Begleitsterne gesucht - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Entstehen planetarische Nebel in Doppelsternsystemen?

Begleitsterne gesucht

Dieser offensichtliche Erklärungsnotstand brachte eine Gruppe von Astronomen am Wisconsin-Indiana-Yale- 3,5-Meter-Teleskop auf dem Kitt Peak auf die Idee, die Sache genauer unter die Lupe zu nehmen. In einer Untersuchung unter der Leitung von Howard Bond vom Space Telescope Institute in Baltimore versuchten sie zu beweisen, dass nicht einige wenige, sondern viele, möglicherweise sogar die meisten Sterne in den Zentren dieser extrem unterschiedlichen kosmischen Objekte Begleitsterne haben. Auf der Liste der untersuchten Objekte fanden sich so bekannte Nebel wie Abell 78, NGC 6891, NGC 6210 und IC 4593.

Das Wisconsin- Indiana-Yale- 3,5-Meter- Teleskop (WIYN) auf dem Kitt's Peak © WIYN

Die Astronomen nutzen die große Anlage am Kitt Peak, um Messungen der Radialgeschwindigkeit von elf Zentralsternen Planetarer Nebel vorzunehmen. Sie suchten nach einem verräterischen, wiederholten Taumeln, durch das sich der Gravitationseinfluss eines unsichtbaren Begleiters verraten würde. Es ist dies dieselbe Technik, die auch verwendet wird, um extrasolare Planeten bei nahe gelegenen Sternen zu suchen.

Planetarischer Nebel Abell 39 © NASA

Das Ergebnis war eine Sensation: Zehn der elf untersuchten Sterne zeigten tatsächlich klare Anzeichen von radialen Oszillationsbewegungen. Howard Bond meinte dazu: „Wenn diese Nebel ihren Ursprung in Doppelsternsystemen haben, dann bedeutet das, dass diese Objekte eine ganz andere Entstehungsgeschichte haben als die meisten Astronomen bislang vermutet haben! Sollten diese Resultate künftig durch weitere Beobachtungen bestätigt werden, könnte das eine Revolution in der Bestimmung des Ursprungs Planetarer Nebel bedeuten.

Die ursprüngliche Theorie würde damit genau auf den Kopf gestellt werden: Nebel aus Doppelsternsystemen sind die Regel, Nebel aus Einzelsternen die Ausnahme. Die Entstehung der seltsamen filigranen Strukturen kann nun durch einen umkreisenden Begleiter erklärt werden. In Extremfällen, wenn ein Roter Riese nach und nach an Größe zunimmt, kann es sogar dazu kommen, dass dieser seinen Begleitstern verschlingt. Dieser würde dann in einer spiralförmigen Bahn in das Innere des Giganten stürzen und schließlich seine äußeren Schichten explosionsartig abstoßen.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. weiter


Stand: 27.08.2004

Anzeige

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kosmische Nebelschleier
Planetare Nebel geben Rätsel auf

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Keine Kugel beim Nebel
Form widerspricht Theorie über Ursprung

Begleitsterne gesucht
Entstehen planetarische Nebel in Doppelsternsystemen?

Rätsel um Supernova 1054
Weitere Ungereimtheiten tauchen auf

Hinweis von Hubble
Klare Sicht auf Nebel CRL 618

Erklärungsnot und Puzzleteile
Noch immer sind Fragen offen

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

Das Universum nebenan
Revolutionäre Ideen in der Astrophysik von Marcus Chown

Gerhard Jentzsch an der Spitze der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft
Deformation der Erdoberfläche im Visier

Dossiers zum Thema

Big Eyes - Riesenteleskope und die letzten Rätsel im Kosmos

Anzeige
Anzeige