Apollo, Orion und die ISS - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der Stand der Dinge

Apollo, Orion und die ISS

Die Orion-Kapsel nach ihrem ersten Testflug am 5. Dezember 2014 © U.S. Navy

Nach viereinhalb Stunden war schon wieder alles vorbei. Um 07:05 Uhr Ortszeit hatte die Delta-IV Rakete ihre Triebwerke gezündet, um „Orion“ ins All zu bugsieren, 17 Minuten später schwebte das Test-Raumschiff der NASA in 200 Kilometern Höhe über der Erde. Dann der Belastungstest: Die Triebwerke feuerten noch einmal, Orion stieg auf 5.800 Kilometer – um dann mit über 30.000 Stundenkilometern wieder in die Erdatmosphäre einzudringen und sicher zu landen.

So kurz er war: Der Test der Orionkapsel Anfang Dezember 2014 und die folgende Begeisterung der Amerikaner über ihr bei diesem Flug noch unbemanntes Vehikel sagen viel über den gegenwärtigen Zustand der Raumfahrt. 5.800 Kilometer – weiter von der Erde entfernt war seit mehr als vier Jahrzehnten kein von Menschen gebautes Raumschiff, das potenziell Astronauten transportieren kann.

Apollo 11-Astronaut Buzz Aldrin auf dem Mond - dieses Portrait ist eine Ikone unter den Raumfahrt-Fotos. Aufgenommen hat ihn Neil Armstrong. © NASA KSC

Apollo und dann – nichts mehr

Nach den mittlerweile legendären Apollo-Missionen der NASA zum Mond in den Jahren 1969 bis 1972 kam in Sachen bemannter Raumfahrt lange – nichts. Zumindest nicht, wenn es um Missionen ging, die sich nicht im erdnahen Orbit abspielen.

Szenenwechsel, Sommer 2014. Der Raum ist groß und nur spärlich beleuchtet vom Schimmern der Computermonitore. Vorne auf der Videoleinwand läuft ein Countdown. Drei. Zwei. Eins. Dann erscheint Alexander Gerst, dieser junge Mann, den man viele Male freundlich lächelnd in der Zeitung gesehen hat. Er trägt ein schwarzes Polo-Shirt. Gerst hantiert mit einer Digitalkamera. Er befindet sich 400 Kilometer über der Erde, im Columbus-Modul der Internationalen Raumstation ISS.

ESA-Astronaut Alexander Gerst bei einem Außeneinsatz an der ISS im Sommer 2014 © NASA/JSC

Bastelarbeiten auf der ISS

Für die nächsten 43 Minuten können ihm die Techniker hier im Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln jetzt live zusehen, ihm Anweisungen geben. Gerst hat die Füße in zwei Halteschlaufen gesteckt, um in der Schwerelosigkeit nicht davonzuschweben. Er verstaut die Kamera. Dann schiebt er einen kleinen, schwarzen Kasten in ein größeres, silbernes Gehäuse. Er rüttelt daran. Alles scheint stabil zu sein.

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Gerst will schon weitermachen, da meldet sich ein Techniker im Kontrollzentrum. Da müsse noch eine Schraube festgezogen werden, spricht er ins Mikrofon. Gerst fängt an zu schrauben. In dem silbernen Gehäuse steckt ein Experiment, eines von Hunderten an Bord der ISS. Die Wissenschaftler nennen es EML. Das steht für Elektromagnetischer Levitator; es geht um Materialforschung. Die Details sind kompliziert. So kompliziert, dass nur wenige Menschen sie verstehen. Die meisten davon sind jetzt hier im Raum und überwachen Gersts Arbeit. Auch er ist kein Experte für diese speziellen Details.

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Bastian Berbner / Helmholtz Perspektiven
Stand: 06.02.2015

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Vor dem großen Sprung?
Neuer Aufbruch in der bemannten Raumfahrt

Apollo, Orion und die ISS
Der Stand der Dinge

Wissenschaft statt Wagnis
Umstrittener Forschungs-Standort Umlaufbahn

Ein neuer Boom
Startups geben der bemannten Raumfahrt neuen Schub

Auf zum Mars!
Neue Pläne für Flüge zum Roten Planeten

Roboter versus Astronaut
Was kann die bemannte Raumfahrt besser?

Diaschauen zum Thema

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