Blaue Erde und Blaue Dominikaner - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Blaue Erde und Blaue Dominikaner

Bernstein-Fundorte weltweit

Baltischer Bernstein ist in Europa schon seit der Steinzeit bekannt. Er kommt verglichen mit allen anderen Arten am häufigsten vor. Doch auch außerhalb des europäischen Bernsteinwalds ist Baumharz fossilisiert und als Bernstein erhalten geblieben.

Die Blaue Erde von Jantarnyi

Jantar ist russisch und heißt Bernstein. Das Dorf Jantarnyi – „aus Bernstein gemacht“– liegt an der Küste der Halbinsel Samland in der russischen Enklave Kaliningrad. Jantarnyi, früher Palmnicken, ist der Inbegriff des Baltischen Bernsteins, hier lagert in 30 Meter Tiefe das größte Bernstein-Vorkommen der Erde.

Bernsteinabbau in Jantarnyi © Günther Sorge

Bis zu zehn Meter mächtig sind die Schichten der „Blauen Erde“, einem feinen, tonigen Sand, der seine blaue Farbe dem hohen Glaukonit-Anteil verdankt. Er ist von Bernsteinen aller Größen und Farbnuancen durchsetzt, 300 – 5.900 Gramm pro Kubikmeter Erdreich. Die Blaue Erde, das sind die marinen Sedimente, die das Eozän-Meer bei der Überflutung des Bernsteinwaldes vor 40 Millionen Jahren hinterlassen hat.

Im Rücken des Strandes wird in Jantarnyi seit Jahrhunderten Bernstein abgebaut. Der Tagebau lieferte die Rohstoffe für das Original-Bernsteinzimmer und als „AG Russischer Bernstein“ auch das Material für die Rekonstruktion. Noch immer schätzt man die Bernstein-Vorräte auf vier Millionen Tonnen.

Gold des Meeres im Schwarzen Gold

Kohle und Bernstein haben nichts gemeinsam? Im Gegenteil. Nicht selten liegt der Bernstein unmittelbar in der Nähe von Kohleflözen, sind doch beide im gleichen Erdzeitalter entstanden. Der Braunkohletagebau „Goitsche“ bei Bitterfeld wurde aus diesem Grund kurzerhand in einen Bernstein-Tagebau umgewandelt. In den 50er Jahren stieß man hier auf so große Mengen Bernstein, dass zu seinen Gunsten sogar der Kohlebergbau aufgegeben wurde. Bis 1993 wurden 50 Tonnen pro Jahr abgebaut, mittlerweile sind die Gruben jedoch geflutet.

Anzeige

Obwohl von Jantarnyi weit entfernt, ist auch der Bitterfelder Bernstein baltischen Ursprungs. Beide Vorkommen gehen vermutlich auf den gleichen Wald zurück, der Nordeuropa zehn Millionen Jahre lang beherrschte. Durch eine Meeresverbindung gelangte der Bernstein damals aus Skandinavien nach Bitterfeld, wo er später unter tertiären Auenwäldern begraben wurde. Aus dem Holz dieser Wälder entstand die Kohle in Mitteldeutschland.

Der Blaue Dominikaner

"Blauer Dominikaner" © Hermann Dittrich, www.ambarazul.com

Ungewöhnlich ist die blaue Farbe des Dominikanischen Bernsteins. Diese karibische Rarität ist maximal 25 Millionen Jahre alt und nicht aus Nadelbäumen entstanden, sondern aus dem Harz von jungtertiären Laubbäumen der Art Hymenaea. Das ursprünglich sehr helle, dünnflüssige Harz wurde beim Aushärten durch die Nähe zu Vulkanen unter großem Druck und großer Hitze extrem beansprucht. Das veränderte die Molekülstruktur so, dass der Bernstein, obwohl er seine goldgelbe Farbe behalten hat, einfallendes Licht blau reflektiert. Als wäre das Farbenspiel nicht exklusiv genug, ist der Blaue Dominikaner auch viel klarer als der häufig durch Bläschen getrübte Baltische Bernstein. Er bietet damit einen besseren Blick auf eventuelle Einschlüsse.

Der Älteste und der Jüngste

Der älteste jemals entdeckte Bernstein ist 320 Millionen Jahre alt. Er wurde im Innern fossiler Samenfarne gefunden und stammt aus Großbritannien und vom Oberlauf des Mississippi. Die mit 120 bis 136 Millionen Jahren ältesten Inklusen kommen dagegen aus dem Libanon. Die konservierten Insekten und Spinnen bewohnten zu ihren Lebzeiten einen Küstenwald des arabisch-afrikansichen Kontinents, in dem es bereits Vögel gab, wie eine ebenfalls eingeschlossene Vogelfeder beweist. Bedeutend jünger, nämlich weniger als eine Million Jahre alt, ist Kopal, eine Vorstufe des Bernsteins. Er kommt aus den Regenwäldern Afrikas und Südamerikas und wird meist in den Deltas tropischer Flüsse gefunden. Auch heute noch gibt es „Bernsteinbäume“. Beim Vergleich mit fossilem Harz wiesen die Baumsäfte neuseeländischer Araukarien und marokkanischer Zedern erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Für den Bernstein von übermorgen ist also gesorgt.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. 11
  24. |
  25. 12
  26. |
  27. 13
  28. |
  29. weiter


Stand: 03.09.2004

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Bernstein
Fenster zur Vergangenheit

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Zum Weiterlesen
Links und Literatur

Das Geheimnis des Bernsteinwalds
Zur Entstehung des Bernsteins

Trapped in time
Die Welt der Inklusen

Die Biene als Einmachglas oder Wie baut man Dinosaurier
Jurassic Park und die DNA im Bernstein

Tagebuch der Evolution
Bernstein im Dienste der Paläontologie

Blaue Erde und Blaue Dominikaner
Bernstein-Fundorte weltweit

Bernsteinzimmer – Klappe, die Erste
Das Original bleibt verschwunden

Bernsteinzimmer – Klappe, die Zwote
Die Auferstehung des Achten Weltwunders

Vom Börnstein zur Elekrizität
Kleine Etymologie des Bernsteins

Römer, Wikinger und der VEB Ostseeschmuck
Bernstein als Wirtschaftsfaktor

Bernstein – selbst gesucht
Tipps und Tricks für Sammler

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

DNA - Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern

Permafrost - Kalter Boden und seine globale Bedeutung

Anzeige
Anzeige