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Ausweichen und Standhalten zugleich…

Wanderarbeiter in Mali

Während der Trockenzeit (November bis Mai) wirkt der malische Sahel wie eine weite sandige Wüste mit einzelnen großen, parkartigen Bäumen. Während der Regenzeit (Juni bis September ) leben in dem Dorf Gallo rund eintausend Menschen, in der Mehrzahl seßhafte Bauern. In der Trockenzeit halten sich hier nur noch etwa 200 Menschen auf, meist alte Leute, stillende Mütter und Kinder. Die übrigen Einwohner, Frauen und Männer zwischen 18 und 45 Jahren, befinden sich auf Wanderarbeit.

Fällt aufgrund der ungünstig verteilten Regenfälle die Hirseernte extrem schlecht aus, wie zuletzt im Oktober 1990, steht den Bewohnern eine besonders frühe und harte „période de soudure“ bevor – die kritische Saison vor der neuen Getreideernte, wenn die Vorräte des vorangegangenen Jahres bereits aufgebraucht sind.

In dieser Situation müssen die Männer und die Frauen, die gerade kein Baby stillen, auf Wanderarbeit gehen. Die Männer arbeiten in den Kakaopflanzungen von Ghana und der Elfenbeinküste, die Frauen versuchen in Bamako als Hausangestellte oder Kleinhändlerinnen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Durch die Abwanderung von mehr als zwei Drittel der Dorfbewohner wird die Nachfrage nach Getreide im Heimatdorf künstlich verringert. Das verbliebene Getreide kann so für die Kinder und die alten, schwachen Angehörigen „reserviert“ werden. Sie reduzieren ab April, wenn es besonders trocken und heiß ist, die Anzahl der Mahlzeiten von drei auf nur noch eine pro Tag. Diese besteht aus einem zähen Hirse-Tô mit einer grünen Sauce von Blättern des Affenbrotbaumes. Daneben werden als „Hungernahrung“ die braunen Larven der Feldheuschrecke verzehrt, die die Kinder auf den Feldern ausgraben.

Früher mußte außerdem ein Teil der Hirse als Saatgut zurückbehalten werden, das aber heute schon Monate vorher aus Gründen der Getreideknappheit aufgegessen wird. Oft bringen die Wanderarbeiter daher Saatgut aus dem Süden mit. Außerdem wird Hirse für die kommenden Monate (April/Mai) benötigt, wenn die Männer mit den anstrengenden Arbeiten der Feldvorbereitung (Roden, Hacken, Säen) beginnen und gut ernährt sein müssen.

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Neben der Einsparung von Hirse werden auch alle erdenklichen Möglichkeiten zur Bargeldbeschaffung ausgeschöpfen, um die notwendigen Mittel zum Getreidekauf aufzubringen. Wichtige Bargeldquellen der im Dorf verbliebenen Frauen sind der Marktgartenbau und die Sammelwirtschaft.

Auf kleinen bewässerten Beeten werden von den Frauen Zwiebeln, Piment und Tomaten angebaut. Produkte, die sie einmal in der Woche auf dem 20 km entfernten Markt des Städtchens Mourdiah zu verkaufen suchen. Daneben sammeln sie mit den halbwüchsigen Kindern im Busch Brennholz, Wildfrüchte und Blätter verschiedener Wildbaumarten, aber auch Gummi arabicum. Außerdem stellen sie aus dem Kalebassekürbis Schöpflöffel her, und spinnen sie Schafwolle zu grobem Garn. Früher wurden diese Dinge im eigenen Haushalt verbraucht, heute müssen die Frauen alles vermarkten, um das notwendige Bargeld zum Kauf von Getreide zu erwirtschaften.

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Stand: 22.02.2002

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Desertifikation
Lässt sich die Wüstenbildung aufhalten?

Mehr als nur Ausbreitung der Wüsten...
Definition und Zahlen zur Desertifikation

Auch in Europa?
Desertifikation - nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer

Indikatoren
Woran erkennt man eine drohende Wüstenbildung?

Überleben durch Vielseitigkeit
Die Tuareg

Nachhaltigkeit als Überlebensprinzip
Die Buschleute der Kalahari

Ausweichen und Standhalten zugleich...
Wanderarbeiter in Mali

Ist das Problem "hausgemacht?"
Die Ursachen im Überblick

Von Bodenrechten, Geld und Schulden
Die Rolle der Ökonomie

Verwüstungsschutz Wald
Desertifikation als Folge der Abholzung

Sind die Nomaden schuld?
Überweidung als Ursache der Wüstenbildung

Desertifikation - Hunger - Umweltflüchtlinge
Der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogrammes, Klaus Töpfer über die Folgen der Wüstenbildung

Auf der Suche nach effektiven Lösungen
Strategien im Kampf gegen die Desertifikation

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