Trinkwasser in Deutschland - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wasserversorgung

Trinkwasser in Deutschland

Wasserhahn
Trinkwasser in Deutschland mag nicht perfekt sein. Andererseits gibt es auch nur wenige Länder, die es noch besser können. Und die, die es tun, sind meist kleiner. pixabay.com, congerdesign

Gäste aus vielen Ländern loben regelmäßig das, was in Deutschland aus dem Hahn fließt. Wohlschmeckend sei es, naturbelassen. Und viele loben zudem die Abwesenheit des stechenden Chlorgeruchs, der andernorts häufig dem Trinkwasser entströmt. Ja, unser Leitungswasser hat international auch einen „Made in Germany“-Ruf. Aber wie gerechtfertigt ist er und wie wird er erlangt?

Ist unser Wasser wirklich perfekt?

Die kurze Antwort lautet, leider nein. Die etwas längere: Perfektion ist ein relativer, ein subjektiver Begriff, den jeder anders interpretiert. Ganz objektiv sieht es in Deutschland so aus, dass Trinkwasser einer Bundesrechtsverordnung namens Trinkwasserschutzverordnung (TrinkwV) unterliegt. Und diese gibt für das gesamte Bundesgebiet einheitliche Grenzwerte vor, was die Verunreinigungen des Trinkwassers anbelangt – strenge Grenzwerte.

Um wirklich „perfekt“ zu sein, gibt es jedoch zu viele Hürden

  • Die Grenzwerte werden zwar vom Bund vorgegeben. In der Praxis ist die Trinkwasserversorgung jedoch rechtlich kommunale Zuständigkeit und praktisch eine Aufgabe von kommunalen Eigenbetriebe, Zweckverbänden zusammengeschlossener Kommunen oder Wasserverbänden. Und die TrinkwV unterscheidet die Häufigkeit der Grenzwertprüfungen je nach abgegebener Wassermenge und Art der Prüfparameter. Das heißt, ein kleiner Versorger muss mitunter seltener prüfen als ein Großstadt-Versorger. Das lässt Raum für Fehler.
  • Trinkwasser besteht in Deutschland aus einem Wassermix. Und bereits die Zusammensetzung des Bodens, durch den Grundwasser fließt, sorgt für teils erhebliche regionale Geschmacksunterschiede. Ein Wasser, das im thüringischen Schmölln aus dem Hahn kommt, wird anders schmecken als eines, das im südbadischen Schramberg entnommen wird. Und Geschmäcker sind verschieden – ähnlich wie bei abgefüllten Mineralwässern.
  • Klärtechnik für Abwässer stößt vor allem bei Pestiziden und Medikamenten manchmal(!) an seine Grenzen. Das kommt zwar nicht häufig vor, ist aber eben eine Tatsache, die Perfektion ausschließt
  • Die Trinkwasserqualität wird nur bis zum Hausanschluss garantiert. Durch danach entstehende Verunreinigungen kann ein ansonsten hochwertiges Wasser auch verschmutzt werden.
Wasserhahn
Trinkwasser in Deutschland mag nicht perfekt sein. Andererseits gibt es auch nur wenige Länder, die es noch besser können. Und die, die es tun, sind meist kleiner. pixabay.com, congerdesign
Ist unser Trinkwasser „perfekt“? Nein, dazu wäre noch bessere Filtertechnik sowie 24/7-Echtzeit-Kontrolle notwendig. Ist unser Trinkwasser jedoch „sehr gut“? Definitiv, das sagt auch das Umweltbundesamt, das bei einem Test in 99% aller Fälle die Grenzwerte unterschritten sah. Wer es bei sich überprüfen möchte, bestellt sich ein Analyseset bei Wassertechnik PRO, das ist ein Spezialist für Wassertechnik und bekommt nach einigen Tagen per Mail ein Labor-Ergebnis. Doch auch das wird in den allermeisten Fällen folgendes bestätigen: Wer in Deutschland den Hahn aufdreht, kann bedenkenlos trinken.

Wie entsteht das Trinkwasser?

Es wurde bereits kurz die Zusammensetzung von Trinkwasser angeschnitten. Doch um den Entstehungsprozess vollständig zu beleuchten, muss genauer darauf eingegangen werden.

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  • Angereichertes Grundwasser (eine Mischung aus echtem Grundwasser, Oberflächenwasser und Uferfiltrat)
  • Echtes Grundwasser
  • Oberflächenwasser aus Seen, Flüssen und Talsperren
  • Quellwasser
  • Uferfiltrat

Das sind die Bestandteile, aus denen je nach Region das Trinkwasser zusammengesetzt ist. Wie die Zusammensetzung erfolgt, hängt von lokalen Gegebenheiten ab. Das kann beispielsweise Oberflächenwasserqualität sein oder die Untergrund-Zusammensetzung, die das Bohren nach echtem Grundwasser, welches von Profis aus mehreren hundert Metern Tiefe gewonnen wird, erschwert bzw. verteuert.

