Bandwürmer und Bewässerung - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wie die antiken Salzminen-Arbeiter lebten

Bandwürmer und Bewässerung

Das Team interessiert sich aber nicht nur für die Ereignisse im Bergwerk selbst, sondern auch für das Leben drumherum – denn beides scheint sich gegenseitig beeinflusst zu haben.

Landschaft rund um die Salzmine Douzlakh © DBM/RUB, F. Schapals

Erst Bewässerung ermöglichte die Landwirtschaft

Bereits in der Frühphase der Achämenidenzeit entwickelte sich ein umfangreiches landwirtschaftliches System im Umfeld des Bergwerks, das in der darauf folgenden Sassanidenzeit wesentlich effizienter wurde, vermutlich weil ein Bewässerungssystem entstand. Denn ein Problem für die Region war gerade der hohe Salzgehalt und dadurch fehlendes Trinkwasser.

„Vermutlich war die Region dadurch anfangs nicht besiedelbar“, mutmaßt Thomas Stöllner. Durch die Gewinne aus dem Salzbergwerk – so lautet eine Theorie – könnte die Bevölkerung jedoch ein Bewässerungssystem etabliert haben. In der Folge waren eine stabilere Agrarwirtschaft und eine Ansiedlung möglich. Das wiederum sorgte dafür, dass das Bergwerk intensiver ausgebeutet werden konnte, weil mehr Arbeitskräfte vor Ort waren.

„Allerdings“, gibt Stöllner zu bedenken, „müssen wir mit Interpretationen immer vorsichtig sein. Trotz der hervorragenden Bedingungen im Iran sehen wir nur Ausschnitte der Geschichte, die wir durch unsere eigenen Hypothesen zusammenbringen müssen.“

Salzmumie mit Bandwurm-Befall

Einen Hinweis auf die Ernährung der damaligen Arbeiter haben Stöllner und seine Kollegen bereits vor einigen Jahren entdeckt. Denn in den konservierten Darm-Überresten einer der Salzmumien konnten sie Eier eines Bandwurms der Gattung Taenia nachweisen. „Die Präsenz von Taenia sp. wirft neues Licht auf einige Aspekte der Gesundheit und der Hygienebedingungen der damaligen Zeit, aber auch auf die Ernährungsgewohnheiten der Menschen im Iran während des ersten Jahrtausends vor Christus“, berichten die Forscher.

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Bandwürmer werden meist durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend durchgegartem Fleisch übertragen. Das lässt vermuten, dass auch der Arbeiter in der Salzmine vor rund 3.000 Jahren das Fleisch eines befallenen Tieres gegessen haben muss. „Archäozoologische Belege bestätigen, dass damals im Iran das Fleisch von Rindern, Ziegen, Schafen und auch Schweinen gegessen wurde, so die Wissenschaftler.

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Julia Weiler/ RUBIN, Ruhr-Universität Bochum; NPO
Stand: 30.11.2018

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Inhalt des Dossiers

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