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Coltan, Columbium und die griechischen Götter

Ein bisschen Chemie-Historie

Coltan ist ein „Underdog“ unter den Rohstoffen weltweit. Das Roherz hat in den vergangenen zehn Jahren an wirtschaftlicher Bedeutung enorm zugenommen, war jedoch bis dahin kaum bekannt.

Entdeckt, und doch geirrt

Schuld daran ist auch das etwas verwirrende Namenskonstrukt. Coltan steht für Columbit-Tantalit, eine bestimmte Mineraliengruppe, die aus den beiden metallischen Elementen Tantal und Niob besteht.

Stets tauchen die beiden Metalle gemeinsam auf, meist in Granitvorkommen. Und noch während ein Großteil der chemischen Elemente im 18. und 19. Jahrhundert entdeckt, katalogisiert und benannt wurde, war nicht klar, ob es sich bei den beiden Metallen tatsächlich um zwei verschiedene Elemente handelte.

Erstmals entdeckt hatte man das Erz in Kolumbien, schon im 17. Jahrhundert – daher der ursprüngliche Name Columbit. Charles Hatchet, ein englischer Minaeraloge, hatte im Jahr 1801 nach dem Erz das neue chemische Element Columbium benannt.

Griechische Helden als Namenspatrone

Im Jahre 1802 dann identifizierte der schwedische Chemiker und Mineraloge Anders Gustaf Ekeberg ein weiteres neues chemisches Element, Tantal oder Tantalum. Er fand es in Mineralien aus Finnland und Schweden und gab ihnen den Namen Tantalit und Yttrotantalit. Das neue Element selbst benannte Ekeberg als Tantal, nach Tantalos, Sohn des Zeus und der Nymphe Pluto in der griechischen Mythologie.

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Ein Jahr zuvor hatte der englische Chemiker William Hyde Wollaston bereits ein anderes , noch namenloses Element beschrieben, dem das von Ekeberg entdeckte Tantal zum Verwechseln ähnelte. Wollaston selbst kam nach Ekebergs Entdeckung zu dem Schluss, dass beide Materialien identisch waren. Fast ein halbes Jahrhundert gingen Chemiker weltweit davon aus, dass Wollaston recht hatte.

Doch 1844 griff der deutsche Chemiker Heinrich Rose die Diskussion um die beiden beschriebenen, für gleich befundenen Stoffe erneut auf. Denn in Columbit-Erzen wies er Tantal nach, stieß jedoch noch auf ein weiteres, dem Tantal ganz ähnlichen Element und nannte es Niob – nach Tantalos’ Tochter Niobe. Wie Rose herausfand, handelte es sich bei Niob um jenes Element, das Wollaston bereits früher beschrieben, bei der Entdeckung des Tantals jedoch verkannt hatte.

Namenswirrwar bleibt

Heinrich Rose konnte demnach zwei Irrtümer widerlegen: Wollastons Einschätzung, und auch die von Charles Hatchet, der das Element Columbium „erfunden“ hatte, das – wie nun klar war – tatsächlich aus den zwei einzelnen Elementen Tantal und Niob bestand.

Die Namensverwirrung hat sich bis heute erhalten. Obwohl die Bestandteile klar identifiziert sind und mittlerweile klar ist, worauf es der Industrie bei dem Erz wirklich ankommt – der Name bleibt eine Reminiszenz an die, die den Weg ebneten für den Coltan-Boom der letzten zehn Jahre.

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Stand: 25.04.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Coltan
Ein seltenes Erz und die Folgen seiner Nutzung

Ein seltenes Roherz wird zum Star
Der Aufstieg des Coltan

Coltan, Columbium und die griechischen Götter
Ein bisschen Chemie-Historie

Kriegsursache: Coltan
Hintergründe des Kongokriegs

Bergbau statt Landbau
Wie der Coltan-Boom Bauern zu Kumpeln macht

Handarbeit ersetzt Maschinenkraft
Artisanaler Coltan-Bergbau

Chemischer Fingerabdruck soll Kriege verhindern
Deutsche entwickeln Prüfverfahren

Schwarze Riesen durch Handys in Gefahr
Coltan-Abbau im Gorillla-Land

Marktengpässe ab 2030
Wenn das Coltan ausgeht

Alternativen zu Tantal in Sicht?
Keramik, Aluminium oder Niob

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