All diese Wässer gelten als Rohwässer. Sauber, vielleicht sogar trinkbar. Aber noch nicht auf dem standardisierten, kontrollierten Level, welches die TrinkwV erfordert. Zunächst wird daher in einem lokalen Wasserwerk das Reinheitsverhältnis der zur Verfügung stehenden Wasserquellen labortechnisch überprüft. Anhand dessen erfolgt die Mischung, an die sich wiederum die Filtrierung anschließt. Diese teilt sich auf in chemische und physikalische Verfahren auf. In der Regel beginnt alles mit letzterem. Dabei wird das Wasser durch immer feinere Filteranlagen, beginnend mit Sandfiltern, gepumpt, bis zu dem Punkt, an dem teilweise Umkehrosmose-Membranen verwendet werden. Aktivkohle sorgt für weitere Reinigung und hilft zudem dabei, das Wasser auf einen regional gleichbleibend-einheitlichen Geschmack zu bringen.

In vielen Regionen ist damit der Reinigung bereits genüge getan – das Wasser ist so sauber, wie es das Gesetz erfordert. Wo es das nicht tut, meist ist eine mikrobiologische Verunreinigung schuld, wird (sanfte) Chemie verwendet. Ziel ist es dabei immer, mit geringstmöglichem Einsatz maximale Wirkung zu entfalten. Dazu kommt beispielsweise Chlor zum Einsatz – allerdings geht der Trend stark in Richtung chemiefreie Desinfektion. Etwa durch starke UV-Strahlung, welche Kleinstlebewesen im Wasser sehr zuverlässig abtötet.

Von hier aus wird nun ein Teil des Trinkwassers sofort „unter Druck gesetzt“ und mittels großer Pumpen in das örtliche Trinkwassernetz eingespeist. Was übrig bleibt, wird in gigantische Speicherkavernen gepumpt, die viele tausend Liter umfassen.

Baustelle mit Bagger
Vor allem Bauarbeiten verursachen immer wieder Rohrleitungsschäden, die Reparatur- und Reinigungsarbeiten nach sich ziehen. pixabay.com, Reisefreiheit-eu

Das Leitungsnetz – notwendiges Übel

So manche kommunale Trinkwasserversorger würden diese Zwischenüberschrift heftig nickend unterschreiben. Denn wenn das Wasser das Wasserwerk verlässt, beginnt die Problematik meistens erst. Was dort mit je nach Region ungefähr vier Bar Druck in die großen, bis zu 2,5 Meter durchmessenden Zubringerleitungen eingespeist wird, ist sauber. Aber mit jedem Meter an Rohrleitung kann mehr schief gehen. Und es ist meist ein weitverzweigtes Netz:

  • Zubringerleitung zwischen Wasserwerk und dem generellen Areal, das zu versorgen ist
  • (Verbindungsleitungen, falls mehrere Versorgungsgebiete zusammengeschlossen sind)
  • Versorgungsleitungen im eigentlichen Ort, sprich, in den Straßen
  • Anschlussleitungen, welche von den Versorgungsleitungen bis zum Wasserzähler (der sogenannten Übergabestelle) führen

Das können je nach Region einige Kilometer sein. Und überall droht Verunreinigungsgefahr durch Rost, Bauarbeiten, Wurzeln und noch vieles mehr. Aus dem Grund ist die Unterhaltung eines Rohrleitungsnetzes auch eine immerwährende Arbeit, welche gerade für kleinere Kommunen auch einen großen Personal- und Kostenfaktor darstellt.

Eigeninitiative

Auch die Wasserleitungen hinter der Übergabestelle sind heute genormt und daher frei von schädlichen Stoffen (etwa den Bleirohren früherer Jahre). Wer allerdings zum Ergebnis kommt, dass er für sich jegliches Restrisiko ausschließen will, kann sein Wasser ab Hahn durch handelsübliche Filter zusätzlich säubern. Das ist sogar in solchen Regionen, bei denen das Wasser viel Kalk enthält und somit als „hart“ gilt, nicht einmal übertrieben – der Kalk setzt sich ab und sorgt neben hartnäckigen Flecken auf Armaturen auch für schlechtere Wirkungsgrade (etwa Heizspiralen in der Waschmaschine) oder auch Schäden.

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