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Alles unter Kontrolle?

Streit um den Test auf Wachstumshormone

„Wachstumshormonspiele“ – unter diesem Titel sind die Olympischen Spiele von Sydney in Insider-Kreisen in die Geschichte eingegangen. Zwar gab es im Jahr 2000 keine positiven Testergebnisse, aber schließlich waren die auch nicht zu erwarten. Grund: Es existierten keine genehmigten Analysemethoden, die ein solches Doping hätten nachweisen können.

Machen Wachstumshormone immer schneller? © IMSI MasterClips

Skeptisch machten aber nicht nur die Dopingfahnder beispielsweise die überragenden Schwimmleistungen während der Spiele, die durch besonderes Talent oder verbesserte Trainingsmethoden allein kaum zu erklären waren. Auch die bereits im Vorfeld Olympias aufgedeckten Schmuggelversuche von Wachstumshormonen ließen für viele den Schluss zu, dass HGH schon damals in Sportlerkreisen weit verbreitet war. Tendenz stark steigend.

Vier Jahre später zu Olympia 2004 in Athen schien dieses Problem endlich gelöst – zumindest aus Sicht des IOC und der Welt-Anti-Doping-Agentur. In Presseartikeln und Interviews ließen Sportfunktionäre und Offizielle wie der Chef der WADA, Richard Pound, keine Gelegenheit aus, den für die Spiele erstmals vorgeschriebenen Test auf Wachstumshormone euphorisch zu loben und wieder einmal die „sauberen Spiele“ zu proklamieren.

Augenwischerei oder effektiver Test?

Doch diese öffentlichkeits- und sponsorenwirksame Meinung wurde längst nicht von allen Dopingexperten geteilt. Das ARD-Magazin Monitor sprach in seiner Sendung vom 12. August 2004 im Zusammenhang mit dem Dopingtest von „Augenwischerei“. Der in der Sendung zu Wort gekommene Heidelberger Wissenschaftler Werner Franke bezeichnete die Kontrollen auf Wachstumshormone sogar als „PR-Aktion“ des IOC: „Da der Nachweis des Tests laut der Wissenschaftler selbst nur 36 Stunden ist, wird also jeder, der an Ort und Stelle im Wettkampf ist, es früh genug abgesetzt haben und es wird nichts nachweisbar sein.“

Wenn die Sportler bei Olympia oder anderen Wettkämpfen ankommen, hat das Wachstumshormon daher längst seine Wirkung getan – Steigerung der Muskelmasse bei gleichzeitiger Verringerung des (überflüssigen) Fettanteils – und könnte den dopenden Sportlern unter Umständen den entscheidenden Vorteil im Wettkampf bringen.

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Sinnvoller wäre es deshalb gewesen, die Olympiateilnehmer während der monatelangen Vorbereitungsphase auf die Spiele regelmäßig auf Wachstumshormon-Doping zu kontrollieren. Da dies alles natürlich auch dem IOC bekannt ist, äußern Kritiker – wohl nicht ganz zu Unrecht – Zweifel an der Redlichkeit der Bemühungen der höchsten Sportfunktionäre beim Kampf gegen HGH.

Dabei wäre es für das IOC einfach gewesen, die Zweifler mundtot zu machen. Schon seit dem März 1999 ist dem Gremium eine viel wirkungsvollere Analysemethode, der so genannte Sönksen-Test, bekannt. Anhand von bestimmten Wachstumshormon-Markern im Blut können die Wissenschaftler damit noch drei Wochen nach der letzten Einnahme der Wirkstoffe den Dopingversuch ans Tageslicht bringen.

Doch statt die Forscher bei der Verbesserung des Tests zu unterstützen und damit möglichst schnell eine effektive Kontrolle des HGH-Dopings parat zu haben, hat das IOC 1999 – aus welchen Gründen auch immer – eine weitere finanzielle Förderung der Forscher abgelehnt.

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Stand: 20.08.2004

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Doping
Siege, Rekorde und Medaillen um jeden Preis?

Johan Mühlegg, Ben Johnson, Marco Pantani...
Schwarze Schafe oder nur die Spitze eines Eisbergs?

Was ist eigentlich Doping?
Über das Problem einer allgemein verständlichen Definition

EPO und Wachstumshormone als Maß aller Dinge
Die aktuellen "In"-Wirkstoffe der Dopingszene

Von Hämatokritwerten, Nachweismethoden und Sauerstoff-„LKWs“
Blutdoping ist kaum in den Griff zu bekommen

Ein körpereigenes Mittel auf dem Vormarsch
Doping mit Wachstumshormonen

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Streit um den Test auf Wachstumshormone

Anabolika - Ein Auslaufmodell?
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