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Basketballer und verfeindete Gangs

Die Kategorien sind wandelbarer als man glaubt

Die Experimente des Psychologen Karl Klauer legen nahe, dass die jeweiligen Umstände eine große Rolle für die Lenkung der Aufmerksamkeit spielen. Wenn die sozialen Kategorisierungen um die Wahrnehmung einer Person wetteiferten, sei es entscheidend, wie gut eine Kategorisierung zu einer bestimmten Situation passe, erklärt der Forscher.

Weiß gegen Rot: Bei einem Experiment sahen die Probanden eine Diskussion zwischen zwei Sportteams mit weißen und schwarzen Basketballspielern. Die Studienteilnehmer nahmen nicht die Hautfarbe, sondern die Zugehörigkeit zu einer Mannschaft wahr. © Patrick Seeger

Teamzugehörigkeit überdeckt Hautfarbe

Er konnte belegen, dass sogar eine monumentale Stütze wie die ethnische Zugehörigkeit nicht zwangsläufig im Vordergrund stehen muss. „Dabei glaubt man, dass diese Kategorisierung so präsent sei wie der eigene Vorname.“ Bei diesem Versuch nutzte das Team wieder das „Wer-sagt-was“-Paradigma: Die Probanden sahen eine Diskussion zwischen zwei Sportteams mit weißen und schwarzen Basketballspielern.

Das Ergebnis: Die Teilnehmer orientierten sich bei der Zuordnung der Statements nicht an der Hautfarbe, sondern an der Zugehörigkeit zur jeweiligen Mannschaft. Auf den ersten Blick entsprechen die Ergebnisse einer gängigen evolutionspsychologischen Theorie, die davon ausgeht, die ethnische Zugehörigkeit sei ohnehin nur eine Krücke. Biete man Probanden nämlich Allianzen und Koalitionen als soziale Kategorisierung an, würden Aspekte wie die Hautfarbe zurücktreten.

Kategorien beeinflussen sich

Klauer hat diese Theorie geprüft und erweitert: In einem Experiment präsentierte er seinen Probanden eine Diskussion zwischen weißen und schwarzen Insassen, die in zwei Gefängnissen untergebracht waren. Alle Häftlinge kannten die Bedingungen in beiden Anstalten und sollten sich darüber austauschen. „Von Allianzen konnte aber keine Rede sein. Wir sagten den Probanden, alle Gefangenen seien untereinander verfeindet.“

Auch bei dieser Studie war das Ergebnis eindeutig: Nicht die Hautfarbe wurde berücksichtigt, sondern die Gefängniszugehörigkeit. Mit demselben Verfahren testete das Team die Kategorie Geschlecht. „Deswegen vermuten wir, dass diese Struktur ein allgemeingültiges Gesetz sein könnte“, führt Klauer aus. „Wenn wir eine starke und eine schwache Kategorie kombinieren, leidet die starke, wenn der Kontext die schwache hervorhebt. Dabei kann es sich auch um unvertraute Kategorien wie Gefängniszugehörigkeit handeln.“

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Hilfe um Vorurteile zu überwinden

Gerade bei Prüfungen und Bewerbungsgesprächen oder in Polizeiverhören und Gerichtsurteilen können voreingenommene Entscheidungsträger großen Schaden anrichten. „Wenn man weiß, wie Vorurteile funktionieren und wann mit ihnen zu rechnen ist, kann man ihnen besser vorbeugen“, ist Klauer überzeugt. Insofern stimmen die Ergebnisse den Forscher optimistisch.

Viele in der Praxis erprobte Verfahren zum Abbau von Rassismus oder Sexismus würden nach dem gleichen Prinzip vorgehen: Wenn Menschen in einer Gruppe an einem Projekt arbeiten, rückt die gemeinsame Aufgabe in den Mittelpunkt – Unterschiede in Hautfarbe und Geschlecht werden weniger wichtig.

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Universität Freiburg, uni’wissen, Rimma Gernenstein
Stand: 19.02.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wettbewerb der Wahrnehmung
Den Gesetzmäßigkeiten von Vorurteilen auf der Spur

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