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Vision Welt ohne Zeitzonen: Ist es möglich?

Weltzeit

Chronometer
Überall eine eigene Uhrzeit – bald Schnee von gestern? © Ozphoto / Adobe Stock

Die Zeit ist ein Phänomen, das die Menschheit schon seit Jahrtausenden begeistert und beschäftigt. Mit unseren eigenen Methoden versuchen wir, die physische Größe, auf der das Universum basiert, zu verstehen, zu bändigen und für unsere Zwecke zu nutzen. In der Zeitmessung für den Alltag auf der Erde ist es dazu gekommen, dass der Planet in Zeitzonen eingeteilt wurde. Das hat zwar praktische Vorteile, doch kommt auch mit Nebeneffekten daher, die Probleme entstehen lassen. Daher gibt es hin und wieder das Argument, dass Zeitzonen abgeschafft werden sollten und stattdessen eine einzige, überall gültige Uhrzeit eingeführt wird. Doch ist das überhaupt in der Praxis möglich?

Zeitzonen: Hintergrund zur Entstehung

Die Erde ist eine Kugel und dreht sich sowohl um die eigene Achse als auch auf einer Umlaufbahn um die Sonne. Da der gesamte Tagesverlauf anhand dieser Drehungen definiert wird – eine Erdumdrehung dauert knapp 24 Stunden – ist es logischerweise nicht überall auf dem Planeten gleichzeitig Tag oder Nacht.

Die Tageszeit ist also überall auf der Erde unterschiedlich, je nachdem, wo von einem bestimmten Standort aus gesehen die Sonne aktuell steht. Pro Längengrad beträgt der Zeitunterschied am Sonnenstand gemessen etwa vier Minuten.

Damit jedoch innerhalb von Regionen, in denen regelmäßiger Transport herrscht, nicht ständig die Uhren um einige Minuten korrigiert werden müssen, hat die Menschheit eine clevere Lösung gefunden: Die Zeitzonen.

Geografisch klare Abgrenzungen

Es handelt sich dabei um größere geografisch abgesteckte Gebiete, in denen die gleiche Uhrzeit vereinbart wurde. Eine solche Normzeit wurde im 19. Jahrhundert notwendig, da es mit technischen Fortschritten möglich wurde, schnell und häufig große Distanzen zurückzulegen.

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Daher ist seither der gesamte Globus in Zeitzonen unterteilt. Die geografischen Zeitzonen sehen jeweils eine Stunde Zeitunterschied vor, weshalb es entlang der Längengrade insgesamt 24 Zeitzonen gibt. Die Uhrzeit auf dem gesamten Planeten lässt sich dank dieser festgelegten Differenzen gut vergleichen.

So wird sichergestellt, dass überall, wo man sich auf der Welt befindet, die Uhrzeit in einem akzeptablen Rahmen der Tageszeit entspricht – aber gleichzeitig die regional notwendige Standardisierung erfüllt wird. Dadurch wird es erst möglich, im Alltag den Überblick zu behalten und etwa die eigene Armbanduhr immer nutzen zu können, nachdem sie einmal richtig eingestellt ist.

Zeitzonen in der Praxis

Im täglichen Leben hat die Verlässlichkeit auf die Uhrzeit große Relevanz, auch schon zu einer Zeit, da die Gesellschaft noch weniger global vernetzt war. Lange waren analoge (Armband-)Uhren das einzig verlässliche Instrument, nicht nur um Tagesabschnitte präzise bestimmen zu können.

Spezielle Uhrformen, wie etwa der Chronograph mit seinen besonderen Zusatzfunktionen, zeigen, dass die Zeitmesser auch noch für viele andere Situationen genutzt wurden und zum Teil immer noch werden. Manche Modelle verfügen nicht nur über eine integrierte Stoppuhr, sondern können auch die Zeit für mehrere unterschiedliche Orte auf der Welt anzeigen.

Ausgehend vom Nullmeridian, der durch den Londoner Stadtteil Greenwich verläuft – daher stammt die häufig verwendete Standarduhrzeit „Greenwich Mean Time“ (GMT) – wird es alle fünfzehn Längengrade in Richtung Osten eine Stunde später. Bis man schließlich am 180. Meridian in der zwölften Zeitzone die Datumslinie erreicht. Denn dort gelten auf beiden Seiten jeweils andere Kalendertage, überschreitet man sie in Richtung Osten, so gelangt man zurück in den vorangegangenen Kalendertag.

