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Das Problem mit der Abstoßung

Von Abwehrreaktionen und Immunsuppressiva

Im Idealfall passen Spender und Empfänger perfekt zueinander. Denn je stärker sich ihre Gewebemerkmale voneinander unterscheiden, desto heftiger rebelliert das Immunsystem nach der Organtransplantation. Die körpereigene Abwehr erkennt fremd und eigen anhand charakteristischer Proteine auf der Oberfläche der Körperzellen, den sogenannten HLA-Strukturen. Stimmen diese gut überein, können besonders starke Abstoßungsreaktionen von vornherein vermieden werden.

Niere
Egal ob eine Niere oder ein anderes Organ: Fremdes Gewebe versetzt das Immunsystem immer in Alarmbereitschaft. © Hywards/ thinkstock

Immunsystem in Alarmbereitschaft

Trotzdem wird das Immunsystem bei fast jeder Transplantation in Alarmbereitschaft versetzt und beginnt, den „Eindringling“ im Körper zu bekämpfen. Binnen Stunden, Tagen oder Wochen nach dem Eingriff kann es dadurch zur Abstoßung des fremden Organs kommen.

Doch nicht nur das: Selbst bei einer zunächst erfolgreichen Transplantation entwickelt sich mitunter nach Monaten oder Jahren eine gefährliche Immunabwehr. Schuld an dieser chronischen Abstoßung ist eine sich langsam aufbauende Kettenreaktion, die von Immunzellen und Antikörpern ausgelöst wird und schließlich zum Verlust der Organfunktion führt.

Mittel mit Nebenwirkungen

Um das Risiko für solche Folgen zu minimieren, müssen transplantierte Patienten ein Leben lang Immunsuppressiva einnehmen – Medikamente, die die körpereigene Abwehr unterdrücken. Durch ihren Einfluss auf das Immunsystem tragen diese Mittel erheblich dazu bei, das fremde Organ funktionsfähig verhalten.

Medikamente
Transplantierte Patienten müssen bisher ein Leben lang Medikamente einnehmen. © Thomas Northcut/ thinkstock

Doch das hat seinen Preis: Weil es bisher nicht möglich ist, nur ganz bestimmte Abwehrreaktionen zu unterbinden, wird das Immunsystem durch die Wirkstoffe generell geschwächt. Das macht Betroffene wesentlich anfälliger für lebensbedrohliche Infektionen und auch Krebserkrankungen. Weil das geschwächte Immunsystem entartete Zellen nicht mehr ausreichend erkennt und zerstört, entstehen häufiger Tumore. Hinzu kommt, dass die Einnahme von Immunsuppressiva oft mit starken Nebenwirkungen wie Bluthochdruck oder Durchfall einhergeht.

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Toleranz auch ohne Medikamente?

Aus diesem Grund gilt in der Praxis der Grundsatz: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich verabreichen. Langfristig wollen Forscher aber Lösungen finden, die die dauerhafte Einnahme von Medikamenten obsolet machen. „Eine Toleranz gegenüber fremden Transplantaten zu erreichen, würde die lebenslange Unterdrückung des Immunsystems überflüssig machen“, erklären Amar Singh von der University of Minnesota in Minneapolis und seine Kollegen.

Doch wie könnte das gelingen? Die derzeit diskutierten Ansätze reichen von der gezielten Modifikation von T-Zellen bis hin zu Infusionen mit speziell behandelten Blutzellen des Spenders. Bis die Abstoßung transplantierter Organe aber wirklich ohne die Hilfe von Immunsuppressiva möglich wird, ist es wohl noch ein weiter Weg.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Organtransplantation
Wie Forscher die Chance auf ein zweites Leben verbessern wollen

Es begann mit einer Niere
Von der ersten Organtransplantation bis heute

Wenn ein Tod Weiterleben ermöglicht
Welche Voraussetzungen gelten für die Entnahme von Organen?

Das Problem mit der Abstoßung
Von Abwehrreaktionen und Immunsuppressiva

Organe länger haltbar machen
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Tiere als Organspender?
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