Langzeitarbeitslosigkeit: Was passiert mit der Psyche? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Gesundheit

Langzeitarbeitslosigkeit: Was passiert mit der Psyche?

Arbeitslosigkeit beeinträchtigt auch die Psyche und kann zu Depressionen führen. © Adrian Hillman/ thinkstock

Wer lange arbeitslos ist, hat zwar mehr Freizeit, dafür aber gewöhnlich weniger Freude und Spaß am Leben. Arbeitslosigkeit ist eine Form der psychosozialen Zermürbung. Dies ist den wenigsten Menschen bewusst, die sich über einen sicheren Arbeitsplatz erfreuen dürfen. Langzeitarbeitslosigkeit kann daher nicht nur gravierende materielle Folgen, sondern auch erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden, die Psyche und die Persönlichkeit haben und im wahrsten Sinne des Wortes einen Menschen „verändern“. Im folgenden Ratgeber werden die psychischen Auswirkungen erläutert. Zudem werden Tipps gegeben, wie es einem gelingen kann, sich aus der Situation zu befreien.

Was passiert mit der Psyche?

Arbeitslos, keine Perspektiven und stets der Druck, eine Arbeit finden zu wollen oder zu müssen, dies hat oftmals sehr negative Auswirkungen auf die Psyche. Auch die erste Konfrontation mit der Arbeitslosigkeit ist psychisch überaus belastend. Viele erhalten ihre Kündigung zwar nicht völlig überraschend, dennoch trifft es sie häufig unvorbereitet. Diese neue und absolut unangenehme Situation überfordert sie oft und dies bedeutet puren Stress.

Das Risiko, dass Arbeitslose psychisch erkranken, ist mindestens drei Mal höher als bei Berufstätigen. Jeder fünfte Arbeitslose leidet unter Depressionen. Unter ihnen befinden sich viele Langzeitarbeitslose, denn die Dauer der Erwerbslosigkeit beeinflusst die psychosozialen Folgen maßgeblich.

Finanzielle Schwierigkeiten vergrößern das psychische Leid

Je weniger Geld dem Arbeitslosen zur Verfügung steht, desto negativer sind die Auswirkungen. Langfristige finanzielle Schwierigkeiten gehen häufig mit Depressivität und psychosomatischen Beschwerden einher. Betroffene, die aus der schwierigen Situation nicht herauskommen, quälen sich sogar oft mit Selbstmordgedanken.

Viele Bewerbungen wurden verschickt, doch immer nur Absagen. Dies kann jeglichen Lebenswillen nehmen. Übrigens: Online gibt es zahlreiche Stellenangebote in Österreich. Die passenden Jobs können nach Region und Branche gefiltert werden. Hier ist es lohnenswert, sich einmal umzuschauen.

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Die Folgen einer Langzeitlosigkeit

Wenn die Arbeitslosen hoffen, schnell eine neue Arbeit zu finden, leidet die Psyche noch nicht so stark. Doch, wenn die Erwerbslosigkeit länger anhält, werden die negativen Auswirkungen immer deutlicher. Anfangs können sie gering sein, mit zunehmender Dauer treten sie jedoch immer stärker auf. Gelingt es ihnen nicht, psychisch stabil zu bleiben, geraten sie immer mehr in einen Teufelskreis, da es depressiven Personen in Bewerbungsgesprächen schlecht oder gar nicht gelingt, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten darzustellen und von sich zu überzeugen.

Aus den psychischen Problemen resultieren im Laufe der Zeit oftmals negative Gewohnheiten wie Alkohol- und Nikotinkonsum oder Tablettengebrauch. Es zeigt sich im Allgemeinen, dass Arbeitslose im Vergleich zu Erwerbstätigen einen ungesünderen Lebensstil haben.

Soziale Isolation

Langzeitarbeitslosigkeit hat vielfältige negative Auswirkungen auf die Psyche. Sie ziehen sich oftmals immer mehr zurück und nehmen kaum noch am Leben teil. Der Verlust des Arbeitsplatzes ist immerhin mit einer Verminderung des Selbstwertgefühls verbunden. Gleichzeitig gibt es in der Gesellschaft viele Vorurteile gegenüber Hartz-IV-Empfängern: Sie gelten zu unrecht pauschal als faul und antriebsarm.

Da sich seelische Probleme und Stress häufig auch körperlich äußern, sind auch organische Erkrankungen und Beschwerden eine häufige Folge, beispielsweise Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden. Die Schwächung des Immunsystems führt zu einer erhöhten Infektionsanfälligkeit. Langzeitarbeitslose sollen ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall haben.

Fazit

So ausweglos die Situation vielleicht auch gerade erscheinen mag, es ist wichtig, nicht den Glauben zu verlieren, dass es nicht von Dauer sein wird. Wenn es mit dem erlernten Beruf nicht klappt, vielleicht lohnt es sich auch, eine andere Aufgabe anzunehmen. Dies ist heutzutage gar nicht so ungewöhnlich. Viele Menschen arbeiten in einem anderen Beruf. Genauso wichtig ist es, Kontakt zu anderen zu halten und sich nicht zurückzuziehen und damit vielleicht über kurz oder lang zu vereinsamen. Auch körperliche Aktivität ist wichtig, am besten bei Tageslicht. Dies wirkt gegen Stimmungstiefs.

(, 18.09.2017 – )

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