Unterschiedlich große Zonen

Diese rein geografisch notwendigen Details wären schon kompliziert genug, doch in der Praxis kommen noch einige Faktoren hinzu, die den Überblick zusätzlich erschweren. Aktuell sind nämlich anstatt der 24 Zeitzonen, die durch die stündliche Gliederung entstehen würden, ganze 38 verschiedene Zeitzonen in Verwendung.

Das kommt durch eine Kombination vieler verschiedener Gründe politischer, sozialer und praktischer Natur zu Stande. Damit innerhalb einzelner Länder keine zusätzliche Zeitzone verwendet wird, sind die Grenzen häufig nicht exakt entlang der Meridiane gesetzt.

Das Extrembeispiel ist China, wo trotz der riesigen Fläche, die sich über mehr als 4.000 Kilometer von West nach Ost erstreckt, nur eine einzige Zeitzone genutzt wird. Rein geografisch ergeben sich vier Stunden Unterschied zwischen den Provinzen, die am weitesten voneinander entfernt liegen.

Zusatzregelungen und Ausnahmen

Außerdem benutzen einzelne Länder besondere Zeitzonen, die sich nicht an die Faustregel der 24 Zeitzonen handeln. Nepal ist ein Beispiel dafür – dort wird eine eigene Uhrzeit genutzt, bei der fünf Stunden und 45 Minuten auf die Zeit in Greenwich gerechnet werden. Auch in Australien gibt es zwei Zeitzonen, bei denen eine halbe Stunde eingerechnet wird.

Dazu kommt noch, dass Staaten (oder Staatenverbünde wie die EU) eigenmächtig entscheiden, ob sie eine Sommer- und Winterzeit nutzen möchten, wodurch es zu zusätzlichen Verschiebungen kommt. Wieder am Beispiel Australien lässt sich gut sehen, wozu das führen kann – dort haben nämlich die beiden größten Bundestaaten Queensland und Western Australia keine Sommerzeit, die restlichen Regionen jedoch sehr wohl. Somit haben Queensland und New South Wales im Winter stets die gleiche Uhrzeit, im Sommer liegt Queensland jedoch eine Stunde zurück.

Solche Verwirrungen und gesellschaftliche Gründe haben dazu geführt, dass überall die Diskussion um die Abschaffung der Sommerzeit laut geworden ist, so auch kürzlich wieder hierzulande.

Royal Observatory in Greenwich
Das Observatorium in Greenwich © coward_lion / Adobe Stock

Gründe für und gegen Zeitzonen

Nun stellt sich die Frage, warum Zeitzonen überhaupt ein Punkt der Diskussion geworden sind. Wenn sie doch aus geografischen Gründen nötig sind – man stelle sich einmal vor, die Sonne ginge bei uns erst gegen 20 Uhr am Abend auf – wieso stehen sie dann überhaupt zu Debatte?

Trotz der scheinbaren Notwendigkeit der stundenweisen Einteilung unseres Planeten gibt es viele verschiedene Argumente auf beiden Seiten, die sowohl für den Erhalt als auch für die Abschaffung sprechen. An den Stichpunkten, anhand derer die Sommerzeit diskutiert wird, lassen sich einige davon bereits gut festmachen.

Tageslicht optimal nutzen

Die Zeitumstellung soll beispielsweise bewirken, dass mehr abendliche Freizeit im Sommer mit Sonnenstunden zusammenfällt. Nach Feierabend kann man sich somit noch über eine zusätzliche Stunde Helligkeit freuen. Gleichzeitig führt das dazu, dass in der Zeit, in der die meisten Menschen aktiv sind, natürliches Sonnenlicht vorhanden ist, wodurch keine künstliche Beleuchtung nötig ist – massive Energieeinsparungen sollen das Resultat sein.

Doch in der Praxis führt es zu Müdigkeit in den Tagen und Wochen nach der Umstellung, einer Zunahme an gesundheitlichen Problemen und – zumindest bei Analogen und traditionellen Digitaluhren – dem Potential für große Verwirrungen. Besonders in Grenzgebieten, wo eine Seite die Sommerzeit nutzt, die andere jedoch nicht, kann es dabei zu Missverständnissen und zusätzlichem Organisationsaufwand kommen. Dank der sogenannten MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit) betrifft uns das zwar nicht – doch an vielen Orten der Welt ist es Realität.

Vergleichbarkeit weltweit

Bei den Zeitzonen sieht es ähnlich aus. Morgen, Mittag und Sonnenuntergang fallen dank dieses Konzeptes auf vergleichbare Uhrzeiten. Der natürliche Rhythmus des Menschen, der sich an den Tageszeiten orientiert, wird dadurch unterstützt. Man steht zur selben Uhrzeit auf, Sommer wie Winter. Wenn in einem US-Amerikanischen Film von acht Uhr morgens die Rede ist, versteht die ganze Welt direkt, was genau damit gemeint ist. Das schafft eine leicht verständliche Vergleichbarkeit.

