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Athleten aus dem Genlabor?

Horrorvision Gendoping

Gendoping ist nicht mehr weit © NCI

Kaum scheinen EPO und HGH durch die verbesserten Nachweistechniken einigermaßen kontrollierbar, zieht schon ein anderes Schreckgespenst am Dopinghimmel auf – Gendoping. Und wie bei jedem neuen Wundermittel wird der Siegeszug der spektakulären Idee im Hochleistungssport von Gerüchten eingeleitet. Die Russen – so hört man in Sportlerkreisen – sollen mit Gendoping schon länger experimentieren und dabei sensationelle Resultate erzielt haben. Auch die Amerikaner sind an der Sache dran, wissen andere gut Informierte zu berichten. Schnell ist das neue Mittel oder die neue Methode in der Sportwelt akzeptiert und es finden sich immer Wissenschaftler und Sportler, die bereit sind damit zu experimentieren. So war es bei den Anabolika und dem EPO und so wird es wahrscheinlich auch beim Gendoping sein.

Kommen die Olympiasieger also bald wirklich aus dem Gen-Labor? Diese Horrorvision scheint durchaus realistisch zu sein. In den USA werden bereits heute Gene in Tiere „eingepflanzt“ und erprobt, die beispielsweise die körpereigene EPO-Synthese verbessern sollen. Die ersten Resultate dieser Forschung erscheinen „vielversprechend“.

Muskelaufbauende Impfstoffen im Test

Wissenschaftler des University of Pennsylvania Medical Center in Philadelphia und der Royal Free and University College Medical School in London dagegen experimentieren seit einigen Jahren mit gentechnisch hergestellten, muskelaufbauenden Impfstoffen. Sie injizierten diese Mittel in Mäuse und fanden dabei heraus, dass die Beinmuskulatur der Tiere regelrecht explodierte. In knapp einem Monat steigerte sich die Muskelmasse um 15 bis 27 Prozent und dies ohne jedes Training.

Gelingt eine Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen – die ersten Forschungsprojekte sind in den nächsten Jahren zu erwarten – ist das Ende der bisherigen Muskelpillen im Sport, den Anabolika, endgültig eingeläutet. Und die Genimpfstoffe hätten einen großen Vorteil gegenüber den anabolen Steroiden: Sie sind nicht oder nur schwer nachweisbar.

Mats Garle, der Direktor des Dopingkontrolllabors der Huddinge Universität in Schweden meint das sehr viel raffiniertere Methoden als heute notwendig wären, um diese gentechnisch bedingten Manipulationen zu entdecken. Er befürchtet sogar: „Vielleicht werden wir aber auch niemals eine Lösung für dieses Problem finden.“

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Es ist demnach keine reine Fiktion, dass in der Zukunft „gentechnisch erzeugte Gladiatoren“ bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften um Siege, Medaillen und Rekorde kämpfen werden.

„Noch ist Gendoping zu kompliziert und unkalkulierbar für die Athleten und ihre Betreuer“, meint dazu Muskelforscher Bengt Saltin vom Kopenhagener Muskelforschungszentrum in der August-Ausgabe 2004 der Zeitschrift Technology Review, „aber für die Olympischen Winterspiele 2006 können wir damit rechnen.“

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Stand: 20.08.2004

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Doping
Siege, Rekorde und Medaillen um jeden Preis?

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Schwarze Schafe oder nur die Spitze eines Eisbergs?

Was ist eigentlich Doping?
Über das Problem einer allgemein verständlichen Definition

EPO und Wachstumshormone als Maß aller Dinge
Die aktuellen "In"-Wirkstoffe der Dopingszene

Von Hämatokritwerten, Nachweismethoden und Sauerstoff-„LKWs“
Blutdoping ist kaum in den Griff zu bekommen

Ein körpereigenes Mittel auf dem Vormarsch
Doping mit Wachstumshormonen

Alles unter Kontrolle?
Streit um den Test auf Wachstumshormone

Anabolika - Ein Auslaufmodell?
Der Sieg der Dopingfahnder schien nah

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THG und der Balco-Skandal

Dopingfälle nur noch aus "Unkenntnis"
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