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Böse Falle Vermeidungsverhalten

Die indirekten Folgen des Terroranschlags

Wie könnte nun Vermeidungsverhalten in Folge des 11. September aussehen? Und, noch wichtiger: Welche Konsequenzen brächte ein solches Vermeidungsverhalten mit sich? Das sollen im Folgenden drei Vermutungen skizzieren, die sich jeweils mit Daten stützen lassen.

Angst vor dem Fliegen…

Zunächst einmal könnten Amerikaner nach dem 11. September das Reisen mit dem Flugzeug deutlich einschränken. In diesem Fall ist die Annahme plausibel, dass sie vermehrt auf das Auto umsteigen, um ihre Ziele zu erreichen. Also könnten Menschen nach dem 11. September bei dem Versuch, dem Risiko eines Terroranschlags oder einer damit verbundenen Flugzeugentführung zu entgehen, ihr Leben auf den Straßen Amerikas verloren haben. In der Tat brach die Luftfahrtindustrie direkt nach dem Anschlag drastisch ein. So sank in den Monaten Oktober, November und Dezember 2001 die Zahl der Flugmeilen um 20, 17 und 12 Prozent – jeweils verglichen mit dem Vorjahr.

Vermeidungsverhalten löste Unfälle aus © SXC

…mehr Autoverkehr…

Natürlich folgt daraus nicht zwangsläufig, dass all diese Flugmeilen stattdessen mit dem Auto zurückgelegt wurden. Überhaupt ist ein solches Umsteigen nur schwerlich direkt zu beobachten. Allerdings stützen Indizien die Überlegung, dass viele Menschen vom Flugzeug aufs (vermeintlich sicherere) Auto wechselten. Die im Straßenverkehr zurückgelegten Meilen nahmen in den Folgemonaten nach dem Anschlag um jeweils ungefähr drei Prozent zu, verglichen mit dem Vorjahr.

Wenn es sich hierbei vor allem um Meilen handelte, die nun mit dem Auto statt mit dem Flugzeug zurückgelegt wurden, dann sollte diese Steigerung weniger in städtischen Bereichen zu finden sein, sondern vor allem auf Überlandautobahnen. In der Tat wuchs dort in den drei Folgemonaten der Verkehr um 5,2 Prozent, und auch in den Monaten Januar bis September 2002 wurde auf Überlandautobahnen noch ungefähr ein Plus von drei Prozent an Verkehr registriert, jeweils verglichen mit dem Vorjahr. Nach ziemlich genau einem Jahr normalisierte sich der Verkehr wieder.

…und mehr Unfälle

Nun birgt eine Zunahme an Verkehr nicht nur ein erhöhtes Staurisiko; es stehen auch Leben auf dem Spiel. In den Jahren 1996 bis 2000 reichte die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle in den USA von 2.500 im Monat Februar bis zu 3.500 im Monat August. Innerhalb der Monate gab es in diesem Fünfjahreszeitraum nur sehr geringe Schwankungen von durchschnittlich 115 Unfällen. Der August 2001, der Vormonat der Anschläge, war sogar ein besonders normaler Monat mit nur neun Unfällen über dem Durchschnitt.

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Diese über fünf Jahre beobachtete Regelmäßigkeit brach nach den Terroranschlägen dramatisch zusammen. Für einen Zeitraum von zwölf Monaten (von Oktober 2001 bis September 2002) gab es in jedem Monat mehr Unfälle, als vom Durchschnitt der fünf Vorjahre zu erwarten gewesen wäre. In vielen Monaten überschritt die Anzahl an registrierten Unfällen sogar die höchsten beobachteten Werte der fünf Vorjahre. Dieser Anstieg an tödlichen Verkehrsunfällen ist in exakt demselben Zeitraum wie die Zunahme an Verkehr zu beobachten. Und ebenso wie die zurückgelegten Meilen pendelte sich auch die Zahl der tödlichen Unfälle nach ziemlich genau einem Jahr wieder auf dem Durchschnittswert der Vorjahre ein.

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Stand: 14.09.2007

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Die Angst nach dem Terror
Wie gehen wir mit Bedrohungen um?

Die Illusion der Gewissheit
Warum wir schlecht mit Unwägbarkeiten leben können

Die unlogische Angst
Das Beispiel BSE

Nach dem 11. September
Die unerwarteten Folgen des Terrors

„Dread risks“
Unwahrscheinlich, aber verheerend

Böse Falle Vermeidungsverhalten
Die indirekten Folgen des Terroranschlags

1.600 unnötige Opfer
War das Vermeidungsverhalten typisch amerikanisch?

Terror in den Köpfen
Informierter Umgang mit Risiken entscheidend

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