Trotz all dieser prinzipiell gut gemeinten Gründe, die dafürsprechen, dass diese beibehalten werden, gibt es auch einige Kontrapunkte. Diese haben dazu geführt, dass anhand von Modelltheorien die Einführung einer einzigen Weltuhrzeit diskutiert wurde. Das ist in naher Zukunft zwar nicht besonders wahrscheinlich, aber zumindest ein sehr interessantes Gedankenexperiment.

Folgende Gründe sprechen für eine weltweite Normzeit:

  • Einheitlich: Die Notwendigkeit des Umrechnens fällt weg. Wenn es bei uns 18 Uhr ist, kann ich dann bei Verwandten in Kalifornien anrufen? Gerade Events mit weltweiter Relevanz sind dann weit einfacher zu verfolgen.
  • Globalisierung: Vor allem die Weltwirtschaft agiert zunehmend global, aber auch die Interessen von Verbrauchern sind immer weiter über den Erdball verteilt. Die Koordination mit Terminen oder Veranstaltungen, die weit entfernt passieren, fällt somit deutlich leichter. Große Teile des Bruttosozialproduktes sind vom internationalen Handel abhängig und auch die Politik agiert vermehrt global. Beides würde deutlich erleichtert werden, Fehler, die durch Zeitzonen-Verwirrung entstehen, fallen weg. Forscher sprechen diesem Punkt daher große wirtschaftliche Potenziale zu. Besonders der internationale Börsenhandel wäre stark vereinfacht.
  • Reisen: Man fliegt um zehn Uhr los, sitzt für acht Stunden im Flieger und landet um 13 Uhr mittags – so in etwa erlebt bei einem Flug von Deutschland nach New York City. Zusätzlich zum typischen Jetlag kommt dann die verwirrende Umstellung der Uhr nach der Landung. Bei einer einheitlichen Zeit würde dies wegfallen. Auch die Datumsgrenze, die in manchen Fällen Probleme bereitet, wäre dann nicht mehr nötig.
  • Soziale Gewohnheit: Viele Punkte, die für den Erhalt der lokalisierten Zeitzonen sprechen, sind rein menschlicher Natur. Dass eine einzige Zeit schwierig vorstellbar ist oder unlogisch wirkt, liegt zum Großteil an unseren Gewohnheiten – denn die Zahlen auf der Uhr sind letztendlich arbiträr. Würden wir in einer Welt leben, in der es morgens bereits 15 Uhr ist, wäre dies ebenfalls völlig normal. Lediglich die Phase der Umgewöhnung vom Status Quo wäre schwierig.

Die Bezeichnung der Uhrzeiten ist also lediglich ein soziales Konzept, die der physischen Tageszeit einen für uns interpretierbaren numerischen Wert gibt. Dieser ist aktuell je nach Ort auf der Welt unterschiedlich, dafür aber überall zu jeder natürlichen Situation vergleichbar. Bei einer Welt ohne Zeitzonen wäre es exakt umgekehrt – ein Zustand, an den wir uns nur gewöhnen müssten.

Eine einzige Weltzeit

Die Tatsache, dass die Erde in Zeitzonen aufgeteilt ist, bedeutet nicht, dass es keine spezifische Uhrzeit gibt, nach der sich die gesamte Welt richten kann. Diese ist natürlich willkürlich festgelegt – das geschah erstmals 1884 auf der Internationalen Meridiankonferenz. Traditionell fiel die Wahl der Zeit, die für unterschiedliche Orte genutzt werden sollte, auf die mittlere Ortszeit am Nullmeridian – also der Greenwich Mean Time.

Diese ist nun schon seit vielen Jahren in Verwendung, um eine Referenzzeit für jeden Ort der Erde zu haben – unsere Winterzeit in Mitteleuropa wird beispielsweise als GMT+1 bezeichnet. Heißt: In Deutschland ist die örtliche Uhrzeit genau eine Stunde weiter als in Greenwich, in der Ukraine zwei und in Japan neun Stunden.

Mit der Zeit unterlag diese weltweit eingesetzte Richtzeit natürlich einigen Änderungen. 1928 wurde sie in Universal Time (UT) umbenannt – mit dem Hintergrund, dass die in der Astronomie eingesetzte Greenwich Mean Astronomical Time zu Verwirrungen führen konnte.

