Erhöhen mehr Sportwettenangebote die Suchtproblematik? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Erhöhen mehr Sportwettenangebote die Suchtproblematik?

Spielsucht

Blick auf das Spielfeld eines Fußballstadions
Sportbegeisterte Tipper setzen immer mehr auf Sportwetten - der Markt ist ordentlich gewachsen. © Vienna Reynes / Unsplash.com

Spielsucht ist ein Problem, das ist ein Fakt. Betroffene leiden unter ihrer Sucht stark, ziehen meist noch Angehörige mit in die Spirale aus Einsatz-Wetten-Hoffen-Verlust. Das ist einer der Gründe, weshalb sich viele Bürger und Verantwortliche in Deutschland schwer damit tun, Sportwettenwerbung zuzulassen oder das Glücksspiel und Sportwetten im Netz zu legalisieren. Aber gibt es einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen Angebot und Sucht? Oder hat die Verfügbarkeit des Angebots keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Entwicklung einer Sucht? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Sportwettenmarkt hat sich seit 2012 stark vergrößert

Der Markt an Sportwetten hat sich seit 2011 deutlich vergrößert. Zu der damaligen Zeit war der staatliche Anbieter Oddset das Maß aller Dinge, denn über ihn konnte in Lotto-Annahmestellen eine Wette abgegeben werden. Mittlerweile sieht das völlig anders aus, was auch die Entwicklung der Wetteinsätze auf dem deutschen Markt seit 2012 zeigt:

  • Jahr 2012 – 3,46 Milliarden Euro wurden in dem Jahr auf dem deutschen Sportwettenmarkt eingesetzt.
  • Jahr 2013 – die Wetteinsätze stiegen bereits auf 3,77 Milliarden Euro.
  • Jahre 2014/2015 – zum ersten Mal wurde die 4-Milliardenmarke an Wetteinsätzen geknackt. 2014 waren es 4,51 Milliarden Euro Wetteinsätze, ein Jahr später rund 4,81.
  • Jahr 2016 – der große Anstieg, der eventuell auch mit verschiedenen Sponsorings von Sportwettenanbietern im Fußball zusammenhängt. 6,13 Milliarden Euro wurden eingesetzt.
  • Jahr 2017 – die Wetteinsätze stiegen noch einmal: 7,5 Milliarden Euro.
  • Jahr 2018 – mit 8,8 Milliarden Euro wurde der bisherige Spitzenwert gesetzt.

Was nach einer enormen Steigerung aussieht und durchaus als Suchtgefährdung angesehen werden könnte, hat jedoch einen sehr einfachen Grund. Sicherlich begannen einige britische Brooker bereits weit zuvor damit, Wetten online entgegenzunehmen, doch Anbieter wie Sunmaker, Betway und Co. stiegen mit der Beta-Version ihrer Seiten erst ab 2016 ins deutsche Geschäft ein. Zur gleichen Zeit erlaubte der DFB, Sportwettenanbieter als Trikotsponsor oder für Bandenwerbungen zu nutzen.

Viele Menschen, die bislang einfach nur in der Lotto-Annahmestelle oder über die staatlichen Oddset-Seiten tippen konnten, fanden nun eine enorme Auswahl mit durchaus variablen und besseren Quoten vor. Die angestiegene Einsatzsumme kann also durchaus auch damit erklärt werden, dass diejenigen, die schon immer an Wetten interessiert waren, aber mangels Auswahl davon abwichen oder nur privat wetteten, nun ihren Anbieter finden konnten.

Suchtquoten nicht gestiegen

Wird ein Mensch zum Mörder, weil ein Küchenmesser auf dem Tisch liegt? In diesem Fall müsste jeder Einzelne bereits jemanden getötet haben, da die Verfügbarkeit des Messers wohl bei jedem sichergestellt ist. Es ist immer ein gerne genutztes Argument, dass Präsenz und Möglichkeiten eine Suchtproblematik erhöhen oder verschärfen. Im Umkehrschluss bedeutete das aber nicht nur, dass das obige Beispiel der Tatsache entspricht, sondern auch, dass jeder, der einmal eine Bierwerbung oder einen Film mit einem drogenabhängigen Charakter gesehen hat, ebenfalls rein dadurch in die Sucht geführt werden könnte.

