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Studie: Später in Rente = schlechtere Gesundheit?

Renteneintrittsalter

Älteres Paar an Seeufer bei Sonnenuntergang
Den Lebensabend genießen – eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein späterer Renteneintritt negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben kann. © stock.adobe.com, luengo_ua

Eine DIW-Studie hat die Zusammenhänge zwischen einem höheren Rentenalter und gesundheitlichen Folgen näher untersucht. Das Ergebnis ist klar und durchaus nicht überraschend: Es gibt negative Auswirkungen. Aber was bedeutet ein höheres Rentenalter, was sagt die Studie und ab wann gilt ein Arbeitnehmer überhaupt als nicht mehr arbeitsfähig, also invalide? Dieser Artikel schaut sich die Studienergebnisse genauer an und erklärt, welche Folgen sich daraus ergeben.

Was zeigt die Studie genau?

„Jährlich grüßt das Murmeltier“. Was in täglicher Form ein durchaus belustigender Film war, ist rund um die jährlich wiederkehrende Debatte über höhere Renteneintrittstermine allenfalls lästig. Die meisten Arbeitnehmer schütteln schon bei der bloßen Vorstellung mit dem Kopf und meinen förmlich den sich bildenden Bluthochdruck zu spüren. Länger arbeiten? Bitte nicht, es reicht auch so. Allerdings sind das meist nur subjektive Empfindungen. Der DIW hat sich jetzt aber mal ernsthaft mit den Folgen eines höheren Renteneintrittsalters beschäftigt – und kommt zu dem Ergebnis, das die oben genannten Empfindungen unterstützen dürfte:

  • Die Studie – sie bezieht sich auf die Abschaffung der Altersrente von Frauen im Jahr 1999. Das Ergebnis ist deutlich, denn ein höheres Eintrittsalter verschlechtert die psychische und die gesundheitliche Verfassung.
  • Fokus – die Studie befasst sich besonders mit den psychischen Folgen eines höheren Renteneintrittsalters. Das ist verständlich, denn die »freie« Lebenszeit wird nun deutlich verknappt. Psychische Krankheiten stiegen im Laufe der Studie an, doch auch andere Krankheiten nahmen zu. Die Mutmaßung ist, dass Arbeit gerade im höheren Alter eine Stressbelastung darstellt.
  • Körperliche Erkrankungen – sie sind weniger spezifisch aufzeigbar, da sie immer von Diagnosen und persönlichen Schicksalen abhängt. Sprich: Nicht jeder Hochbetagte leidet unter Arthrose oder Rheuma. Im Schnitt steigerte sich aber die Affinität zu Adipositas um einen Prozentpunkt. Rückenschmerzen oder Arthrose nahmen ebenfalls zu.

Die Studie gibt aber auch Aufschluss über Hilfestellungen. So müssen präventive Maßnahmen gefördert werden – bevor es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt. Wenn ein Mensch erst einmal unter Depressionen oder Adipositas leidet, ist die Leistungsfähigkeit bereits eingeschränkt, auch das weitere Leben wird beeinflusst. Können solche Faktoren aber im Vorfeld ausgeschlossen, vermieden oder wenigstens abgeschwächt werden, sinkt die Gefahr einer ernsthaften Erkrankung.

Die Autoren der Studie sagen aber auch klipp und klar, dass eine Erhöhung des Renteneintrittsalters mit einer Verbesserung und Reform der Erwerbsminderungsrente einhergehen muss. Das ist klar: Je länger Menschen arbeiten müssen, um in den Genuss der Altersrente zu kommen, desto höher ist die Zahl derer, die aus gesundheitlichen Gründen (psychisch und physisch) vorzeitig ausscheiden. Diese Menschen dürfen nicht schlechter gestellt sein, nur weil ihr Körper »nicht liefert«.

Was bedeutet ein höheres Rentenalter?

Ein höheres Rentenalter ist für die Betroffenen mitunter belastend. Fast jeder Arbeitnehmer entwickelt Pläne für das Rentenalter: Reisen, Unternehmungen, vielleicht auch die Zeit mit den Enkeln oder Urenkeln. Steigt die Regelalterszeit, so sinkt wahrscheinlich auch die Zeitspanne, während der solche Unternehmungen unternommen werden können. Selbst bei der steigenden Lebenserwartung in Deutschland sind Altersgebrechen weiterhin normal. Im Ernstfall minimiert sich schlichtweg die Zeitspanne zwischen Arbeitsplatz und Altenheim. Das belastet psychisch. Doch es gibt weitere Probleme:

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  • Längere Arbeitszeit – sie wurde oben schon beschrieben. Der Zeitanteil des Lebens, der nicht auf das Arbeitsleben entfällt, sinkt. Je nach Vorerkrankungen oder gesundheitlichen familiären Belastungen kann sich zwischen dem Alter von 67 Jahren und 70 Jahren schon viel ändern.
  • Früheres Ausscheiden – wer trotzdem früher ausscheiden möchte, muss mit einer verringerten Altersrente rechnen. Das geht wiederum nur, wenn wahlweise zuvor sehr gut verdient wurde, keine Belastungen vorhanden sind oder wenn die Betroffenen entsprechend privat vorgesorgt haben. Letzteres funktioniert natürlich nur, wenn das Einkommen dies zulässt. Der Niedrig- und Mindestlohnarbeiter wird nur wenig zu seiner privaten Vorsorge beitragen können.

