Heuschnupfen kann Depressionen begünstigen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Allergische Reaktionen

Heuschnupfen kann Depressionen begünstigen

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Eine Pollenallergie kann sehr störend sein - doch sie wirkt sich offenbar auch auf unsere Psyche aus. © Unsplash.com, A. Fox

Heuschnupfen an sich macht schon keinen Spaß. Kaum wird das Wetter schön, brennen die Augen, die Nase ist dicht, der Hals kratzt. Wen es richtig schlimm trifft, der reagiert nicht nur auf einzelne Gräser oder Pollen, sondern den ganzen Sommer hindurch. Mit Pech mutiert der Heuschnupfen zu Asthmaanfällen oder breitet sich mit Hautveränderungen aus. Kein Wunder also, dass Forscher nun festgestellt haben, dass der Heuschnupfen an sich eine Depression begünstigen kann. Warum auch nicht? Immerhin sitzen stark Geplagte zu Hause, während sich der Rest der Menschheit am Sommer erfreut. Dieser Artikel beschäftigt sich eingehender mit dem Thema.

Wie sieht der Zusammenhang aus?

Die neue Studie stammt aus Taiwan und zeigt deutlich auf, dass Heuschnupfengeplagte eher dazu neigen, auch psychisch zu erkranken. Das hat mehrere Gründe:

  • Emotionale Belastung – sie ist gerade für jüngere Menschen hoch. Heranwachsende leiden wohl häufiger unter Angststörungen oder Depressionen, wenn sie auch unter Heuschnupfen litten.
  • Aggressionen – die Untersuchten wirkten auch eher aggressiv und impulsiv, was sich wiederum auf den Heuschnupfen zurückführen lässt. Gerade in der Pubertät verstärkt der Heuschnupfen das Gefühl der Verunsicherung – was sich wiederum in Aggression und impulsivem Verhalten manifestiert.
  • Schlafstörungen – das kennt jeder. Wer einmal richtig erkältet war, der weiß, dass man mit verstopfter Nase und Husten nicht schlafen kann. Nun sind aber auch noch die Augen betroffen, denn sie brennen und tränen. All dies stört den Schlaf empfindlich. Und da Schlafmangel Stress bedeutet und Schlafmangel ohnehin depressive Phasen begünstigen kann, ist es kein Wunder, dass Betroffene eher depressiv sind.
  • Erwachsene – das ist im Erwachsenenalter übrigens nicht anders. Hier kann es sogar noch heftiger kommen, denn auch die bipolare Störung, besser als »Manisch-Depressiv« bekannt, tritt häufiger bei Menschen mit Heuschnupfen auf. Dasselbe gilt für die Schizophrenie.

Grundsätzlich kann natürlich gesagt werden, dass gerade depressive Verstimmungen aus den Begleiterscheinungen des Heuschnupfens herrühren. Wenn Jugendliche nicht mit den Freunden an den See können, fühlen sie sich ausgeschlossen. Wenn Erwachsene nicht an Grillabenden teilnehmen können, sind auch sie außen vor. Gepaart mit dem allgemein belasteten Empfinden, den Schlafproblemen und dem durchaus möglichen Vitamin-D-Mangel aufgrund der eingeschränkten Sonneneinstrahlung, weil sich Betroffene im Haus einschließen müssen, ist eine depressive Verstimmung absolut wahrscheinlich. Allerdings muss es nicht dazu kommen.

Was können Betroffene tun?

Manchmal können Allergien so einfach sein. Immerhin lassen sich Tierhaare gut vermeiden, auch Lebensmittel können gut aus dem Speiseplan ausgeschlossen werden. Anders sieht es mit Pollen aus, vor allem für diejenigen, die nicht nur gegen diese eine Grasart oder diesen einen Baum allergisch sind. Wer sich zu diesen Glücklichen zählt, der braucht oft nicht einmal lange zu leiden, denn die Pollensaison endet schon, wenn sie gerade erst begonnen hat. In allen anderen Fällen gilt aber:

  • Das Heim schützen – dies ist vor allem für die Erholung und den Schlaf wichtig. Nun gibt es mehrere Optionen. Gut ist, wenn gar keine Pollen ins Haus gelangen. Manchmal reicht es schon, feuchte Leinentücher vor die Fenster zu hängen und darauf zu achten, dass sich keine Lücken bilden. Auch ein Leinentuch vor einem Fliegengitter kann helfen.
  • Luftreiniger – Luftreiniger sind wunderbar, um störende Partikel aus der Atemluft zu filtern. Die modernen HEPA-Filter halten Pollen zuverlässig auf, auch andere Luftfilter können diesen Effekt haben. Moderne Hauslüftungssysteme nutzen die Filtertypen bereits. Wichtig ist, dass der Filter regelmäßig gereinigt wird. Seine Leistung wird dabei häufig über die sogenannte CADR angegeben. Interessierte erfahren hier mehr zum CADR-Wert und der Bedeutung. Übrigens: Auch die Filteranlagen im Auto regelmäßig erneuern, denn auch hier sind HEPA-Filter im Einsatz.
  • Säubern – gerade Pollen lagern sich liebend gerne mit dem Staub in der Wohnung ab. Während der Pollensaison sollte daher häufiger gesaugt und auch staubgewischt werden. Es ist hilfreich, feucht Staub zu wischen, denn nun werden die Pollen nicht noch in die Luft gewirbelt.

Draußen hilft es meist nur, sich mit Medikamenten und Hilfsmitteln zu behelfen.

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Welche medizinische Behandlung gibt es?

Gegen viele Allergien können sich Betroffene sensibilisieren lassen. Das muss jedoch frühzeitig geschehen, damit im nächsten Sommer Ruhe herrscht. Ob die Krankenkasse die Behandlung übernimmt, hängt von der Schwere der Allergie und der Kasse ab. Oftmals muss der Heuschnupfen schon sehr stark ausgeprägt sein, damit die Krankenkassen zumindest einen Teil der Kosten tragen. Ansonsten gilt:

  • Medikamente – es gibt verschiedene Antihistaminika, die bei Heuschnupfen genommen werden können. Sie beugen den Allergiebeschwerden vor oder dämmen sie ein. Betroffene müssen allerdings schauen, ob und welches Mittel sie vertragen. Etliche Medikamente haben beispielsweise eine erhöhte Müdigkeit zur Nebenwirkung, was natürlich wiederum die Qualität des Tages eindämmt.
  • Nasentropfen/Nasensprays – auch sie können kurzzeitige Hilfe verschaffen. Sinnvoller ist es, direkt auf Nasensprays aus Meersalz zurückzugreifen, da diese keine süchtig machende Wirkung haben. Der Zweck ist schlichtweg, dass die Schleimhäute abschwellen, befeuchtet sind und nicht austrocknen.
  • Kortison – auch Medikamente mit Kortison kommen zum Einsatz, meist dann, wenn die Atemwege massiv zuschwellen. Das Mittel hilft bei Entzündungen, muss aber im Regelfall über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Je nach Person und Anfälligkeit sind die Nebenwirkungen stark.

Mittlerweile gibt es zur normalen Hyposensibilisierung, bei der ein Allergen über einen längeren Zeitraum immer in größeren Dosen verabreicht wird, auch sogenannte »Pollenimpfungen«. Es ist eine Schluckimpfung, die der Betroffene selbst durchführt, indem er täglich eine Tablette unter der Zunge aufweichen lässt. Auch in Tropfenform ist dieses Mittel erhältlich.

Grundsätzlich sollten sich Betroffene gut vom Hausarzt und Allergeologen beraten lassen. Es muss eine persönliche Behandlung gefunden werden, denn bei Allergien gilt: Was dem einen hilft, das kann dem nächsten schon schaden.

Mann beim Naseschnäuzen
Wenn Heuschnupfen aufs Gemüt schlägt, ist guter Rat teuer./span> © Unsplash.com, Brittany Colette

Fazit – besser die Ursache angreifen

Wer sich bei Heuschnupfen depressiv fühlt, der sollte niemals gleich zu Antidepressiva greifen. Die Mittel sind nicht ohne, zudem wird an der Ursache nichts geändert. Besser ist es, sich mit dem Arzt zu besprechen und zu überlegen, wie der Heuschnupfen im nächsten Jahr in den Griff zu bekommen ist. Ob dies nun per Desensibilisierung geschieht, mit Medikamenten oder neuen Filtern im Haus, kommt auf den Einzelfall an.

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