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Definition, Chancen und Risiken

Telemedizin

Telemedizin
Die Telemedizin ermöglicht die Diagnose, Therapie und Reha - ohne, dass dafür Patient und Arzt in einem Raum sein müssen. Stattdessen dienen Computer oder Messenger als Kommunikationsmedium. © pixabay.com, geralt

Die Telemedizin bahnt sich den Weg in die Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küchen und Arbeitszimmer. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff genau und welche Chancen und Risiken bietet das Prozedere?

Wortwegweiser. Das verbirgt sich hinter dem Begriff Telemedizin

Die Bundesärztekammer hat folgende Definition zur Telemedizin veröffentlicht: „Telemedizin ist ein Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die als Gemeinsamkeit den prinzipiellen Ansatz aufweisen, dass medizinische Leistungen der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Rehabilitation sowie bei der ärztlichen Entscheidungsberatung über räumliche Entfernungen (oder zeitlichen Versatz) hinweg erbracht werden. Hierbei werden Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt.“

Verbrieft und gesetzlich festgezurrt sind die Regularien seit dem 118. Ärztetag, der im Jahr 2015 stattfand. Aus dem 12-Punkte-Katalog, der bereits fünf Jahre vorher zur Diskussion vorgelegt wurde, wurden im Jahr 2015 Einsatzgebiete der telemedizinischen Patientenversorgung benannt.

Deswegen öffneten die Entscheider der Telemedizin die Tore

Die Intention derer, die im Rahmen des Ärztetages zu dieser Festlegung kamen, wird deutlich benannt: Zum einen soll die Qualität gesteigert werden, in diesem Zusammenhang ist auch von einer Versorgungsgerechtigkeit die Rede. Zum anderen soll Versorgungslücken vorgebeugt werden.

In der Tagesschau wurde der Inhalt dieser Festlegung so für die Endverbraucher „übersetzt“: „Künftig sollen Fernbehandlungen demnach ‚im Einzelfall‘ erlaubt sein, wenn sie ärztlich vertretbar erscheinen, die ärztliche Sorgfalt gewahrt wird und der Patient über die Besonderheiten dieser Beratungsform aufgeklärt wird. Behandlungen auf digitalem Kommunikationsweg sind in der Schweiz und dem EU-Mitglied Schweden bereits erlaubt. In Deutschland sind Sprechstunden per Anruf, Chat oder SMS bislang nur möglich, wenn sich Arzt und Patient mindestens einmal analog kennengelernt haben.“

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Technische Angebote begleiten den Weg der Telemedizin

Telemedizin passiert online. Da ist es nur verständlich, dass sich mittlerweile online weitere Ideen zu etablieren versuchen, die in engem Zusammenhang mit der Telemedizin stehen. Die folgenden zwei Beispiele verfolgen dabei ganz unterschiedliche Ansätze.

1.)    AU-Schein setzt auf die Krankmeldung per Messenger

Ende 2018 ist ein Unternehmen an den Markt gegangen, das AU-Schein, heißt und darauf abzielt, dass Arbeitnehmer wegen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) nicht mehr stundenlang im Wartezimmer des Arztes sitzen müssen, um anschließen die für den Arbeitgeber wichtige AU zu erhalten. Die Alternative, die AU-Schein bietet, heißt: Hier gibt’s die nötige Bescheinigung der Krankheit per WhatsApp – und nicht nur der Schein kommt per Messenger.

Um die Krankschreibung zu erhalten, müssen ein paar Fragen beantwortet werden, in denen die Symptome dargelegt werden. Wer in diesem Frage-Antwort-Chat die Symptome einer klassischen Erkältung aufweist, bekommt ebenfalls über den Messenger eine Krankschreibung und Therapieempfehlungen. Die Daten der Versichertenkarte werden via Foto übermittelt; der Krankenschein wird anschließend noch zusätzlich per Post verschickt. Zwei Einschränkungen gibt es zu diesem Service: Er kostet neun Euro und ist nur zweimal im Jahr „erlaubt“.

Auf die Stimmen der Kritiker reagiert das Unternehmen, laut einem Artikel in der Welt, mit eben diesem Statement: „Das Unternehmen selbst gibt auf seiner Webseite zu bedenken, dass Arbeitgeber und Krankenkassen gegenüber diesem Modell misstrauisch sein könnten, da die Wahrscheinlichkeit, einfach „blauzumachen“, bei der Telemedizin höher eingeschätzt werde. Das könne für den Patienten und Arbeitnehmer zum Nachteil werden.“

2.)    Apomeds will Patienten, Ärzte und Apotheker „entlasten“

Auch Apomeds, eine regulierte Gesundheitsplattform, nutzt die Chancen der Telemedizin und unterbreitet seinen Kunden dieses Angebot online: „Sobald Sie das Medikament gewählt haben, beantworten Sie einen kurzen Fragebogen, der innerhalb von Minuten von einem EU-lizenzierten Arzt geprüft wird. Ihr Rezept wird ausgestellt und eine EU-regulierte Apotheke sendet Ihnen die Bestellung frei Haus. KOSTENLOSER und rascher Versand. KOSTENLOSE Rezeptausstellung. Zu keinem Zeitpunkt werden Ihre medizinischen Informationen mit anderen geteilt. Der gesamte Prozess ist strikt vertraulich, sicher und geschützt.“

Damit geht dieser Anbieter einen anderen Weg als AU-Schein, denn: Hier geht es nicht um die Krankschreibung, sondern um das passende Medikament. So wird die Online-Diagnose mit der Online-Apotheke gekoppelt. Die Intention dahinter klingt hingegen wie aus der Festlegung, die beim Ärztetag formuliert wurde: Patienten soll die Mühe erspart werden, zum Arzt oder Apotheker zu pilgern – für allgemeine oder auch unangenehme Erkrankungen. Das Internet könne mit Nichten einen Arztbesuch ersetzen, erklären die Betreiber der Gesundheitsplattform, allerdings kann es Patienten Wege ersparen, beispielsweise wenn die Erkrankung bereits erkannt ist oder ein Folgerezept benötigt wird. Auch Ärzte könnten von diesem Prozedere profitieren, denn sie haben so wieder mehr Zeit für die Diagnose schwieriger Fälle.

Fazit: Die Digitalisierung der ärztlichen Versorgung

Die Telemedizin kann als Digitalisierung der Medizinbranche begriffen werden. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Die bereits erwähnte Intention – einer Versorgungslücke vorzubeugen – ist durchaus ein Vorteil, denn während in ländlichen Gegenden die Ärzte per se rar sind, sind in den Städten die Arztpraxen überfüllt. Zudem gibt es bereits weiterführende Überlegungen, wie beispielsweise die über den Einsatz von Telenotärzten.

Doch auch die Kritiker erheben ihre Stimme nicht grundlos, denn: Eine Diagnose per Computer oder eine Krankschreibung per Messenger kann den Besuch beim Arzt nicht immer ersetzen. Doch wer genau hinsieht merkt, dass das auch gar nicht der Hintergrund ist.

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