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Den Ägyptern ewigen Dank

Von der Sprache zur Schrift

Was das Ideal einer Sprache heute für viele ausmacht, ist die Schrift. Selbst wenn die Sprache nicht überall korrekt gesprochen wird, in der Schrift sind alle Regeln verankert. Erst mit einem Schriftsystem geht eine Sprache dauerhaft in die Kultur ein, wird sie weiter vererbbar, werden Veränderungen über Jahrhunderte hinweg auch sichtbar. Und nur mit einer Schrift können Sprachen auch konserviert werden.

Jahrtausende alte Kulturen

Die erste Schrift überhaupt erfanden die Sumerer bereits vor 5.200 Jahren, die Keilschrift, keilförmige Ritzen und Einkerbungen auf Tontafeln. Diese Schriftform wurde rund 3.000 Jahre lang verwendet und den Bedürfnissen von rund 15 Sprachen angepasst.

Fast genau so lange, 2.700 Jahre, existierte das ägyptische Königreich der Pharaonen. Erst nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen im Jahr 332 vor Christus löste Griechisch die altägyptische Sprache ab, die bis dahin die Grundlage für die Hieroglyphen, die Schrift der Ägypter, gewesen war.

Steuererklärungen gaben den Anstoß

Tore Janson, ein schwedischer Wissenschaftler, der sich intensiv mit der Geschichte der Sprachen beschäftigt, hält es für außergewöhnlich, dass in Ägypten über Jahrtausende hinweg in einem relativ großen Gebiet mehrere Hunderttausend oder sogar Millionen Menschen nur eine Sprache nutzten. „Die politische Homogenität“, so Janson, „und die Notwendigkeit zur landesweiten Kommunikation waren die Kräfte, die die Sprache daran hinderten auseinander zu brechen.“

Und um ein solch großes Staatsgebilde zu organisieren brauchte es etwas, um Ordnung zu halten, um beispielsweise einen Überblick über die Tausenden von Sklaven beim Bau der Pyramiden zu behalten, um Steuern einzutreiben und termingerecht abzurechnen. Die Schrift sei dafür die Basisgewesen, so Janson. Der eigentliche Anstoß zur Erfindung der Schrift sei demnach die Notwendigkeit von Steuern und Quittungen gewesen.

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Komplexes Symbolsystem

Anders als bei der Keilschrift der Sumerer entwickelten die Ägypter ein System, mit dem sich jede beliebige Botschaft formulieren und in Zeichen umsetzen ließ. Aus Bildern und Symbolen für bestimmte Worte entwickelten die Ägypter auch Darstellungen für abstrakte Bezeichnungen, für zusammengesetzte Wörter und sogar für Laute. In begrenztem Maße enthalten die Hieroglyphen deshalb auch eine Lautumschrift.

So war die gesprochene Form des ägyptischen Wortes für „Mund“ beispielsweise „r“. Das Zeichen für „Mund“ wurde auch für das Wort „dagegen“ genutzt, da es zufälligerweise die gleiche gesprochene Form hatte, auch „r“.

Leider beschränkten sich die Ägypter auf die schriftliche Darstellung von Konsonanten. Ob das ägyptische „Mund“ „ra“, „ru“, „ir“ oder „ar“ ausgesprochen wurde, kann deshalb heute nicht mehr rekonstruiert werden.

Selbst für Ägypter schwierig

Die ägyptischen Hieroglyphen zu entschlüsseln, erwies sich als ausgesprochen schwierig, zumal sich ein Großteil der überlieferten Dokumente auf Steuererklärungen und Grabinschriften beschränkte. Doch sogar die Ägypter selbst müssen am Ende Schwierigkeiten gehabt haben, die Schrift zu schreiben und zu entziffern. Denn die altägyptische Sprache hat sich im Laufe der fast 3.000-jährigen Pharaonen-Herrschaft enorm verändert. Die Schrift jedoch blieb nahezu unverändert. Ein Schriftgelehrter am Ende der Pharaonenzeit musste sich deshalb nicht nur ein komplexes Verfahren zur Übertragung von gesprochener in geschriebene Sprache merken, er musste auch wissen, wie die Sprache rund 3.000 Jahr zuvor geklungen hatte. Denn sonst hätte er das Zeichensystem nicht korrekt anwenden können.

Die alphabetischen Schriftsysteme, wie auch im Deutschen, bei denen die Zeichen für Laute stehen, aus denen Worte gebildet werden, gehen nicht auf Hieroglyphen, sondern auf die sumerische Keilschrift zurück. Doch auch logographische, also aus Symbolen bestehende Schriftsysteme existieren heute noch, wie Chinesisch, das mit allen seinen Untergruppen und Dialekten von immerhin 1,2 Milliarden Menschen weltweit gesprochen, gelesen und geschrieben wird.

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Stand: 08.01.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen

„Schlaf nicht. Es gibt Schlangen.“
Ein Urwaldvolk kippt gängige Sprachtheorien

Ei oder Henne?
Sprache und Denken

Archiv der Weltsprachen
Online-Kompendium zum Sprachen-Vergleich

Sprachentod
Wie Sprachen verschwinden

Arche Noah für Todgeweihte
Wie man bedrohte Sprachen retten will

In den Kinderschuhen
Neue Sprachen

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