Steuerlast in Deutschland lauft OECD-Studie immer noch »Weltspitze« - scinexx | Das Wissensmagazin
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Steuerlast in Deutschland lauft OECD-Studie immer noch »Weltspitze«

Finanzpolitik

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Bei Steuern und Abgaben gehört Deutschland zu den Spitzenreitern in der Welt. © falco / Pixabay.com

Wer Bürger befragt oder sich selbst um eine Meinung bittet, den überrascht diese Nachricht kaum. Aus Bürgersicht ist die Steuerlast in Deutschland stets zu hoch, denn wer möchte schon sein mühsam erarbeitetes Geld abgeben? Die OECD untermalt diese persönlichen Einschätzungen nun mit einer Studie und stellt fest, dass Deutschland diesbezüglich auf den Spitzenplätzen verweilt. Im Vergleich mit 2017 sanken die Abgaben zwar, doch liegen sie weiterhin über dem Durchschnitt. Doch woran liegt das eigentlich und was können Steuerzahler tun?

Was macht die hohe Belastung in Deutschland aus?

In Deutschland werden Steuern und Sozialabgaben gemeinsam als Belastung gezählt. Aus diesem Grund zahlen Deutsche auch fast 50 Prozent ihres Gehalts als Abgaben. Genau 49,5 Prozent sind es für alleinstehende Arbeitnehmer, die auch die größte Abgabenlast trifft. Nur Belgien ist in der EU Deutschland dicht auf den Fersen. Ein Überblick:

  • Abgaben – im Vergleich zum Vorjahr wurden in 2018 ganze 0,01 Prozent weniger Abgaben geleistet. Werden die OECD-Länder berücksichtigt, ist Deutschland das Land mit den höchsten Abgaben. Der Durchschnitt liegt bei 36,1 Prozent.
  • Problem – die Sozialabgaben machen oft den Mammutanteil der Abgabenlast aus. Aus diesem Grund wird immer wieder gefordert, das Gehalt weniger zu belasten als anderweitige Einnahmen.
  • Pluspunkte – Familien hingegen zahlen deutlich weniger. Nur 34,4 Prozent werden nun abgeführt, womit Deutschland sogar günstiger ist als Frankreich und Italien. Der Grund hierfür ist das Ehegattensplitting sowie natürlich die kostenfreie Mitversicherung von Familienangehörigen.

Gerade für Singles ist dies natürlich ein Problem, denn das Ansparen oder Vorsorgen für ein späteres Leben – oder gar ein Familienleben – ist erschwert, wenn rund die Hälfte der Einnahmen an Steuerlast abgegeben werden muss. Ebenso tragen Alleinerziehende die große Last, denn auch sie können nicht auf das Ehegattensplitting zugreifen, so wie ihnen auch nicht alle Steuerklassen offenstehen.

Wie können Familien ihre Steuerlast über das Jahr optimieren?

Familien und verheiratete Paare haben tatsächlich die Möglichkeit, monatlich mehr auf dem Konto zu haben. Dies gilt zumindest für den Lohnsteuerabzug. Ein Überblick über die Optionen:

  • Änderung der Steuerklassen – Die Steuerklassen regeln bei abhängig Beschäftigten lediglich den Satz, den die Ehepartner während des Jahres bezahlen müssen. An der Steuerlast selbst ändert sich dabei nichts. Trotzdem kann es sinnvoll sein, bei ungleicher Einkommensverteilung das höhere Einkommen mit Steuerklasse 3 und das niedrige mit Steuerklasse 5 zu belegen.
  • Beratungen – grundsätzlich ist es ratsam, sich einmal korrekt fachmännisch beraten zu lassen. Viele Eltern wissen beispielsweise nicht, inwieweit sie Kosten für ihr Kind geltend machen können. Auch diese Ausgaben minimieren die Steuerlast. Dasselbe gilt für Ausgaben, die die Haushaltsführung oder auch die teilweise Pflege der eigenen Eltern betreffen.

