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Bedeckter Himmel schuld an Hiroshima?

Schlechtwetterphase mit weitreichenden Folgen

Hätte im Jahre 1896 in Paris die Sonne geschienen, gäbe es heute vielleicht weder Kernkraftwerke noch Atombomben. Denn ein bedeckter Himmel hat zufällig dazu geführt, dass das Phänomen der Radioaktivität entdeckt wurde.

Nachdem Wilhelm Conrad Röntgen bereits zuvor im Jahre 1895 die Röntgenstrahlung entdeckt hatte, experimentierten auch andere Forscher mit diesen geheimnisvollen Strahlen, deren Ursachen noch niemand so recht kannte. Auch Henri Bequerel, ein französischer Physiker, dessen Spezialgebiete Magnetismus und Fluoreszenz waren, beschäftigte sich mit den X-Strahlen. Er hatte die Vermutung, dass Sonnenlicht in der Lage sei, fluoreszierendes Material zur Abgabe von Röntgenstrahlen anzuregen. Als er diese Theorie mit Uran beweisen wollte, schien seine Ansicht bestätigt zu sein. Er umwickelte eine Photoplatte mit schwarzem Papier und Alu-Folie, legte die Uran-Kristalle (Uranylkaliumsulfat) darauf und ließ die Sonne darauf einwirken. Der Film wurde belichtet. Uransalz schien durch Sonneneinstrahlung Röntgenstrahlen abzugeben.

Einige Tage später wollte er das Experiment wiederholen, erneut umwickelte er die Photoplatte und beschwerte sie mit Uran. Zufällig aber war es in Paris drei Tage lang bedeckt, die Sonne schien nicht und der Versuch war nicht durchführbar. Bequerel bewahrte die Photoplatte während dieser Zeit in seiner Schublade auf und hoffte auf besseres Wetter. Als er die Photoplatte schließlich aus der dunklen Schublade holte, fand er darauf überraschend die dunklen Abdrücke der Uran-Kristalle. Das Uran hatte die Photoplatte ohne Anregung des Sonnenlichtes geschwärzt.

Diese bis dahin gänzlich unbekannte Strahlung ging ohne weitere Anregung aus dem Uran hervor, schwärzte Photoplatten und war in der Lage, durch die Abschirmung aus schwarzem Papier zu dringen. Henri Bequerel nannte sie „Uran-Strahlung“. Weitere Versuche zeigten, dass nur uranhaltiges Material die Photoplatte belichtete und daß die Strahlung durch Metallgegenstände wie etwa eine Münze abgeschirmt wird. An dieser Stelle blieb das Photopapier weiß.

Durch diesen Zufall – drei Tage ohne Sonne zur richtigen Zeit – hatte Henri Bequerel somit die Radioaktivität entdeckt, den spontanen Zerfall des Urans unter Aussendung von Strahlen. Ab 1897 wurde er bei der weiteren Erforschung dieser Strahlen von seiner Doktorandin Marie Curie unterstützt. Sie entdeckten noch weitere strahlende Elemente wie Thorium, Polonium und Radium. 1903 erhielten sie gemeinsam mit Maries Ehemann Pierre Curie den Nobelpreis für Physik. Heute findet man den Namen Bequerel in der Physik noch als Einheit, die die Aktivität mit der Zahl der Zerfälle pro Zeiteinheit umschreibt.

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Stand: 30.05.2000

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Zufälle in der Wissenschaft
Gott würfelt nicht (?)

Einen Nobelpreis für jeden
Braucht man als Wissenschaftler nur ein wenig Glück?

Der gläserne Mensch
Die Entdeckung der Röntgenstrahlen

Bedeckter Himmel schuld an Hiroshima?
Schlechtwetterphase mit weitreichenden Folgen

Kälter als Eis
Supraleitung - die Elektronen haben Vorfahrt

Schimmelpilze retten Leben
Entdeckung des Penicillins durch einen mißglückten Versuch

Der geplante Zufall
Ein norwegischer Pilz hilft bei Organtransplantationen

Chaos, Fraktale und das Wetter
Ein Schmetterling kann die Welt verändern

Ein Spiegelbild mit tragischen Folgen
Contergan und seine (Neben-)wirkung

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