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Blei zu Gold

Den "Stein der Weisen" gibt es doch

Einer der größten Träume der alten Alchemisten war es, unedle Metalle in Gold umzuwandeln. Denn diese Transformation würde ihnen und ihren Auftraggebern nicht nur Reichtum und Ruhm bescheren, dem Element Gold wurde damals auch große Heilkraft zugeschrieben. Doch vergeblich: Obwohl Generationen von Alchemisten nach dem Stein der Weisen suchte – dem Verfahren, das diese geheimnisvolle und lukrative Umwandlung bewerkstelligen konnte, blieben sie erfolglos.

Ohne den Alchemisten Böttger wäre das europäische Porzellan erst sehr viel später erfunden worden – hier ein Blick in die Porzellan-Manufaktor Meissen. © JoJan/ CC-by-sa 3.0

„Weißes Gold“, aber kein Stein der Weisen

Immerhin einer von ihnen stolperte dafür aber über das Rezept für das „weiße Gold“ – die Herstellung des begehrten Porzellans. Dem Alchemisten Johann Friedrich Böttger rettete diese Entdeckung 1708 den Hals, denn er war kurz davor, als Betrüger von seinem Auftraggeber, dem Kurfürst von Sachsen, hingerichtet zu werden. Und Europa konnte damit endlich das Monopol der Chinesen in der Porzellanherstellung durchbrechen.

Echtes Gold aber war das trotzdem nicht. Und aus heutiger Sicht ist das auch kein Wunder. Denn längst ist klar, dass simple chemische Reaktionen, seien sie noch so heftig, kein Element in ein anderes umwandeln können. Stattdessen verändern sie nur den Bindungszustand des Elements. Dadurch wird beispielsweise aus einem elementaren Stoff ein Salz oder aber ein Molekül trennt sich in seine atomaren Bestandteile auf.

Umgewandelt in Gold

Jenseits der Chemie gibt es heute aber durchaus Nachfahren der alten Alchemisten, die Gold herstellen können. Ihr Stein der Weisen ist allerdings weder handlich noch ungefährlich. Einer der Wege zum begehrten Metall führt in die Kernphysik: Unter Beschuss mit radioaktiver Strahlung können sowohl Platin als auch Quecksilber in Gold umgewandelt werden. Beide sind im Periodensystem direkte Nachbarn des Goldes und müssen daher nur ein Proton verlieren oder hinzugewinnen, um zu Gold zu werden.

Blick in den Vorbeschleuniger UNILAC am GSI, hier werden Schwerionen auf 20 Prozent der Lichtgeschwindigekit gebracht. © G. Otto / GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung

Der zweite „Stein der Weisen“ ist riesig groß und enorm energiehungrig: Es handelt sich um Teilchenbeschleuniger. Werden schwere Atomkerne darin mit fast Lichtgeschwindigkeit aufeinander geschossen, dann kann Gold entstehen. Denn die Kerne verschmelzen und bilden neue, schwerere Elemente. Im Beschleuniger des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt beispielsweise entstehen in jeder Sekunde zwei Millionen neue Goldkerne. Allerdings: So viel das klingt, Reichtümer lassen sich damit nicht gewinnen. Denn um auf diese Weise ein einziges Gramm Gold zu produzieren, müssten die Beschleuniger 50 Millionen Jahre lang arbeiten.

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Heute hat die moderne Wissenschaft daher zwar den alten Traum der Alchemisten verwirklicht. Aber lukrativ sind die modernen „Steine der Weisen“ leider alle nicht.

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Nadja Podbregar
Stand: 20.05.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Alchemie
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