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Heilende Stromschläge

Neuer Behandlungsansatz bei Herzinsuffizienz

Operationssaal
Herzinsuffizienz ist laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie inzwischen die häufigste Einzeldiagnose bei vollstationär behandelten Patienten. © unsplash.com, Natanael Melchor

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in der westlichen Welt weit verbreitet. Stress und Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Rauchen fordern ihren Tribut: Hoher Blutdruck und Erkrankungen der Herzkranzgefäße führen unter anderem zu Herzinfarkten und plötzlichem Herztod.

Weniger bekannt, aber ebenso lebensbedrohlich ist Herzinsuffizienz: Bei dieser ebenfalls von Bluthochdruck und kardiologischen Veränderungen verursachten Folgekrankheit – verharmlosend auch Herzschwäche genannt – lässt die Pumpwirkung des Herzens kontinuierlich nach. Zuerst bemerken Betroffene eine Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, später Schwellungen an Fußgelenken und Beinen. Ursache ist ein Rückstau des Blutes in Lunge und Venen, die zu Wassereinlagerungen im Gewebe führt. Das schwächer werdende Herz kann den Kreislauf nicht mehr in der vollen Stärke aufrechterhalten. Unbehandelt führt eine Herzinsuffizienz zum Tod.

Neue therapeutische Perspektive?

Herzinsuffizienz – unter der europaweit 20 Millionen Menschen leiden – ist nicht heilbar und wird bislang hauptsächlich medikamentös therapiert. Zuerst wird mit ACE-Hemmern der Blutdruck gesenkt und mit Diuretika die Flüssigeiseinlagerung reduziert. Mit einer Kombination von Sacubitril und Valsartan – ein sogenannter supramolekularer Salzkomplex – gelang die Senkung der entsprechenden Krankenhauseinweisungen sowie der Herz-Kreislauf-bedingten Sterblichkeit um jeweils 20 Prozent.

Eine nun an der Medizinischen Universität Wien erprobte neue Therapie könnte einen weiteren Behandlungsweg öffnen. Einem Patienten mit dilativer Kardiomyopathie – einer krankhaften Vergrößerung und daraus entstehender Schwächung des Herzmuskels – wurden zwei kleine Elektroden implantiert, die die Herzmuskelzellen mit minimalen Stromstößen stimulieren. Ziel war es, die Pumpfunktion des Herzens so zu verbessern, dass eine Transplantation vermeidbar ist. Das Ergebnis überraschte die Mediziner: Die geschädigte Herzmuskulatur zeigte nach drei Monaten Anzeichen einer Regeneration.

Kleine Schnitte, vielversprechende Wirkung

Der implantierte Impulsgeber wurde in der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie in Wien mit minimal-invasivem Aufwand direkt am Herzen positioniert – es waren lediglich zwei kleine Schnitte nötig. Der Erfolg gibt den beteiligten Spezialisten Grund zur Hoffnung: Zeigt die Herzmuskelkräftigung durch Mikrostrom-Impulse auch bei anderen Patienten eine so vielversprechende Wirkung, könnte die neue Methode bei Patienten Anwendung finden, die medikamentös austherapiert sind und denen als nächster therapeutischer Schritt nur noch die Implantierung einer herzunterstützenden Pumpe oder eine Herzverpflanzung offensteht.

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Beides sind hoch anspruchsvolle Eingriffe, die nur von wenigen Spezialisten ausgeführt werden können. Zudem bestehen Engpässe in der Verfügbarkeit von Spenderherzen, und eine Herzverpflanzung sollte aufgrund der andauernden Folgebehandlung mit Medikamenten zur Verhinderung einer Organabstoßung nach Möglichkeit vermieden werden. Die Einsetzung des Impulsgebers hingegen ließe sich an vielen Krankenhäusern vornehmen.

Versteckte Lebensgefahr Herzinsuffizienz

Betroffene deuten die ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz oft fälschlich als Alterserscheinung – die richtige Diagnose und die therapeutischen Maßnahmen gegen die Krankheit setzen daher vielfach erst spät ein. Noch immer fordert Herzinsuffizienz bei uns jährlich über 30.000 Menschenleben, die Krankheit machte 2017 mehr als 460.000 stationäre Krankenhausaufnahmen nötig.

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