Aktive Ruhepause - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Was im Schlaf passiert

Aktive Ruhepause

Schlaf ist für den Körper eine überlebenswichtige Ruhepause, heißt es oft. Doch eine wirkliche Pause bedeutet diese Zeit nicht. Zwar scheint der Organismus äußerlich ruhig, im Inneren aber laufen aktive Prozesse ab: Während wir schlafen, muss unser Körper wichtige Arbeit leisten.

Er schüttet Wachstumshormone aus, die er für die Reparatur und Regeneration von Zellen in Organen und Geweben braucht. Außerdem aktiviert er das Immunsystem: Abwehrzellen fahnden nach unerwünschten Eindringlingen wie Viren und Bakterien, wichtige Wundheilungsprozesse werden angekurbelt. Sie laufen jetzt schneller ab als im wachen Zustand.

Unser Gehirn ist im Schlaf hochaktiv. © Shivendu Jauhari/ thinkstock

Das Gehirn räumt auf

Auch unser Gehirn ist im Schlaf hochaktiv – insbesondere in den Traumschlafphasen. Das Denkorgan nutzt die nächtliche Ruhephase, um molekulare Abfallstoffe auszuschwemmen. Außerdem räumt es in dieser Zeit auf: Es ordnet all jene Dinge, die wir tagsüber erlebt haben und legt zu Merkendes im Langzeitgedächtnis ab.

Bei diesem Prozess skaliert das Gehirn wahrscheinlich Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen herunter, über die elektrische Signale mithilfe von chemischen Botenstoffen an die Nachbarzelle weitergegeben werden. Diese Synapsen werden selektiv verstärkt, wenn wir tagsüber neue Informationen verarbeiten: Sie wachsen gewissermaßen zu Autobahnen für den Datenverkehr heran.

Nächtliche Schrumpfkur

Im Schlaf jedoch werden sie einer Schrumpfkur unterzogen: Untersuchungen an Mäusen zeigen, dass die Berührungsflächen zwischen den Synapsen nach ein paar Stunden Schlaf um rund 20 Prozent verkleinert sind und auch die Zahl der Rezeptoren für Neurotransmitter abgenommen hat. Durch dieses Herunterskalieren entsteht Platz für Neues. So kann das Gehirn tagsüber wieder neue Informationen aufnehmen und verarbeiten, indem es bestimmte Synapsen verstärkt.

Anzeige

Ohne die nächtliche Rekalibrierung müssten die neuronalen Übergangsstellen entweder ins Unendliche wachsen oder hätten ihre maximale Ausprägung alsbald erreicht. Hirnstrommessungen bestätigen das: Sie zeigen, dass bei Menschen mit Schlafmangel die Synapsen überaktiv sind und nicht mehr weiter wachsen können. Für unsere geistige Leistungsfähigkeit ist Schlaf demnach von großer Bedeutung – ohne ihn wäre unser Gehirn schnell überfordert.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. weiter

Daniela Albat
Stand: 08.09.2017

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Schlaf
Das geheimnisvollste Drittel unseres Lebens

In einer anderen Welt
Vom Wach- in den Schlafzustand

Aktive Ruhepause
Was im Schlaf passiert

Lernen im Schlaf
Schlummerphasen legen den Grundstein für Lernprozesse

Langschläfer oder Kurzschläfer?
Wie viel Schlaf der Mensch von Natur aus braucht

Nächtliche Störenfriede
Was den Schlaf stört – und welche Folgen das hat

Richtig schlafen
Anleitung für eine erholsame Nacht

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Nachtschicht hemmt die DNA-Reparatur
Ausgebremste Reparatur könnte erhöhtes Krebsrisiko bei Schichtarbeit erklären

Klimawandel raubt uns den Schlaf
Schon ein Grad wärmere Nachttemperaturen erhöhen die Zahl der schlaflosen Nächte

Schlaflos durch Feinstaub und Co
Luftverschmutzung fördert chronische Schlafstörungen

Neuer Blick ins schlafende Gehirn
Kombination von EEG und Spektralanalyse macht subtile Veränderungen sichtbar

Dossiers zum Thema

Träumen - Wenn das Gehirn eigene Wege geht...

Anzeige
Anzeige