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Deutsche entwickeln Prüfverfahren

Chemischer Fingerabdruck soll Kriege verhindern

Der Kongokrieg hat gezeigt, wie der Kampf um Rohstoffe einen derartigen Konflikt wirtschaftlich und politisch beeinflussen kann. Seitdem die Vereinten Nationen die illegalen Handelsströme des kongolesischen Coltans aufgedeckt und westliche Unternehmen weltweit angeprangert haben, gilt der Rohstoff aus dem afrikanischen Bürgerkriegsland auf dem Weltmarkt als nicht mehr akzeptabel.

Seit dem Jahr 2001 hat kongolesisches Coltan daher weltweit nahezu keine Rolle mehr gespielt und wurde boykottiert. Firmen wie H.C. Starck aus Deutschland, Weltmarktführer bei der Verarbeitung von Coltan, verpflichteten sich, nur noch solches Roherz zu kaufen, von dem klar war, dass es ohne Umwelt- und Gesundheitsschäden und unter Einhaltung internationaler Förderstandards produziert wird.

Gütesiegel fehlen

Bislang existiert jedoch in der Rohstoffwirtschaft kein Verfahren, mit dem Produkte aufgrund von Nachhaltigkeits- und Entwicklungsstandards in der Produktion gekennzeichnet werden – etwa vergleichbar mit den Gütesiegeln, die es in Forstwirtschaft und Fischerei bereits gibt.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat deshalb im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ein Konzept erarbeitet, um soziale und ökologische Mindeststandards beim Abbau mineralischer Rohstoffe in Entwicklungsländern sicherzustellen. Mit diesem Konzept sollen die Handelsketten dieser Rohstoffe und die beteiligten Partner zertifiziert werden. So wolle man legale von illegalen Handelswegen unterscheiden, so Markus Wagner von der BGR. Ebenso soll den Produzenten aus dem Kleinbergbau so der Weg zu den industriellen Rohstoffabnehmern vereinfacht werden.

Nachweis per Chemie

Mithilfe eines „chemischen Fingerabdrucks“ sollen auch konkrete Herkunftsnachweise für bestimmte Erze, Minerale oder Metalle in das Konzept der BGR einbezogen werden. Zum Einsatz kommen dabei Methoden, mit denen die Rohstoffe auf ihr Alter und ihre spezifischen chemischen und mineralogischen Eigenschaften untersucht werden können. Denn aufgrund seiner geologischen Entstehung kann ein Coltan-Erz aus dem Kongo andere Merkmale aufweisen als solches aus Ruanda. So können bespielsweise die prozentualen Anteile an Tantal und Niob variieren oder bestimmte Gang- und Nebengesteine im Erz auf eine eindeutige Herkunft hinweisen.

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Parameter des Herkunftsnachweises von Coltan © Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Besonders einfach ist dies bei Erzen und Mineralen, deren Mineralogie und Geochemie relativ variabel sind, aber in nur wenigen Lagerstättentypen und Liefergebieten vorkommen. Coltan, so die BGR, habe all diese Voraussetzungen, das Roherz sei somit besonders für die Zertifizierung geeignet.

Testlauf in Afrika

Regionaler Schwerpunkt für die Zertifizierung von Rohstoffen soll Afrika sein. Einerseits sind mineralische Rohstoffen für Entwicklungsländer wirtschaftlich besonders wichtig. Andererseits ist die Steuerung und Kontrolle in der Rohstoffwirtschaft in vielen Ländern so defizitär, dass die Produktion weder transparent noch nachhaltig ist.

Das Kontrollverfahren der BGR könnte schon bald dringend notwendig werden. Denn die bisher größte Tantal-Mine der Welt, Wodgina in Australien, steht kurz vor der Schließung. 30 Prozent der Weltproduktion an Tantal kamen in den letzten Jahren aus Wodgina. Grund für die Schließung ist jedoch nicht etwa, dass dem Tagebau das Coltan ausgeht. Der Betreiber der Mine, das australische Unternehmen Talison, wollte den Preis für Tantal um 80 Prozent anheben. Da sich die Abnehmer, hauptsächlich Elektronikunternehmen, dagegen wehrten, droht der Produzent nun mit der Schließung der Mine.

Coltan aus Kongo wird wieder nachgefragt

Auch wenn es sich hier um taktisches Geplänkel und eine künstliche Verknappung des Rohstoffs handeln mag, absehbar ist, dass auch das kongolesische Coltan für den Weltmarkt wieder zunehmend interessant wird – und damit die bisherigen Konflikte erneut angeheizt werden. Denn China, so der internationale Rohstoffanalytiker und Journalist Denis Zogbi. stelle seine Coltan-Importe seit 2007 auf Quellen aus Ruanda und dem Kongo um. Die deutsche Firma H.C. Starck dagegen wird ihr Coltan künftig aus Ägypten, statt aus Australien beziehen, auf keinen Fall jedoch aus dem Kongo, um nicht erneut in Verruf zu geraten.

Das Zertifizierungsverfahren der BGR soll demnächst kongolesisches und ruandisches Coltan sauber voneinander unterscheiden. Denn was man in jedem Fall verhindern will ist, dass erneut Coltan aus Minen unter militärischer Kontrolle auf den Weltmarkt gerät und der Konflikt im Kongo so möglicherweise wieder angefacht wird.

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Stand: 25.04.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Coltan
Ein seltenes Erz und die Folgen seiner Nutzung

Ein seltenes Roherz wird zum Star
Der Aufstieg des Coltan

Coltan, Columbium und die griechischen Götter
Ein bisschen Chemie-Historie

Kriegsursache: Coltan
Hintergründe des Kongokriegs

Bergbau statt Landbau
Wie der Coltan-Boom Bauern zu Kumpeln macht

Handarbeit ersetzt Maschinenkraft
Artisanaler Coltan-Bergbau

Chemischer Fingerabdruck soll Kriege verhindern
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Schwarze Riesen durch Handys in Gefahr
Coltan-Abbau im Gorillla-Land

Marktengpässe ab 2030
Wenn das Coltan ausgeht

Alternativen zu Tantal in Sicht?
Keramik, Aluminium oder Niob

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