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Bastion der Hethiter

Reliefs und der älteste Friedensvertrag der Welt

Schon seit längerem ist bekannt, dass Sirkeli Höyük spätestens zur Zeit der Hethiter einen festen Platz in der damaligen Welt hatte. Denn schon vor Jahrzehnten entdeckten Archäologen an der steilen Abbruchkante einer Felsrippe über dem Ort zwei monumentale hethitische Reliefs.

Felsrelief am Ostabhang des Sirkeli Höyük mit der Darstellung des hethitischen Königs Muwatalli II. © Sirkeli Projekt, Universität Tübingen

Das ältere der beiden zeigt den hethitischen Großkönig Muwatalli II. und stammt vermutlich auch aus dessen Regierungszeit zwischen 1290 und 1272 v.Chr. Es ist damit eines der bislang ältesten bekannten hethitischen Felsreliefs. Das zweite Relief stellt entweder seinen Sohn oder seinen Bruder dar, die Details der Figur sind heute kaum noch zu erkennen, weil es vermutlich schon zur Hethiterzeit wieder teilweise entfernt wurde.

Heimat einer Königin

Wie die Archäologen im Frühjahr 2013 berichteten, handelte es sich bei Sirkeli Höyük aber um weitaus mehr als nur einen hethitischen Handelsstützpunkt an der Route nach Mesopotamien. Stattdessen war diese Stadt zwischen 3.000 und 300 v.Chr. wahrscheinlich sogar einer der größten Orte in ganz Kilikien, zur Hethiterzeit war er sogar zu einer regelrechten Steinbastion ausgebaut.

Hethitisches Relief
Hethitisches Relief mit Hattušili und einem Wettergott (links) und der Königin Puduḫepa © Klaus-Peter Simon / CC-by-sa 3.0

Novák und seine Kollegen vermuten, dass der Ort spätestens zu jener Zeit auch überregional von Bedeutung war. Denn Struktur, Größe und Lage Sirkeli Höyüks stimmen mit einem Ort überein, der bisher nur aus hethitischen und assyrischen Texten überliefert war: der Handels- und Kultstadt Lawazantiya. Sie war der Überlieferung nach die Heimatstadt der berühmten hethitischen Großkönigin Puduhepa, die im 13. Jahrhundert v.Chr. mit ihrem Mann Hattušili II. über das Hethiterreich herrschte.

Der älteste Friedensvertrag der Welt

Hattušili II. aber ist in der Geschichte kein Unbekannter, ganz im Geegnteil. Denn von ihm stammt der älteste bekannte schriftliche Friedenvertrag der Welt, geschlossen im November 1259 vor Christus mit dem ägyptischen Pharao Ramses II. Er beendete die schon seit Jahrzehnten anhaltenden Streitigkeiten der beiden konkurrierenden Großmächte. Denn beide wollten das Gebiet des heutigen Syrien ihren Reichen einverleiben und lieferten sich immer wieder Kämpfe um Gebiete und Orte.

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Fragment einer Keilschrifttafel mit dem Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Hattušili II. © Klaus-Peter Simon / CC-by-sa 3.0

Als die Hethiter dann jedoch immer stärker von den aus dem Südosten vordrängenden Assyrern bedroht sahen, wollten sie einem Zweifronten-Konflikt aus dem Wege gehen. Hattušili II. bot daher dem ägyptischen einen Friedensvertrag an, der die Grenze festlegen und die Streitigkeiten beenden sollte. Montagelang reisten Boten und Diplomaten mit Vertragsversionen im Gepäck zwischen den Hauptstädten beider Reiche hin und her. Dann endlich war es soweit. Beide Herrscher einigten sich auf den Fluss Orontes als Grenze.

Der Vertrag wurde sowohl in Hieroglyphenschrift aufgeschrieben als auch in hethitischer Keilschrift. Eine ägyptische Version ist heute unter anderem noch am Tempel in Karnak erhalten, von der hethitischen gibt es nur noch Fragmente von Tontafeln. Ein in Silber gravierte Version, die König Hattušili II. für sich selbst anfertigen ließ, ist dagegen verschollen.

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Nadja Podbregar
Stand: 15.11.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Das Geheimnis der Höyüks
Archäologen auf den Spuren der frühgeschichtlichen Stadthügel Anatoliens

Unter Hügeln verbogen
Steinzeit-Monumente und erste Siedlungen

Dach als Tür und Kunst am Bau
Überraschungen in Çatalhöyük

Das Rätsel der Steinzeit-Karte
Ist der berühmte Stadtplan von Çatalhöyük die älteste Karte der Welt?

Am Schnittpunkt der Kulturen
Neue Ausgrabungen in Kilikien

Klassengesellschaft und Schmelztiegel zugleich
Stadtleben und Kultur in Sirkeli Höyük

Bastion der Hethiter
Reliefs und der älteste Friedensvertrag der Welt

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