Gewerbestrom: Wie lässt sich der Sondertarif nutzen? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Gewerbestrom: Wie lässt sich der Sondertarif nutzen?

Stromversorgung

Nachtansicht eines Kraftwerks
Industriebetriebe beziehen große Mengen an Strom und profitieren von Tarifen für Gewerbestrom. © pixabay.com © sumanley (CCO)

Gewerbestrom ist ein spezieller Tarif für Großabnehmer. Die Bezeichnung Gewerbestrom ist dennoch irreführend, denn man muss nicht zwingend Gewerbetreibender sein, um von den Sondertarifen zu profitieren.

Was ist Gewerbestrom?

Prinzipiell erhalten Unternehmen auf genau denselben Wegen ihren Strom wie Privatkunden. Sie schließen einen Vertrag mit einem Stromanbieter ab und beziehen ihren Strom aus dem allgemeinen Stromnetz. Großabnehmer sind hiervon ausgeschlossen, da sie große Mengen an Energie benötigen, sodass sie das allgemeine Stromnetz lahmlegen könnten. Von Gewerbestrom ist immer dann die Rede, wenn ein Unternehmen zu besonderen Konditionen Strom bezieht. Jeder, der ein Gewerbe betreibt oder einen Handwerksbetrieb unterhält, ist somit grundsätzlich berechtigt, Gewerbestrom zu beziehen und Geld zu sparen.

Bestandteile des Gewerbestrompreises

Der Strompreis ergibt sich aus verschiedenen Bestandteilen. Dazu gehören zunächst die Vertriebs- und Erzeugungskosten.

  1. Der Strom muss zunächst erzeugt werden, zum Beispiel in Kohlekraftwerken oder durch erneuerbare Energien wie Solaranlagen, Wind- und Wasserkraftwerke. Der erzeugte Strom wird in das Stromnetz eingespeist, bei Bedarf zwischengespeichert und den Verbrauchern auf Abruf zur Verfügung gestellt.
  2. Die zweite Kostenposition sind die Netzentgelte. Da Stromnetze stetig ausgebaut werden, sowie instandgehalten und repariert werden müssen, fallen Kosten für die Mitarbeiter an.
  3. Die dritte Position sind die Stromsteuern. Pro Kilowattstunde erhebt der Staat eine Stromsteuer in Höhe von 2,05 Cent, auf die Megawattstunde umgerechnet sind das 20,50 Euro. Die Steuer fällt immer an, unabhängig von dem Bezugszeitpunkt.
  4. Die vierte Position, welche die Kosten von Gewerbestrom beeinflusst, ist die Konzessionsabgabe. Eine Konzessionsabgabe bezahlen Energieversorger an die zuständige Gemeinde. Die Gemeinde erhebt Konzessionsgebühren, wenn ein Stromversorger Stromleitungen über öffentliche Flächen führt.
  5. Der fünfte Bestandteil sind die Umlagen. In erster Linie geht es dabei um gesetzlich festgeschriebene Umlagen, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz und dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz geregelt sind.
  6. Als sechster und letzter Bestandteil der Kosten von Gewerbestrom ist die Position Mehrwertsteuer zu nennen. Für den Bezug von Strom wird die Mehrwertsteuer fällig, da Strom laut Bundesregierung nicht als lebensnotwendig eingestuft wird.

Vorteil für Firmen: Vorsteuerabzugsberechtigung drückt Stromkosten

Im Gegensatz zu Privatpersonen können Firmen mit Vorsteuerabzugsberechtigung die Mehrwertsteuer vom Finanzamt zurückfordern. Bei einem derzeit geltenden Steuersatz von 19 % bedeutet dies eine ordentliche Kostenersparnis für Unternehmen. Das Nachsehen haben private Endverbraucher, die auf den Kosten sitzen bleiben.

Können alle Handwerksbetriebe und Gewerbetreibenden Gewerbestrom zu Vorzugskonditionen erhalten?

Welche Unternehmen vergünstigten Gewerbestrom erhalten, liegt im Ermessen des Stromanbieters. Dieser wird nur dann einen günstigen Tarif gewähren, wenn die Abnahmemenge entsprechend hoch ist.  Gewerbestromtarife sind demnach an bestimmte Abnahmemengen gekoppelt. Bei vielen Anbietern fangen die Spartarife erst ab 100.000 kWh an, seltener liegen die Gewerbestromtarife darunter.

