Die Psychologie hinter dem Glücksspiel - scinexx | Das Wissensmagazin
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Belohnungssystem

Die Psychologie hinter dem Glücksspiel

Spielautomaten
Wie genau wirken Glücksspiele auf das menschliche Gehirn? © unsplash.com / Carl Raw

Glücksspiele üben bereits seit jeher eine immense Faszination auf den Menschen aus. Zwar ist es eine alte Weisheit, dass Geld alleine nicht glücklich macht, doch spricht man vom Geldgewinn, löst das beim Menschen ein Gefühl des Jubels aus. Beim Glücksspiel allgemein, egal ob beim Roulette, am Spielautomaten oder beim Lotto, werden im menschlichen Gehirn ganz bestimmte Prozesse ausgelöst und Hormone ausgeschüttet, die das Spielerlebnis so besonders machen. Forscher beschäftigen sich bereits seit geraumer Zeit mit der Wirkung von Glücksspielen auf den Menschen und das Gehirn. Das Glückshormon Dopamin, das körpereigene Belohnungssystem, aber auch die eigene Persönlichkeit spielen beim Glücksspiel auf komplexe Art und Weise zusammen und machen es zu einer ganz speziellen Erfahrung für den Menschen.

Das Dopamin

Besonders dem Glückshormon Dopamin kommt beim Glücksspiel eine wichtige Rolle zu. Der Botenstoff sorgt nach der Ausschüttung für ein gutes Gefühl und eine gehobene Stimmung beim Menschen, zudem bewirkt er Motivation und steigert den intrinsischen Antrieb. Dank des Hormons Dopamin fühlt sich der Mensch gut, auch für die eigene Gesundheit und eine Vielzahl an Prozessen wird Dopamin benötigt. Es handelt sich bei Dopamin nicht nur um ein Hormon, sondern auch um einen Neurotransmitter, wodurch Dopamin die Nervenzellen erregt und zur Informationsverarbeitung beiträgt. Häufig wird Dopamin zusammen mit dem Wohfühlhormon Serotonin ausgeschüttet, die beide zu einem allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Beim Glücksspiel werden genau diese beiden Hormone im Gehirn ausgeschüttet. Hier spielt es keine Rolle, ob man im Online Casino am Videoslot spielt, ob man im Spielbank am Roulettetisch steht, oder ob man mit dem ausgefüllten Lottoschein die Ziehung der Zahlen ansieht. Was das Dopamin in diesen Situationen so besonders macht, ist die Tatsache, dass dieses bereits in Situationen mit unklarem Ausgang ausgeschüttet werden kann: Das bedeutet, dass allein durch die Möglichkeit eines Gewinns – selbst wenn dieser noch nicht eingetreten ist – das Glückshormon ausgeschüttet werden kann und dem Menschen ein gutes Gefühl verleiht. Besonders beim Glücksspiel kommt diesen Momenten der Ungewissheit, kurz vor einem potenziellen Gewinn, eine wichtige Rolle zu. Spätestens im Moment des eingetretenen Gewinns werden die Glückshormone in vollem Umfang ausgeschüttet, die den Menschen in eine Art natürlichen Rausch versetzen.

Siegesrausch
Im Falle eines Gewinns tritt das körpereigene Belohnungssystem in Aktion. © unsplash.com, The Color Factory

Das Belohnungssystem

Die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin hat im Gehirn die Auslösung des Belohnungssystems zur Folge. Der menschliche Körper belohnt sich selbst im Falle eines Erfolgs mit dem Glückshormon. Diese Art der Belohnung kann verschiedensten Szenarien folgen: Wer gerne einem actiongeladenen Extremsport nachgeht, erfährt nach dem Fallschirmsprung durch das Adrenalin und Dopamin einen Rausch, der sich wie eine Belohnung anfühlt. Auch beim Glücksspiel geschieht dies im Falle eines Gewinns. Durch die Ausschüttung des Dopamins registriert das Gehirn eine Belohnung. Das Belohnungssystem des Gehirns haben Forscher am California Institute of Technology per Zufall bereits im Jahre 1954 bei Ratten entdeckt. Es wurde herausgefunden, dass die Ausschüttung der „Belohnung“ im Gehirn durch einen Auslöser, bzw. einen sogenannten Trigger bewirkt wird. Folgt einem bestimmten Verhalten, wie etwa dem Verzehr eines Stücks Schokolade oder eben dem Drücken des Knopfes am Spielautomaten die Belohnung, so werden im Gehirn schnell Verknüpfungen gefestigt. Nach einer gewissen Zeit merkt sich das Gehirn den Zusammenhang zwischen dem Trigger und der Belohnung und ist leichter dazu verleitet, diesem nachzugehen. Wer also im Casino spielt und gewinnt, verspürt Lust, dergleichen erneut zu tun, um wieder das Glücksgefühl durch das Dopamin zu erfahren. Wer einmal fallschirmgesprungen ist und den Rausch der Belohnung erfahren hat, der wird voraussichtlich nochmal springen wollen, um das gleiche Gefühl erneut zu fühlen.

Jeder ist anders

Zwar funktionieren die Körper der Menschen tendenziell auf gleiche Weise, dennoch zeigen sich zwischen verschiedenen Personen oftmals eine Vielzahl an Unterschieden. Der eine bevorzugt Actionsportarten mit viel Adrenalin, der andere liest gerne ein entspanntes Buch und ein wieder anderer liebt Horrorfilme. Gleiches gilt bezüglich des Glücksspiels. Einige stehen gerne am Automaten und schauen den bunten Walzen beim Drehen zu, andere ziehen ein gepflegtes Tischspiel wie Roulette oder ein strategisch herausforderndes Spiel wie Poker vor. Die Persönlichkeit des Menschen wirkt sich somit auch darauf aus, ob jemand gerne spielt und inwiefern das Belohnungssystem aktiviert wird. Besonders jene Menschen, die sich gerne immer wieder neuen Herausforderungen stellen, neigen dazu, sich für das Glücksspiel zu begeistern.

Glücksspiele üben nicht ohne Grund eine solche Faszination auf die Menschen aus. Die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin spielt hier eine entscheidende Rolle. Bereits während der Spannung vor dem möglichen Gewinn sorgt dieses für ein gutes Gefühl. Im Falle eines Gewinns setzt das körpereigene Belohnungssystem ein, welches erneut für ein gutes Gefühl und eine Art Rausch sorgt. Glücksspiel ist rein physiologisch betrachtet also weit mehr, als es zu sein scheint, denn es löst eine Vielzahl von Prozessen im menschlichen Gehirn aus.

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