Die Versorgungssicherheit Strom – in Deutschland weiterhin gewährleistet? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Die Versorgungssicherheit Strom – in Deutschland weiterhin gewährleistet?

Energieversorgung

Windpark im Meer
© unsplash.com, American Public Power Association

Die Energiewende ist in vollem Gange. Und bringt zahlreiche Themen auf die Agenda von Wirtschaft und Politik, die seit Längerem diskutiert werden müssen und angesichts ihrer Brisanz auch immer wieder diskutiert werden. Gerade im Hinblick auf den Ausstieg Deutschlands aus der Kohleverstromung und der Kernenergie, die ihrerseits schon für zahlreiche Debatten sorgen, kommt auch die Frage auf: Wie steht es um die Versorgungssicherheit Strom in Deutschland? Kann die Versorgungssicherheit auch mit dem fortschreitenden Ausbau erneuerbarer Energien dauerhaft garantiert werden?

Die Versorgungssicherheit Strom – Was genau ist das eigentlich?

Die Versorgungssicherheit Strom bedeutet, dass in jedem Fall die benötigte Strommenge den Verbrauchern zur Verfügung steht. Der Strommarkt ist seit dem Strommarktgesetz aus dem Jahr 2016 von der Bundesregierung folgendermaßen geregelt: Die Preise für Strom können frei gebildet werden. Der Staat mischt sich nicht ein. Der von Stromlieferanten gehandelte Strom muss allerdings tatsächlich verfügbar sein. Das soll garantieren, dass die Lieferanten ihren Lieferverpflichtungen gegenüber den Verbrauchern nachkommen können. Zumindest etablierte und seriöse Anbieter können die Versorgungssicherheit Strom garantieren und sind daher für Industriekunden und Gewerbetreibende besonders wichtig.

Für die Versorgungssicherheit Strom sind allerdings nicht alleine ausreichende Stromerzeugungskapazitäten notwendig. Zwei weitere Punkte sind zu nennen:

  1. Nur ein leistungsfähiges Stromnetz kann die Versorgungssicherheit Strom in Deutschland stabil halten. Und gerade hier liegen wohl die derzeit größten Herausforderungen im Bezug auf die erneuerbaren Energien. Denn zwar hat Deutschland ein, gerade im internationalen Vergleich, sehr gut ausgebautes und zuverlässiges Stromnetz. Doch gerade das soll auch beim Wechsel auf erneuerbare Energien so bleiben.Hierfür muss das Stromnetz mit neuen Technologien optimiert und so schnell wie möglich ausgebaut werden. Vor allem die zunehmende Menge an Windstrom aus dem Norden des Landes gilt es zu den zahlreichen Verbrauchern im Süden Deutschlands zu schaffen.Auf Situationen, in denen die Stromnachfrage in bestimmten Regionen besonders hoch ist, wird sich grundsätzlich mit Systemanalysen vorbereitet. Engpässe sollen dann beispielsweise behoben werden, indem die Stromerzeugung an einer Stelle gedrosselt und an anderer Stelle erhöht wird. Netzbetreiber dürfen dafür auf jede erneuerbare Energieanlage und jedes Kraftwerk zugreifen.
  2. Zumindest derzeit noch ebenfalls wichtig für die Versorgungssicherheit Strom ist auch die Versorgung mit Brennstoffen. Denn ohne die ausreichende Menge an Brennstoff lässt sich auch kein Kraftwerk betreiben.Um die Brennstoffversorgung sicherzustellen, wählen Kraftwerke diverse Lieferanten und schließen langfristige Lieferverträge ab. Neben Braunkohle aus Deutschland selbst kommen viele der Brennstoffe aus dem Ausland. Solange keine nachhaltigere Lösung gefunden ist, Kraftwerke zu betreiben, werden Steinkohle und Erdgas vorerst weiterhin die wichtigsten Brennstoffe für Kraftwerke darstellen. Der Handel mit mehreren Lieferanten sorgt, neben einer Erhöhung der Versorgungssicherheit Strom natürlich auch für eine positive Preissenkung.

Engpässe Mitte des Jahres 2019 – Ein Warnzeichen?

