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Das biogenetische Grundgesetz

Entwicklung des Embryos als Abbild der Evolution

Haeckel ist nicht nur der erste deutsche Wissenschaftler seiner Zeit, der Darwins Evolutionstheorie verteidigt. Sondern auch der erste, der versucht, sie weiter auszubauen und zu ergründen. So vermutet er, dass alle Tiere – so auch der Mensch – den gleichen Ursprung haben und versucht dafür auch ein entsprechendes Argument zu finden.

Evolution im Schnelldurchlauf

Embryos
Egal ob Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel oder Säugetiere – alle Embryos und Larven ähneln sich im ersten Stadium ihrer Entwicklung größtenteils. © George John Romanes/ gemeinfrei

Um Darwins Evolutionstheorie weiter auszubauen, erarbeitet Haeckel eine embryologische Argumentation für die Theorie. Dafür formuliert er das bis heute bekannte „biogenetische Grundgesetz“. Dieses besagt, dass der Embryo oder die Larve in ihrer körperlichen Entwicklung, der Ontogenese, die stammesgeschichtliche Entwicklung dieser Tiergruppe gewissermaßen im Schnelldurchgang nachvollzieht.

Ausgangspunkt dafür war die Beobachtung, dass die Embryos zweier unterschiedlicher Arten – wie etwa von Fischen und Säugetieren – sich in ihren ersten Stadien stärker ähneln als erwachsene Exemplare derselben Arten. Zum Beispiel sind ein Jungfisch und ein menschlicher Embryo im ersten Stadium nach der Befruchtung noch kaum zu unterscheiden.

So bilden sich beim Menschen im Alter von wenigen Wochen nach der Befruchtung beispielsweise in der Halsregion Strukturen aus, die Kiemenspalten ähneln. Die Struktur wächst sich im Laufe der weiteren Entwicklung heraus, könnte aber ein Hinweis auf unsere ferne Verwandtschaft zu Fischen sein, so Haeckel.

Ursprung der Mehrzeller

Auf der Grundlage des biogenetischen Gesetzes erstellt Haeckel noch eine weitere Theorie. Diese soll den Ursprung von vielzelligen Organismen aus Einzellern erklären. Seiner Meinung nach habe die erste vielzellige Kreatur ähnliche Merkmale wie die Gastrula gehabt – die Phase der Embryonalentwicklung, in der der werdende Organismus nur aus einer äußeren und inneren Zellschicht besteht.

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Auf ähnliche Weise sollte der Weg vom einzelligen zum mehrzelligen Organismus mit einer Teilung beginnen, bei der die Tochterzellen einen Cluster bilden. Anschließend entwickeln diese Zellschichten sich unterscheidende funktionale und anatomische Merkmale – einige sind für die Bewegung verantwortlich, andere für die Verdauung. Nach Haeckel entstand so ein erster vielzelliger Organismus, den er Gastrea nennt.

Haeckels Theorie heute

Doch die Gültigkeit des von Haeckel aufgestellten biogenetischen Grundgesetzes ist begrenzt, wie man heute weiß. Die stammesgeschichtliche Evolution der Organismen wird in der Embryonalentwicklung weder vollständig, noch immer in ihrer ursprünglichen Reihenfolge wiederholt. Daher spricht man heute nicht mehr vom biogenetischen Grundgesetz, sondern von der „biogenetischen Grundregel“.

Fliege
Sogar bei Wirbellosen codieren die Hox-Gene für die Ausbildung entscheidender Körperteile. © PhiLiP/ gemeinfrei

In den 1970er Jahren wurde Haeckels Theorie noch einmal eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. Denn Forscher entdecken die sogenannten Hox-Gene. Bei diesen Genen handelt es sich um sehr alte und komplexe Gene, die allgemeine Körperstrukturen festlegen. Das Erstaunliche: Diese Gene kommen in gleicher Form bei Tieren unterschiedlichster Gattungen vor – bei Fischen wie beim Menschen – und greifen relativ früh in die Embryonalentwicklung ein.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Ernst Haeckel
Naturphilosoph und der „deutsche Darwin“

Vom Medizinstudenten zum Reisenden
Haeckel taucht in die Welt der Naturwissenschaften ein

Als Darwinist unterwegs
Wie Haeckel zur Evolutionstheorie kam

Das biogenetische Grundgesetz
Entwicklung des Embryos als Abbild der Evolution

Naturgesetze statt Schöpfungsglaube
Vom „deutschen Darwin“ zum Monisten

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