand: 05.03.2004

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Tintenfische
Intelligente Anpassungskünstler unter Wasser

Älter als die Dinosaurier...
500 Millionen Jahre Tintenfische

Drei Herzen, blaues Blut und noch viel mehr
Extravagante Tintenfische

Von Kalmaren, Riesenaxonen und dem Nobelpreisträgern
Tintenfische im Visier der Forscher

...and the winner is?
Meister im Tarnen und Täuschen

Mimic Octopus
Ein Wunderknabe in der Klemme

Octopussy und andere Kraken
Schön, gefährlich und lernfähig

Der Dracula der Meere
Vampirtintenfisch aus der Hölle

Monster oder geheimnisumwittertes Wesen?
Der Riesenkalmar

"Kraken haben unterschiedliche Persönlichkeitstypen"
Interview mit Volker Christian Miske Teil I

Goldene Zukunft für Tintenfische?
Interview mit Volker Christian Miske Teil II

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