Schnelle Informationsverarbeitung rettet Verschüttete - scinexx | Das Wissensmagazin
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Fachhochschule Köln

Schnelle Informationsverarbeitung rettet Verschüttete

Gebäudeeinstürze mit möglichen Verschütteten gehören für die Feuerwehr zu den technisch komplexesten Szenarien. Dabei muss die Frage, wie viele Personen unter welchen Gebäudeteilen begraben sein könnten, unter großem Zeitdruck beantwortet werden. Das Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr der Fachhochschule Köln hat in seinem BMBF-Projekt „Vernetzte Einsatzführung zur Rettung Verschütteter“ (VERVE) untersucht, wie die Informationsflüsse vor Ort optimiert werden können. Ihre Empfehlung: Ein am Einsatz beteiligter Feuerwehrmann übernimmt die Funktion des Ortungsleiters, bei dem alle Informationen zusammenfließen.

„Eingestürzte Gebäude kommen in Deutschland zum Glück recht selten vor“, sagt Projektleiter Ompe Aimé Mudimu. „Bei der Berufsfeuerwehr Köln waren es zwischen 2006 bis 2010 insgesamt 56 Fälle, was bei insgesamt 36.505 Hilfeleistungseinsätzen gerade einmal 0,15 Prozent entspricht. Wegen dieser geringen Anzahl von Einsätzen verfügen auch nur wenige Feuerwehrleute über Erfahrungswerte in diesem Bereich. Sie stehen bei Vorfällen dieser Art also häufig vor neuen, ihnen unbekannten Situationen. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, dass die Einsatzkräfte bei der Bewertung von Informationen unterstützt werden“, so Mudimu.

Umfrage unter Einsatzleitern

Als Grundlage des Projektes diente eine Umfrage unter Einsatzleitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die seit 1995 mit Gebäudeeinstürzen konfrontiert waren, bei denen Personen vermisst und in den Trümmern vermutet wurden. 82 solche Ereignisse wurden identifiziert, zu 47 davon erhielt das Projektteam verwertbare Antworten. Das Ergebnis: „Bei der Suche nach Verschütteten sind Aussagen von Zeugen, Betroffenen, Angehörigen sowie der Einsatzkräfte die wichtigsten und am häufigsten genutzten Informationsquellen, weit vor Rettungshunden oder technischen Hilfsmitteln“, sagt Projektmitarbeiter Andreas Lotter.

Bei den Befragungen dieser Zeugen entstünde häufig das Problem, dass von mehr Verschütteten ausgegangen werde, als letztlich tatsächlich betroffen waren. „Wenn mehrere Einsatzkräfte die Zeugen befragen, kann es passieren, dass verschiedene Zeugen von ein und derselben verschütteten Person berichten, die Feuerwehrleute aber von mehreren Opfern ausgehen. Dies kann zu falschen Maßnahmen oder falscher Prioritätensetzung führen. Ein systematischer Abgleich der Informationen könnte dies verhindern“, ergänzt Projektmitarbeiter Konrad Barth.

Dass dies ein sehr häufiges Problem ist, habe die Umfrage gezeigt. In vielen Fällen sei man von zu vielen Verschütteten ausgegangen, nur einmal sei die Zahl unterschätzt worden. Auch weil Einsatzleiter im Zweifelsfall eher von einer zu hohen Zahl von Verschütteten ausgehen, als einen Betroffenen zu übersehen.

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Ortungsleiter verbessert Effizienz

„Übernimmt einer der Feuerwehrleute, wie von uns vorgeschlagen, die Funktion des Ortungsleiters, ist es einfacher die Komplexität und den Umfang der Informationen zu bewältigen. Beim Ortungsleiter laufen alle Meldungen zu vermissten oder verschütteten Personen zusammen, er wertet diese aus und filtert heraus, wie viele Menschen vermisst werden und wo sie zuletzt gesehen wurden. So lassen sich Doppelungen vermeiden“, sagt Mudimu.

Die Forschungsgruppe testete im November 2014 die Funktion des Ortungsleiters bei einer Realübung mit dem THW Moers, der Feuerwehr Wesel, dem DRK Wesel und der Rettungshundestaffel Wesel. Das Szenario umfasste den Teileinsturz eines Mehrfamilienhauses durch eine Gasexplosion, bei dem mehrere Bewohner des Hauses verschüttet und ein gegenüberliegendes Wohnhaus stark beschädigt wurde. „Die Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzkräfte hat sehr gut funktioniert. Der Ortungsleiter hat die Informationsflüsse kanalisiert, so dass alle elf betroffenen Personen zeitnah gerettet werden konnten“, so Mudimu.

(Fachhochschule Köln, 15.07.2015 – NPO)

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