Grundsätzlich besteht also die Möglichkeit, die eigene steuerliche Situation als Familie zu optimieren. Darüber hinaus lassen sich zusätzlich noch staatliche Leistungen nutzen, um die Kosten für wichtige Vorhaben zu senken.

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Ein gutes Beispiel stellt in diesem Zusammenhang das Baukindergeld dar, welches Familien einen Zuschuss von 1.200 Euro pro Jahr über 10 Jahre für jedes Kind gewährt, welches zum Antragszeitpunkt unter 18 Jahre alt ist. Auf diesem Weg können Familien mit zwei Kindern bis zu 24.000 Euro an staatlichem Zuschuss beim Bau oder Kauf eines Eigenheims erhalten.

Taschenrechner und Steuerunterlagen
Steuerzahler sollten ihre Möglichkeiten voll und ganz ausschöpfen. © stevepb / Pixabay.com

Was können Selbstständige tun?

Auch Selbstständige können natürlich zusammen veranlagt werden. Zusätzlich haben sie aber Handhaben, um die eigene Abgabenlast allgemein zu senken:

  • Krankenversicherung – manchmal lohnt sich schon der Vergleich und ein Wechsel der Krankenversicherung. Wer privat versichert ist, der sollte einmal prüfen, ob der Tarif wirklich für einen selbst geeignet ist. Manchmal ist es übrigens günstiger, in die gesetzliche Kasse zu wechseln und die Zusatzversorgung über Zusatzversicherungen sicherzustellen. Pauschal lässt sich das natürlich nicht bestimmen, hier muss jeder für sich selbst rechnen.
  • Versicherungen – Versicherungen sind absetzbar. Das gilt für die beruflichen Versicherungen, aber auch für die privaten Versicherungen. Wer privat für die Rente vorsorgt, der muss diesen Betrag absetzen.
  • Investitionen – mitunter ist es sinnvoll, in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres einen Kredit aufzunehmen und für ohnehin geplante Geschäftsausgaben zu nutzen. Die Ausgabe kann in der EÜR nämlich wiederum abgesetzt werden.

Alleinstehende Selbstständige können ausschließlich über den Versicherungswechsel und Investitionen gehen, um die Steuerlast zu senken. Da sie ohnehin nur jährlich belastet werden, gibt es ausreichend Zeit. Bei Familien müssen Selbstständige wieder überlegen, ob sie den Wechsel der Krankenkasse aufgrund der privaten Mitversicherung vorgehen, denn hier gelten andere Regeln:

  • Mitversicherung – das Kind kann in der privaten Versicherung mitversichert werden, doch ist hierfür ein spezieller Tarif notwendig. Kostenlos ist die Mitversicherung nicht. Dasselbe gilt für den Partner – auch hier muss ein Beitrag bezahlt werden.
  • GKV – ein Kind kann in der GKV versichert sein, auch wenn ein Elternteil privat versichert ist. Dennoch werden hierfür natürlich Beiträge fällig. Die Beitragsfreiheit für Kinder und Familienangehörige gilt ausschließlich für Pflichtmitglieder in der GKV.

Um die Steuerlast als Selbstständiger zu senken, kann jedem nur empfohlen werden, sich wenigstens einmal fachmännisch beraten zu lassen. Sicherlich kostet die Beratung beim Steuerberater ebenfalls, andererseits ist dieser Betrag eine Ausgabe. Oftmals gibt es durchaus gute Optionen, die am Ende bares Geld sparen.

Fazit – es gibt Stellschrauben

An der allgemeinen Steuerlast kann weder ein Selbstständiger noch ein Angestellter in Deutschland etwas ändern. Bestimmte Abgaben sind schlichtweg vorgesehen, jedoch können die Kosten teilweise minimiert werden. Teils reicht es schon als Selbstständiger in einen anderen Tarif bei der Krankenkasse zu wechseln. Familien haben die Chance, über den Wechsel der Steuerklassen Geld einzusparen, doch ist hier genaues Nachrechnen gefragt. Beim Wechsel der Steuerklassen kann es sonst geschehen, dass zwar monatlich mehr übrigbleibt, doch mit dem Steuerbescheid das böse Erwachen in Form einer Nachzahlung kommt.

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