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Warum schenken wir uns etwas?

Sozialpsychologie

Geschenkpackungen
© FutUndBeidl on flickr / CC BY 2.0

Nicht nur zu Weihnachten und zum Geburtstag schenken sich Menschen etwas. Das Übereichen von kleinen und großen Aufmerksamkeiten hat in vielen Kulturen eine lange Tradition. Dabei kann das Schenken unterschiedlichsten sozialen Funktionen dienen – und nicht immer ist das Erhalten eines Geschenks ein positives Erlebnis. Eine Beschäftigung mit dem Thema zeigt: Schenken ist eine Kunst mit vielen Facetten.

Besonders interessant wird es, wenn Geschenke nicht in einem privaten Rahmen überreicht werden. Denn als Mitbringsel auf Staatsbesuchen oder als Aufmerksamkeit für Geschäftskunden werden Geschenke noch einmal ganz anders wahrgenommen. Je nach Einschätzung des Beschenkten kann ein Präsent dann schnell als unpassend eingestuft werden und negative Assoziationen wecken. Gerade wer im geschäftlichen Rahmen sein Unternehmen bekannter machen möchte, sollte lieber auf bewährte Klassiker der Werbung setzen, statt durch allzu exotische Geschenke um Aufmerksamkeit zu heischen. Auch geschlechtsspezifische Geschenke können heikel sein: Unternehmen, die ihren weiblichen Kunden Kochutensilien schenken und ihren männlichen Sportartikel, riskieren beispielsweise den Vorwurf, Stereotype zu festigen. Und das ist alles andere als gute Werbung.

Welchen Nutzen kann Schenken haben?

Es gibt verschiedene Theorien zum Schenken als soziale Handlung. Eine besagt, dass das Überreichen einer Gabe sich aus der Partnersuche entwickelte. Man übergab also etwas, um jemand anderen für sich zu gewinnen. Ob metaphorisch oder buchstäblich – bis heute ist das sicher immer noch eine der Aufgaben, die ein Geschenk übernehmen kann.

Geschenke festigen und verbessern die Beziehungen zwischen Menschen. Das merken schon Kinder, die erlernen, warum man beispielswiese Süßigkeiten mit Freunden teilen sollte. Laut dem Ethnologen Marcel Mauss ist beim Schenken aber nicht nur wichtig, dass etwas gegeben wird, sondern ebenso, dass die andere Seite das Geschenk annimmt. Meist besteht auch die Erwartung, dass der oder die Beschenkte irgendwann dem anderen mit einem Geschenk antwortet. Mauss zog seine Schlüsse aus Beobachtungen „archaischer“ Gesellschaften und veröffentlichte sie bereits 1923 in einer Studie. Doch ohne Zweifel ist diese Haltung auch in moderneren Kulturen verbreitet.

Eine andere Theorie besagt, dass sich das Schenken aus dem Bedürfnis entwickelt hat, Machtverhältnisse zu verdeutlichen. Schenken kann nur, wer mehr besitzt, als er selbst braucht. Beschenkt jemand mit großem Reichtum jemanden, der das nicht durch Geschenke von gleichem Wert erwidern kann, wird dadurch der geringere Status des Beschenkten unterstrichen. Stimmt diese Theorie, kann das natürlich dazu führen, dass der Beschenkte eher beschämt über das Geschenk ist als erfreut. Oder es endet in einem regelrechten Geschenkewettstreit für den in früheren Zeiten gebrandschatzt werden musste oder heute mitunter ein Kredit aufgenommen wird.

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Bewertung von Geschenken

Auch, wenn die oben genannten Theorien davon ausgehen, dass Geschenke durchaus einen Nutzen für den Schenkenden haben, ist ein aus altruistisches Gründen überreichtes Geschenk immer noch das anerkannte Ideal. Wer zu offensichtlich schenkt, um daraus einen Vorteil zu ziehen, scheint in den Augen der meisten Menschen eher Tauschhandel zu betreiben.

Besonders bei nicht privaten Geschenken, die im einem politischen oder geschäftlichen Rahmen gemacht werden, ist das Misstrauen bei Beschenkten und Beobachtern oft groß, da man in solchen Fällen oft unterstellt, dass das Geschenk Mittel zu einem bestimmten Zweck ist. Ein Beispiel dafür sind große Geldsummen, die von wohlhabenden Menschen an gemeinnützige Projekte als Spende verschenkt werden. Was auf den ersten Blick positiv wirkt, führt bei Skeptikern schnell zum Verdacht, der Schenkende wolle sich selbst durch das Geschenk in ein gutes Licht rücken. Auch wird häufig kritisch hinterfragt, wie der Reichtum, der die Spende ermöglichte, überhaupt zustande kam.

Ein anderes Beispiel für Geschenke, die nicht aus altruistischen Gründen erfolgen, bilden all jene Fälle, in denen sich die Schenkenden geschäftliche Vorteile davon erhoffen. Große Geldbeträge, die Industrielle an Parteien spenden, die über wirtschaftsrelevante Gesetze entscheiden, werden fast immer als unangemessene Einflussnahme gewertet. Dasselbe gilt für großzügige Geschenke an einflussreiche Einzelpersonen. Nimmt der Beschenkte diese Gaben dann an, überträgt sich das Misstrauen der Bevölkerung oft auch auf ihn. Auch bei der Annahme von Geschenken sollte man sich daher Gedanken zur Motivation und Wirkung machen.

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