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China „bunkert“ Seltene Erden

Industrieländern besorgt über Rohstoffmangel

„Der Nahe Osten hat sein Öl, wir haben die Seltenen Erden“: Dieser Vergleich stammt vom langjährigen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, Deng Xiaoping. Obwohl er bereits fast 20 Jahre alt ist, wird die Brisanz, die in ihm steckt erst in den letzten Jahren so richtig deutlich.

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Denn ähnlich wie die Ölexportierenden Staaten in den Zeiten der Ölkrise 1973 und 1979/80 hat China vor einiger Zeit begonnen, den längst dringend auf die Seltenen Erden angewiesenen Industriestaaten langsam aber sicher den Rohstoff-Hahn abzudrehen. Das Land drosselte die Exporte von noch 65.600 Tonnen im Jahr 2005 auf gerade mal 14.500 Tonnen für das erste Halbjahr 2011. Offiziell aufgrund von Produktionseinschränkungen infolge von neuen, höheren Umweltschutzstandards – und damit die einheimische Industrie selbst ausreichend Seltene Erden zur Verfügung hat.

Wertschöpfung im eigenen Land halten

Eine wichtige Rolle bei der neuen Strategie spielt wohl aber auch, dass China sein Image als einfacher Rohstofflieferant abstreifen und den Markt für Hochtechnologie vermehrt mit eigenen Produkten erobern will. „Chinas Beschränkungen sind industriepolitisch motiviert. Das Land versucht die Wertschöpfung im eigenen Land zu halten“, sagte denn auch der ehemalige Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf im Oktober 2010 in der Welt.

Die immer weiter sinkenden Exportquoten und stark steigende Exportzölle bei den Rohstoffen „made in China“ haben mittlerweile dazu geführt, dass die Seltenen Erden ebenso rar wie begehrt sind wie nie zuvor. Folge: die Versorgungslage ist auch in Deutschland kritisch. Prognosen zufolge könnten bald bis zu sieben Elemente – Dysprosium, Europium, Lanthan, Neodym, Praseodym, Terbium, Yttrium – nicht mehr im ausreichenden Maße vorhanden sein.

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„Seltene Erden sind für die deutsche Wirtschaft mindestens so wichtig wie Erdöl und Erze“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom), August-Wilhelm Scheer. „Die künstliche Verknappung kann zu Preissteigerungen und Lieferengpässen bei stark nachgefragten Geräten führen.“

Preise steigen immer weiter

Und noch eines hat das Rohstoff-Bunkern der Chinesen bewirkt: „Von 2005 bis Mitte 2008 sind die Preise für nahezu alle Seltenen Erden stark, für Terbium sogar sehr stark, gestiegen“, konstatiert Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in einer Studie im April 2011. Nach einer kurzen Preisberuhigung durch die Wirtschaftskrise setzte sich der Trend laut Elsner später weiter fort.

„Ab dem 3. Quartal 2009 hat ein erneuter starker Preisanstieg eingesetzt, der bis heute unvermindert anhält und sich sogar beschleunigt. Seit Beginn des Jahres 2011 haben die Preise für alle schweren Seltenen Erden schwindelerregende Höhen erreicht, wobei ein Ende dieses Höhenfluges nicht abzusehen ist.“ So kostete etwa das Kilogramm Neodym, das unter anderem in Windkraftanlagen zum Einsatz kommt, Anfang Mai 2011 283 US-Dollar statt 42 Dollar, wie noch vor einem Jahr. Ähnlich sieht es auch bei dem für Raketen und Dauermagneten benötigten Samarium aus. Hier haben sich die Preise sogar nahezu verachtfacht.

Der Hype geht weiter

Hinzu kommt, dass sich der Hype um die Seltenen Erden in den nächsten Jahren vermutlich noch dramatisch steigern wird. Etwa durch den steigenden Absatz an Hightech-Produkten wie Handys, Laser, LEDs oder Energiesparlampen und die Entwicklung immer neuer Anwendungen. So könnte schon bis 2012 die Nachfrage nach Seltenen Erden laut einer BGR-Studie um rund die Hälfte von heute 130.000 Tonnen auf 190.000 Tonnen anwachsen. Marktwert zwei Milliarden US-Dollar – mindestens. Doch woher sollen die zusätzlich benötigten Seltenen Erden kommen? China hat bereits abgewunken.

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Dieter Lohmann
Stand: 13.05.2011

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kampf um Seltene Erden
Hightech-Rohstoffe als Mangelware

Seltene Erden sind „in“
Vom Nobody zum Star

Alles „made in China“
Beinahe-Monopol innerhalb von 20 Jahren

China „bunkert“ Seltene Erden
Industrieländern besorgt über Rohstoffmangel

Neue Minen braucht die Welt
Die Suche nach Alternativen zu Importen aus China

Pleiten, Pech und Pannen
Viele Projekte, wenige Hoffnungsträger

Recycling ist (noch) keine Lösung
Abhängigkeit von China bleibt bestehen

Rheinwasser mit Seltener Erde kontaminiert
Umweltprobleme auch in Deutschland

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