Präzise Zeitmessung ist Voraussetzung

Doch auch die Universal Time basierte noch auf der tatsächlich gemessenen Sonnenzeit im Greenwich Observatorium. Dank der dadurch entstehenden Varianz durch Faktoren wie der Erdrotation war sie für viele hochpräzise technische Zwecke nicht geeignet – bis die Erfindung der Atomuhr dafür eine perfekte Alternative bot.

Daher wurde dann im Jahr 1972 auch die Weltzeit auf Berechnung anhand der Uhrzeit der Atomuhr unter Hinzufügen von Schaltsekunden zum Ausgleich geographischer Faktoren umgestellt. Die sogenannte Koordinierte Weltzeit (Universal Coordinated Time, UTC) ist seitdem der eingesetzte Standard. Auch die Angaben der verschiedenen Zeitzonen werden offiziell seitdem in der Form UTC+1 ausgedrückt.

Im Grunde ist also bereits eine festgelegte Weltzeit vorhanden, auf die sich alle Staaten einigen könnten. Aufgrund ihrer Einheitlichkeit und Präzision wird sie bereits bei vielen Zwecken eingesetzt, die besondere Anforderungen haben. Besonders die Luftfahrt, im Internet und als Zeitbasis der meisten digitalen Geräte, aber auch auf der Internationalen Raumstation oder in der Meteorologie ist die UTC unabdingbar geworden.

Weltweit gibt es viele nationale Institute, die für die weltweite Koordinierung der Weltzeit zusammenarbeiten und alle unterstehen sie dem Internationalen Büro für Maß und Gewicht (BIPM). So wird die größtmögliche Einheitlichkeit garantiert.

Weltkarte Zeitzonen
Die Zeitzonen der Erde © martinova4 / Adobe Stock

Eine Welt ohne Zeitzonen?

Die Weltzeit gibt es also bereits, doch Zeitzonen und örtliche Uhrzeiten sind weiterhin die Grundlage für jegliche Zeitangaben im Alltag. Wie sähe nun eine Welt mit einer vollständig international koordinierten Zeit aus?

Zuerst einmal würde überall die exakt gleiche Uhrzeit auf den Uhren stehen. Selbst an zwei Orten, die auf der entgegengesetzten Seite der Erde liegen, wäre es gleichzeitig zwölf Uhr. Vereinbaren also Geschäftsleute in China und Kanada ein Konferenzgespräch, so ist es kaum mehr möglich, dass dieses aufgrund von Missverständnissen wegen der Zeitzonen verpasst wird. Der gesamte Planet würde einem synchronen Takt folgen.

Doch nicht nur das – auch Menschen im Weltall, wie aktuell die Astronauten auf der ISS, in naher oder ferner Zukunft wiederum Kolonien auf dem Mond oder anderen Planeten, würden ohnehin aller Wahrscheinlichkeit der koordinierten Weltzeit folgen.

Auswirkungen auf das Datum

Zudem würde das im Endeffekt bedeuten, dass das aktuelle Datum überall das gleiche wäre. Da ein neuer Tag ohnehin schon zu einer arbiträren Tageszeit beginnt, anstatt am Morgen, wenn wir aufstehen um ihn anzugehen, wäre dies jedoch keine wirkliche Umstellung.

Was jedoch unterschiedlich wäre und von uns allen ein gewisses Maß an Umstellung erfordern würde: Die Uhrzeit, an der Morgen oder Abend ist, wäre an jedem Ort anders. In Mitteleuropa gingen wir dann beispielsweise erst um neun Uhr zur Arbeit, während bei New Yorkern während dem Frühstück noch drei Uhr auf dem Wecker angezeigt wird. Anstatt bei einer Reise die Uhr umzustellen, müssten wir uns also informieren, wie die lokalen Geschäfts- und Tageszeiten lauten.

Es ist also hauptsächlich das Problem der Umgewöhnung auf ein neues Zeitgefühl, das als Gegenargument bestehen bleibt. Allerdings wäre gerade dies kein einfaches Unterfangen, da unser Umgang mit Zeit und das Zeitempfinden generell von vielen Faktoren beeinflusst wird – etwa vom Alter oder auch von der Sprache. Doch die Vorteile der globalen Kommunikation und die Maximierung wirtschaftlicher Potentiale könnten dieses rein konservative Interesse am Ende übertreffen.

Weltweite Einigung notwendig

Ebenso wäre die Frage ungeklärt, welche Zeitzone für die Weltzeit übernommen werden würde. Einfach wieder die eurozentrische UTC/GMT zu wählen. würden sicherlich viele internationale Parteien für ungerecht halten.