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Das Problem an diesen Argumentationen ist, dass sie das Offensichtliche sehen, nicht aber, dass, so tragisch eine Suchterkrankung ist, die eigentliche Tragödie im Leben der einzelnen Person zu finden ist: Finanzielle Probleme, Wunsch nach Anerkennung, Einsamkeit, Flucht aus der Wirklichkeit.

Studien rund um die Spielsucht belegen übrigens, dass die Verfügbarkeit von Sportwetten und Glücksspiel keinen wirklichen Einfluss auf die Zahl der Suchterkrankten hat:

  • Bericht BZGA 2015 – die Quote des problematischen Verhaltens beträgt 0,42 Prozent, die des pathologischen Glücksspielverhaltens 0,37 Prozent. Es gab eine sehr leichte Verringerung.
  • Bericht BZGA 2017 – die Steigerung des problematischen Glücksspielverhaltens zum letzten Bericht ist nicht wirklich signifikant: 0,56 Prozent. Beim pathologischen Verhalten sank die Quote gar auf 0,31 Prozent.

Betroffen sind zumeist Männer zwischen 21 und 25 Jahren, aber auch zwischen 18 und 20 Jahren. Jugendliche zeigen nur selten ein Problemspielverhalten auf, hier sind es zumeist Jungen. Werden die soziografischen Faktoren mitberücksichtigt, fällt auf, dass zumeist Personen mit niedriger Bildung und Migrationshintergrund betroffen sind.

Smartphone mit Kamera-Screen
Live-Wetten können mitunter ein hohes Suchtpotenzial mit sich bringen. © Thomas Serer / Unsplash.com

Was sollten Tipper generell beachten?

Wettbegeisterte sollte natürlich auf eine gute Quote achten und die Anbieter im Blick behalten. Auf wettbonus360.com werden zum Beispiel bekannte Anbieter genau unter die Lupe genommen. Doch ist es wichtig, dass auch sie sich selbst beobachten, um zu erkennen, wann aus Spiel Ernst wird:

  • Budget – wer regelmäßig wettet, der sollte ein festes Budget haben. Dieses wird von allen finanziellen Mitteln abgelöst, es ist praktisch das Taschengeld des Tippers. Einzig dieses Budget darf und wird benutzt. Wer sich daran hält, der sichert die Finanzen.
  • Denkweise – sobald sich das Denken um das Wetten dreht und dieses immer mehr in den Mittelpunkt gerät, ist Schluss.
  • Flucht – wer Spiele jeglicher Art, also auch Computerspiele und Onlinegames, dazu nutzt, sich von den Problemen des Alltags abzulenken oder vor diesen zu fliehen, sollte sich immer Hilfe suchen oder sich wenigstens jemandem anvertrauen.
  • Geld – es darf sich niemals Geld für das Wetten geliehen werden. Nicht nur sind die Geldverleiher in der Branche nicht unbedingt freundliche Gesellen, um das Geld zurückzuzahlen, muss meist gewettet werden, da die eigenen Mittel sonst nicht ausreichen. Das ist eine erzwungene Sucht.

Keine Sucht, auch nicht die Spielsucht, kommt durch das Spiel an sich zustande. Meist gibt es tiefgreifende Hintergründe, die dazu führen, dass sich Personen im Spiel ausleben oder dort zu beweisen versuchen. Und ja, nahestehende Personen sind ebenfalls gefragt, denn sie sind es, die im Nachhinein oft Anzeichen bemerkt haben, doch niemals handelten.

Fazit – Redebedarf ja, Gefährdung nein

Selbstverständlich sollten Sportwetten und die Verantwortung der Anbieter in der ständigen Diskussion sein, so wie auch andere suchtgefährdende Stoffe diskutiert werden müssen. So sollte im Rahmen der Legalisierung insbesondere das besonders gefährdende Wetten – Live-Wetten beispielsweise – besprochen und mit Lösungen gepaart werden.

Allerdings darf im Rahmen der gesamten Situation nicht unangesprochen bleiben, dass gefährdete Spieler Hilfsangebote erhalten. Denn auch, wenn es keinen direkten Zusammenhang zwischen Angebot und Suchtleidenden gibt, so bleibt die Tatsache bestehen, dass Suchtleidende oft keine Möglichkeit kennen, sich gezielt helfen zu lassen. Und da die pathologische Spielsucht mehr ein Symptom ist, müssten alle Seiten Lösungen finden, die verhindern, dass ein später Spielsüchtiger zu Beginn vor Mobbing in Schule und Beruf ins Internet flieht, um dort Anerkennung zu finden.

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