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Blick ins glückliche Gehirn

Wie zeigt sich Glück auf neurobiologischer Ebene?

Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir uns glücklich fühlen? Einen entscheidenden Hinweis auf die neurobiologische Grundlage des Glücks entdeckte der US-amerikanische Psychologe James Olds bereits in den 1950er Jahren. Bei Versuchen mit Ratten stellte er damals fest, dass diese die Stimulation einer bestimmten Hirnregion ganz besonders mochten.

Gehirn
Wie zeigt sich Glück im Gehirn? © Butengultek/ istock

Als er den Nagern ermöglichte, diesen Bereich per Knopfdruck selbst zu stimulieren, geschah etwas Frappierendes: Die Tiere drückten den Knopf immer und immer wieder – und vergaßen darüber sogar, sich um grundlegende Bedürfnisse wie Durst, Hunger und Schlaf zu kümmern. Weil für sie nur noch das angenehme Gefühl zählte, brachen sie reihenweise zusammen: Olds hatte einen Teil des Belohnungssystems entdeckt.

Schlüsselstoff Dopamin

In den folgenden Jahren begannen Wissenschaftler, die Funktionsweise dieses komplexen Systems im Gehirn genauer zu erforschen. Heute wissen wir: Passiert etwas Positives, stoßen Neuronen im Mittelhirn den Botenstoff Dopamin aus. Diese als Glückshormon bekannte Substanz wirkt wiederum auf Regionen im Vorderhirn wie den Nucleus accumbens und löst dort die Freisetzung von Endorphinen und anderen Stoffen aus. Als Folge fühlen wir uns glücklich, euphorisiert und auch Schmerzen nehmen wir nur noch gedämpft wahr.

Gleichzeitig wirkt das Dopamin aber auch auf andere Strukturen – und verursacht etwas Entscheidendes: Wir merken uns das glücklich machende Ereignis. Auf diese Weise lernen wir, was uns guttut und sind motiviert, diesen Moment des Glücks zu wiederholen. Dieser Effekt ist nützlich, wenn das Glückserlebnis zum Beispiel durch eine sättigende Mahlzeit, sportliche Betätigung oder eine bestandene Prüfung hervorgerufen wurde.

Bier trinken
Wer lernt, Alkohol mit einem guten Gefühl zu assoziieren, kann leicht in die Sucht abrutschen. © ViewApart/ istock

Vom Glück zur Sucht

Doch leider lässt sich das Belohnungssystem auch durch Aktivitäten stimulieren, die weniger gut für uns sind – etwa durch Tabak-, Alkohol- oder Drogenkonsum. Der eigentlich sinnvolle Lerneffekt kann in diesen Situationen dazu führen, dass Menschen abhängig werden: Sie greifen immer wieder zu Zigarette, Weinglas oder Heroin-Spritze, weil sie diese Tätigkeiten mit einem guten Gefühl verbinden. Schon der Anblick einer anderen rauchenden Person, kann bei Rauchern das Belohnungssystem aktivieren. Glücksgefühle und Sucht, sie sind im Gehirn untrennbar miteinander verbunden.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Glück
Das Gefühl aller Gefühle

Die Vermessung des Glücks
Was ist Glück – und wie misst man es?

Wege zum Glück
Was macht uns glücklich?

Eine Frage der Veranlagung
Liegt Glück in den Genen?

Blick ins glückliche Gehirn
Wie zeigt sich Glück auf neurobiologischer Ebene?

Geschmiedetes Glück
Lässt sich Zufrieden-Sein trainieren?

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