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Musik und Sprache prägen das Kind schon im Mutterleib

Achtung, Fötus hört mit!

Was akustisch um uns herum vor sich geht, bekommen wir als Ungeborenes wahrscheinlich schon ab der 16. Schwangerschaftswoche mit. Ab dann ist unser Gehör so weit ausgebildet, dass es Geräusche und Töne unterscheiden und verarbeiten kann. Der Herzschlag der Mutter und ihre Stimme sind ab diesem Zeitpunkt die ständigen Begleiter des Kindes.

Etwa ab der 16. Woche hört das Ungeborene mit © Little Bee / thinkstock

Lieber Mozart als ein Brummton

Etwa ab dieser Zeit reagiert das Ungeborene auch auf Musik, wie ein vor kurzem Experiment belegte: Wurden Kinder im Mutterleib mit einer Flötensonate von Mozart beschallt, reagierten sie prompt: Sie begannen, ihren Körper zu bewegen, streckten ihre Glieder und rissen den Mund weit auf. Etwa die Hälfte der Kinder streckte dabei auch die Zunge heraus, wie die Forscher mittels Ultraschall beobachteten.

Diese Reaktion erfolgte jedoch nur bei Musik. Erschallte stattdessen ein eintöniger Brummton, zeigten die ungeborenen Kinder nur wenig Regung. Damit allerdings die Musik bis zum Nachwuchs durchdringt, muss die Beschallung ziemlich laut sein: Gut 50 Dezibel aus einem auf die Bauchhaut gelegten Lautsprecher reichten nicht aus, um eine Reaktion des Fötus zu provozieren.

Typische Mimik des Ungeborenen beim Musikhören: Mund auf und Zunge raus © Marquès Institut

Schreien in der Muttersprache

Im letzten Drittel der Schwangerschaft nimmt das Ungeborene auch die subtilen Nuancen unserer Sprache wahr. Zwar hört es seine Mutter nur sehr verzerrt und versteht keine Worte, aber die typische Melodie und Intonation seiner Muttersprache dringen zu ihm durch. Dadurch wird das Kind schon jetzt auf die typische Sprachmelodie seiner Muttersprache geprägt.

Dieses typische Auf und Ab findet sich deshalb schon direkt nach der Geburt im Schreien von Neugeborenen wieder, wie Forscher im Jahr 2009 beobachteten. Sie hatten die Schreie von wenige Tage alten Säuglingen französischer und deutscher Eltern aufgezeichnet und analysiert. Dabei zeigte sich: Die französischen Neugeborenen schrien häufiger in ansteigenden Melodien und betonten das Ende stärker – wie es auch für das gesprochene Französisch der Fall ist. Bei den deutschen Säuglingen fielen dagegen Tonhöhe und Lautstärke zum Ende hin eher ab, wie es für das Deutsche typisch ist.

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Das Mithören im Bauch der Mutter gibt den Kindern demnach schon wichtige Starthilfen für die spätere Sprachentwicklung. Es ist daher nach Ansicht der Forscher durchaus sinnvoll und hilfreich, wenn vor allem die Mutter mit ihrem Ungeborenen spricht. Die Mutter deshalb, weil sich ihre Stimme sich über den Körper am stärksten bis ans Ohr des Kindes überträgt.

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Nadja Podbregar
Stand: 13.05.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Im Mutterleib
Das geheime Leben des ungeborenen Kindes

Startschuss und Symmetriebruch
Vom Zellklumpen zu den ersten Organen

Training für den Ernstfall
Der Fötus beginnt sein Eigenleben

Feinschmecker im Fruchtwasser
Der Geschmack entwickelt sich als erstes

Achtung, Fötus hört mit!
Musik und Sprache prägen das Kind schon im Mutterleib

Kleine Effekte - große Wirkung
Wie vorgeburtliche Einflüsse uns prägen

Zwischen Symbiose und Fremdkörper
Wenn Kindeszellen die Mutter "entern"

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