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Chronik eines Schiffsunglücks

Zum Untergang der Titanic

In den Jahren zwischen 1880 und 1890 kollidierten mehr als fünfzig Schiffe in der „Straße der Eisberge“ vor der Küste Neufundlands mit einem Eisberg. Doch keines dieser Schiffsunglücke ging so in die Geschichte ein wie der tragische Untergang der Titanic vor rund 90 Jahren.

Wir schreiben das Jahr 1912. Vor wenigen Tagen brach die Titanic zu ihrer Jungfernfahrt vom Hafen im englischen Southampton nach New York auf. Der Luxusdampfer war zu dieser Zeit neben der Olympic, dem Schwesternschiff aus der Reederei White Star Line, das größte bewegliche Objekt der Welt. 269 Meter lang und elf Stockwerke hoch. 29 Kessel, vier 22 Meter hohe Schornsteine, 46.328 Bruttoregistertonnen und am Heck eine Dreifachschraube, die das Schiff mit bis zu 24 Knoten in Höchstgeschwindigkeit über den Altantik bringen sollte. Es schien, als wäre das Schiff mit all seinem Luxus, Superlativen und der neuartigen Konstruktion „unverwundbar“ – ein unsinkbarer Titan der Meere.

Den in der Seefahrt so gefürchteten Eisbergen brachte die Besatzung dagegen nur noch wenig Respekt entgegen. Erste Eisbergwarnungen von der zuvor in einem Eisbergfeld schwer beschädigten ‚Rappahannock‘ wurden einfach ignoriert. Anstatt mit halber Kraft zu fahren, ließ Kapitän Edward J. Smith am 13. April zwei weitere Kessel einheizen, um mit voller Fahrt die „Neue Welt“ in Rekordzeit zu erreichen. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich schon bald herausstellen sollte.

Ein letzter Sonnenuntergang

Die Nacht zum 14. April 1912 war sternenklar und die See ruhig. Ohne Wellen die sich an den Eisbergen brechen konnten, sollte es den wachhabenden Offiziere trotz guter Sicht schwer fallen, die nur wenig aus dem Wasser heraus ragenden Hindernisse zu orten. Das ihnen zur Seite stehende Frühwarnsystem bestand aus zwei frierenden, nur mit einem Fernglas gewappneten Matrosen im Krähennest. Fraglich war ohnehin, ob ein so schweres Schiff wie die Titanic einem in Sichtweite treibenden Eisberg überhaupt noch rechtzeitig ausweichen konnte.

Kurz vor Mitternacht dann die Gewissheit: „Eisberg voraus“, ertönte der Warnschrei aus dem Ausguck. „Hart Backbord“, befahl der Kapitän um den Eisberg in letzter Sekunde noch zu umfahren. Doch es war bereits zu spät, eine Kollision war unvermeidbar. In Sekunden schlitzte der Eisberg die Titanic längsseits auf. Querwände teilten den Rumpf des Schiffes zwar in mehrere Abteilungen auf. So sollte bei einem Leck durch das Schließen der Schotten vermieden werden, dass zu viel Wasser auf einmal eindringt. Doch nach der Kollision strömte das Meerwasser gleichzeitig und unaufhaltsam in bereits fünf Abteilungen. Die Titanic begann zu sinken. Die Funker sendeten SOS. Doch die zu Hilfe eilende Schiffe waren zu weit entfernt, um die Tragödie, die sich nun auf hoher See abspielte, noch zu verhindern.

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— SOS — SOS — SOS —

Die meisten Passagiere vernahmen von der Kollision mit dem Eisberg nur ein kurzes Beben, vielleicht ein dumpfes Knatschen. Viele lagen schon in ihrem Bett. Unsanft wurden sie nun aus ihrem Schlaf gerissen. Zunächst beruhigte die Besatzung die aufgebrachten Schiffreisenden. Schließlich galt die Titanic immer noch als unsinkbar. Erst als das eindringende Wasser den Kiel des Schiffes senkte, wurden die Rettungswesten angelegt. Um 00.45 Uhr folgten die ersten Rettungsboote. „Frauen und Kinder zuerst“, so der ehrenhafte Befehl. Doch obwohl nur insgesamt für die Hälfte der Menschen an Bord in den Rettungsbooten Platz war, wurden die ersten halb leer besetzt zu Wasser gelassen. Denn weder der Kapitän und seine Besatzung noch die zahllosen Passagiere waren auf eine solche Situation vorbereitet.

Nur drei Stunden nach der Kollision versank der Luxusdampfer im eiskalten Meer. Die umherschwimmenden Menschen wurden von ihren Rettungswesten zwar über Wasser gehalten, doch bei weniger als vier Grad Wassertemperatur war es nur eine Frage der Zeit, bis ihre Hilferufe verstummten. Von den 2.223 Seelen an Bord überlebten in dieser Nacht nur 706 die Tragödie. Bei Tagesanbruch wurden die ersten Überlebenden in den Rettungsbooten von der herangeeilten Carpathia aufgenommen und ereichten schließlich den sicheren Hafen von New York. Das zerbrochene Wrack der Titanic wurde erst 1985 südlich von Neufundland gefunden. Es ist bis heute nicht geborgen.

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Stand: 22.09.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

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