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Strommasten mit Überlandleitungen
Tarife für Gewerbestrom sind an die Abnahmemengen gekoppelt. Jedoch liegt die Vergabe von günstigen Gewerbestromtarifen im Ermessen des jeweiligen Stromanbieters. © pixabay.com © stux (CCO)

Was unterscheidet Großabnehmer von Gewerbekunden?

In Zusammenhang mit Gewerbestrom Tarifen unterscheiden Anbieter zwischen klassischen Gewerbekunden und Großkunden. Ein klassischer Gewerbekunde ist zum Beispiel ein typischer Bürobetrieb, der einen eher durchschnittlichen Stromverbrauch aufweist. Ein Industriebetrieb aber, der über zahlreiche Maschinen und stromgeführte Geräte verfügt und entsprechend viel Leistung benötigt, nimmt überdurchschnittlich viel Energie ab und erhält daher Sonderkonditionen.

Erst prüfen, dann vergleichen und wechseln

Bevor Betriebe den Anbieter wechseln, sollten sie das Einsparpotenzial beim Gewerbestrom überprüfen, welches im Vergleich zum aktuellen Tarif besteht. Stellt sich heraus, dass die Ersparnis signifikant ist, lohnt es sich ein passendes Gewerbestrom-Angebot zu sichern. Normalerweise müssen Angebote schriftlich angefordert werden, da Energieversorger die Tarife nicht öffentlich zugänglich auf Onlineplattform bereithalten. Bei Uniper Direkt wird Gewerbestrom anders gehandhabt, hier können Unternehmen online Strom direkt bestellen, auch ohne eigenes Lastgang-Profil.

Das Lastgang-Profil

Das Lastgang-Profil, auch Lastprofil genannt, stellt den Stromverbrauch in einem bestimmten Zeitabschnitt dar. Großabnehmer ab 100.000 kWh erhalten einen eigenen Lastgangzähler, mit dem der Verbrauch entsprechend aufgezeichnet wird. Die Zählung der Lastgänge findet in der Regel in einem jährlichen Rhythmus statt. Der viertelstündliche Verbrauch wird gemessen und aufgezeichnet und dann automatisch an den Energieversorger übermittelt.

Wozu dient das Lastprofil?

Die Antwort darauf lässt sich anhand eines Großereignisses am besten erklären. Wenn beispielsweise die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im WM Finale steht, laufen zur selben Zeit überall in deutschen Haushalten insgesamt wesentlich mehr Fernsehgeräte als beispielsweise an einem gewöhnlichen Arbeitstag morgens um 8:30 Uhr. Der Bedarf an Strom ist während des Finalspiels also erheblich höher. Ein anderes Beispiel stellt der erste Weihnachtsfeiertag dar. In dem Zeitfenster zwischen 9 und 11.30 Uhr werden in ganz Deutschland unzählige Festtagsbraten in den Ofen geschoben. Der deutschlandweite Stromverbrauch steigt damit praktisch schlagartig um 30 Prozent an. Würden die Energieversorger kein Lastprofil erstellen und sich für überdurchschnittlich hohe Abnahmephasen nicht wappnen, säßen wir alle zum Beispiel am ersten Weihnachtstag für ein paar Stunden ohne Strom da.

Energieversorger stellen die Stromversorgung zu jeder Zeit sicher

Spitzenlasten müssen Energieversorger berücksichtigen, damit der Stromzufluss gesichert ist. Würden sie keine Kenntnis über zu erwartende überdurchschnittlich hohe Auslastungen haben, könnte im schlimmsten Fall das Stromnetz aufgrund der Überlastung ausfallen. Mithilfe von Lastgang-Profilen werden deshalb bei Gewerbekunden individuelle Verbrauchsspitzen ermittelt, um in diesen kritischen Phasen für Stabilität im Stromnetz zu sorgen. Wenn ein Gewerbekunde am normalen Stromnetz angeschlossen ist und der Energieversorger sich nicht um den Ausgleich innerhalb der Verbrauchsspitzenzeiten bemüht, könnten alle anderen Stromabnehmer in der Umgebung darunter leiden. Von flackernden Lichtern über das Ausfallen von wichtigen Stromkreislauf-Teilbereichen bis hin zum totalen Stromausfall wäre alles möglich.

Großabnehmer werden über eigenes Stromnetz versorgt

Großabnehmer, die stets einen enorm hohen Stromverbrauch haben, würden das normale Stromnetz permanent überlasten. Daher werden Großabnehmer mit einem eigenen Stromkreislauf versorgt. Dieser ist getrennt von den Privatkunden, so dass die Abnahmestellen mit relativ durchschnittlichen Verbrauchszahlen unbeeinflusst bleiben.

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