Die Frage, ob ein erhöhtes Renteneintrittsalter wirklich wirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich kaum beantworten. Zudem ist eine klare Regelung ohnehin nicht durchführbar. Ein körperlich arbeitender Mensch kann grundsätzlich nur kürzer arbeiten als jemand, dessen körperliche Anstrengung sich auf die Bedienung einer Computertastatur beschränkt.

Älterer Mann an Swimmingpool
© stock.adobe.com, fovivafoto

Private Altersvorsorge muss gestärkt werden

Fest steht jedoch: Steigt das Rentenalter und sinkt so faktisch das Rentenniveau, muss die private Vorsorge weiter gestärkt werden. Die aktuellen Möglichkeiten sind zwar Schritte in die richtige Richtung, jedoch erscheinen Reformen unumgänglich:

  • Riester-Rente: Die Riester-Rente war einst das Herzstück der privaten Altersvorsorge. Mit diesem Instrument sollten Arbeitnehmer zum Sparen für das Alter angehalten werden. Dafür winkten steuerliche Vorteile und attraktive Zulagen. Doch zu starre Regelungen haben dafür gesorgt, dass sich die Riester-Rente oft nur für Geringverdiener und Familien mit vielen Kindern lohnt.
  • Rürup-Rente: Die Rürup-Rente richtet sich vor allem Selbständige, die für das Alter vorsorgen. Diese können 94% ihrer Einzahlung steuerlich geltend machen. Dies gilt aktuell (Stand: 2022) bis zu einem Höchstbetrag von 25.639 Euro.
  • Frei vorsorgen: Wer frei für das Alter vorsorgt, kann oft höhere Renditen erzielen. Dafür kann das Geld angetastet werden, wenn die oder der Betroffene zwischendurch in die Arbeitslosigkeit rutscht. Die private Rentenversicherung bietet einen Vorteil bei der Steuer: Wer sich das angesparte Vermögen einer privaten Rentenversicherung als Jahresrente auszahlen lässt, muss nur den Ertragsteil versteuern.

Invalidität: Ab wann gelten Arbeitnehmer als arbeitsunfähig?

Rund um das vorzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsleben muss immer zwischen Berufs- und Arbeitsunfähigkeit unterschieden werden. Die Berufsunfähigkeit besagt, dass ein Arbeitnehmer nicht mehr in seinem eigentlichen Beruf arbeiten kann. Ein Dachdecker kann aufgrund von Gleichgewichtsproblemen nicht mehr aufs Dach, also kann er berufsunfähig sein. Er kann aber noch im Büro arbeiten – er ist somit nicht arbeitsunfähig. Grundsätzlich gilt:

  • Stundenregel – als arbeitsunfähig und somit geeignet für die Erwerbsminderungsrente ist der, der regelmäßig nur noch bis zu höchstens 3 Stunden täglich arbeiten kann. Die Art der Beschäftigung ist nun gleichgültig.
  • Erhalt – vor der Rente müssen Rehamaßnahmen absolviert Auch berufliche Neuorientierungen zählen dazu. Es gibt bei der Rente Abstufungen zwischen voller und teilweiser Erwerbsminderung.
  • Voraussetzungen – um die EU-Rente zu erhalten, müssen Versicherte mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Zudem müssen während der letzten fünf Jahre mindestens drei Jahre Pflichtbeträge in die Rentenversicherung gezahlt worden sein.
  • Volle Erwerbsminderung – hierzu zählen die, die in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, in einer ähnlichen beschützenden Einrichtung beschäftigt sind, aufgrund ihrer Erkrankung/Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können. Trotz der Rente kann ein Nebenjob ausgeübt werden, doch darf dieser gewisse zeitliche und finanzielle Grenzen nicht überschreiten.
  • Teilweise Erwerbsminderung – Betroffene können drei, doch nicht mehr als sechs Stunden arbeiten, die Tätigkeit ist dabei nebensächlich. Die Rentenzahlung beträgt die Hälfte der vollen Erwerbsminderungsrente. Hinzuverdienste werden auf die Rente angerechnet, sollten Zeiten überschritten werden, kann der Anspruch auf die Rente entfallen. Das betrifft auch Tätigkeiten, die auf selbstständiger Basis beruhen: Autorentätigkeiten, Web-/Bilddesign zu Hause etc. Jede Tätigkeit, die einen bestimmten Geldwert überschreitet oder regelmäßig länger als sechs Stunden dauert, wird nachteilig berechnet.
Seniorenpaar liest zusammen einen Vorsorgeplan
Ein höheres Rentenalter kann dazu führen, dass die Rentenleistungen faktisch gekürzt werden. Dies ist immer dann der Fall, wenn Betroffene aufgrund ihres Zustands eher in Rente gehen oder eine Erwerbsminderungsrente beantragen müssen. © stock.adobe.com, Robert Kneschke

Fazit – die Lebensqualität sinkt

Ein höheres Renteneintrittsalter wirkt sich laut der DIW-Studie negativ auf die Lebensqualität und auf die Gesundheit aus. Lang gehegte Pläne und Vorhaben müssen in eine fernere Zukunft verschoben werden, während der Körper weiterhin altert. Psychische Erkrankungen, aber auch körperliche Gebrechen nehmen mit jedem Lebensjahr zu, sodass Vorhaben einfach unrealistischer werden. Der Weg in die Erwerbsminderungsrente oder in den vorzeitigen Renteneinstieg ist auch nicht einfach, da stets mit finanziellen Einbußen gerechnet werden muss.

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