Im Juni 2019 kam es in Deutschland beinahe zu mehreren großflächigen Stromausfällen. Sowohl am 6., 12. und am 25. Juni war die Situation im Stromnetz kritisch, weil die Nachfrage nach Strom den Bestand übertraf. Die Folgen: Die Frequenz im ganzen europäischen Verbundnetz sank deutlich ab. Nur mit einiger Mühe ließen sich Stromausfälle letzten Endes noch verhindern – lediglich mit kurzfristigen Stromimporten aus dem Ausland war man in der Lage, das Netz stabil zu halten.

Vielerorts fragte man sich, ob die Versorgungssicherheit Strom in Deutschland nun gefährdet, ob das Ganze ein Warnzeichen gewesen sei. Und ob die Energiewende vielleicht nicht auch ihren Teil dazu beigetragen habe.

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Doch einen Tag nach der Bekanntgabe der chaotischen Zustände Mitte des Jahres veröffentlichte das Wirtschaftsministerium seinen zweijährlichen Bericht zur Lage der Versorgungssicherheit in der Bundesrepublik, den „Monitoringbericht zur Versorgungssicherheit im Bereich Elektrizität„.

Umspannstation
© unsplash.com, Gerrit Vermeulen

„Der Bericht zeigt, dass die Stromverbraucher in Deutschland auch beim weiteren Umbau unserer Energieversorgung sicher mit Elektrizität versorgt werden können“, versicherte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach der Veröffentlichung. Auch der Fortschritt im Ausbau der erneuerbaren Energien sei also kein Grund zur Sorge. Denn auch die großen, globalen Energieversorgungsunternehmen sind oft Partner der erneuerbaren Energien und stellen höchste Ansprüche daran eine Versorgungssicherheit Strom zu garantieren. Der Monitoringbericht zur Versorgungssicherheit Strom wird übrigens auf Grundlage eines ausführlichen Gutachtens erstellt. Dieses untersucht, wie sich der Strommarkt sowie die verfügbaren Kraftwerke in den nächsten Jahren bis zum Jahr 2030 entwickeln. Dabei werden auch unterschiedlichste Szenarien berücksichtigt, welche etwa durch den ungeplanten Ausfall mehrere Kraftwerke auftreten können. Auch nicht vorhersehbare Wetterumschwünge und Ähnliches wird im Bericht bedacht.

Nachholbedarf besteht: Und zwar im Bereich Windstrom

Die genaue Ursache für die Engpässe im Stromnetz Mitte 2019 wurde nicht geklärt. Unter Verdacht stehen allerdings einige Händler, die damit natürlich in massiver Weise gegen die Verpflichtung verstoßen hätten, möglichst ausgeglichene Bilanzkreise zu führen. Diese Bilanzkreise sind virtuelle Energiemengenkonten von Stromhändlern, die von diesen selbst verwaltet werden. Das sogenannte Mischpreisverfahren besagt nun, dass immer nur so viel Strom verkauft werden darf, wie geliefert werden kann.

Ist die Versorgungssicherheit Strom jedoch einmal gefährdet, können Engpässe notfalls mit Regelenergie ausgeglichen werden. Diese ist oft sogar günstiger, als der kurzfristige Strompreis an der Strombörse. Und genau deshalb standen Händler im Verdacht, bewusst darauf gewettet zu haben, fehlende Mengen an Strom über den günstigeren Regelenergiemechanismus ausgleichen zu können. Das große Problem dabei: Wenn dies zu oft geschieht, ist im ungünstigsten Fall am Ende nicht mehr genug Regelenergie vorhanden. Und das wiederum erhöht die Gefahr eines Blackouts massiv.

Größere Schwankungen im deutschen Stromnetz lassen sich, wie es auch im Juni 2019 der Fall war, mit Hilfe von Partnerländern im europäischen Stromnetz ausgleichen. Allerdings will und sollte man sich nicht darauf verlassen, auch künftig in Zeiten hoher Stromnachfrage immer Strom aus anderen EU-Ländern zu importieren.

Um das zu vermeiden und die Versorgungssicherheit Strom dennoch zu gewährleisten, muss jedoch auch der Nachholbedarf beim Transport des Windstroms von Nord- nach Süddeutschland angegangen werden. Positiv sind Entwicklungen im Bereich der Technik selbst. Die Digitalisierung sorgt beispielsweise dafür, dass die Servicekosten für Windparks auf dem Meer sinken. Dafür aber müssen bestehende Stromnetze weiterhin verstärkt optimiert und höher ausgelastet werden. Außerdem gilt es, die Stromzentren rasch auszubauen.

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