Über die Frage der exakten Organisation der Uhrzeiten und dadurch bedingt der Kalenderdaten könnten die Verantwortlichen ebenfalls Jahrelang diskutieren – dies ist jedoch nicht wirklich nötig. Dank der Arbeit einiger Visionäre gibt es bereits ein ausgeklügeltes Modell, das die meisten der offenen Fragen beantwortet und für viele Probleme intelligente Lösungen parat hat.

Die beiden Professoren der John Hopkins University im US-Bundesstaat Maryland Richard Henry und Steve Hanke haben gemeinsam einen neuartigen Kalenderplan entworfen, der für einen weltweit einheitlichen Zeitplan geeignet wäre – und sogar mehr als das, auf lange Sicht den gesellschaftlichen Umgang mit der Zeit vereinfachen würde.

Der sogenannte „Permanente Hanke-Henry-Kalender“ reorganisiert die Jahrestage so, dass sowohl die Daten als auch die Uhrzeit vollständig einheitlich angelegt wären:

  • Monate folgen einem 30-30-31-Muster, jedes Quartal besteht also aus zwei Monaten mit 30 Tagen, während der dritte Monat 31 Tage hat.
  • Im Gegensatz zu anderen utopischen Kalendervorschlägen bleiben Wochen bei einer Dauer von sieben Tagen und Tage bei 24 Stunden.
  • Das Jahr hat somit nur noch 364 Tage. An die Stelle von Schaltjahren tritt ein siebentägiger Extramonat, der alle paar Jahre zwischen dem 31. Dezember und 1. Januar eingeschoben wird.
  • Daten und Wochentage wären jedes Jahr exakt gleich. So ist der erste Januar jedes Jahr ein Montag, Heiligabend würde stets auf einen Sonntag und somit den vierten Advent fallen.
  • Zeitzonen würden abgeschafft werden. Stattdessen nutzt die ganze Welt gemeinsam die UTC-Uhrzeit. Neue Monate, Quartale und Jahre beginnen somit jedes Jahr weltweit exakt gleichzeitig.

Im Vergleich zu anderen Neokalendern wie etwa dem Internationalen Ewigen Kalender von Moses Cotsworth, der das Jahr in 13 Monate zu je 28 Tagen unterteilt, werden Datumsbezeichnungen nicht verändert. Das würde den Umstieg für die Gesellschaft viel leichter machen, da kulturelle Gewohnheiten nicht beeinflusst werden. Ebenso bleibt die siebentägige Woche mit Samstag und Sonntag als Wochenende intakt, was vielen religiösen Gruppen entgegenkommt.

Daher ist dies bis dato der praxistauglichste Vorschlag, mit dem eine einheitlichere Zeitmessung für die ganze Welt erreicht werden könnte. Sowohl Zeitzonen, in Schaltjahren unterschiedlich lange Monate als auch ständig wechselnde Daten von bestimmten Tagen wären damit Geschichte.

Die Herausforderungen in der Praxis

Die beiden Argumente, die sich bei derartigen Zukunftsvisionen gegenüberstehen, sind einfach zusammengefasst. Es müsste die Frage geklärt werden, ob es in einer bald vollständig globalisierten Welt mehr Sinn macht, wenn jeder Mensch an jedem Ort die gleiche Uhrzeit und das gleiche Datum teilt, oder wenn die Uhrzeit in einem ungefähren, angewöhnten Verhältnis zum Sonnenstand steht. Für Ökonomen, Politiker und vorwärtsdenkende Menschen dürfte die Antwort klar sein.

Bleibt jedoch noch die Frage, wie genau letztendlich eine sollte Umstellung durchgeführt werden könnte. Die Architekten des Kalenders zielten auf eine allumfassende Einführung des Systems zum 1. Januar 2018 ab, doch dieser Tag ist längst verstrichen. Der aktuelle Datumsstempel, der laut Hanke-Henry gültig wäre, lässt sich auf der offiziellen Website einsehen. Wäre der Kalender aktiv, gäbe es am Ende des Jahres 2020 erstmals eine Extrawoche.

Aufgrund konservativer Argumente ist es jedoch unwahrscheinlich, dass dieses oder ein ähnliches Zeitsystem in absehbarer Zeit eigeführt wird. Der Aufwand zur Umstellung wäre auf lokalpolitischer Ebene und für Einzelpersonen sehr hoch und, ähnlich wie der Wechsel von Links- auf Rechtsverkehr, mit viel Chaos verbunden.

Ohnehin wird UTC bereits häufig verwendet, wenn Einheitlichkeit notwendig ist. Das dürfte in immer mehr Lebenssituationen der Fall sein. Ob globale Interessen in der Zukunft die Probleme nicht bald überwiegen, bleibt abzuwarten, ist jedoch eine realistische Möglichkeit.

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