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Neurobiologie

Der Einfluss des Smartphones auf das menschliche Gehirn

Mehrere Stunden täglich nutzen Verbraucher Geräte mit Internetzugang, um mehr oder weniger wichtige Aufgaben zu erledigen. © thinkstock.com,CandyBoxImages

44 Millionen Deutsche nutzen ein Smartphone, sei es als Terminplaner, zur Navigation, als Wecker oder um Notizen abzurufen. Früher mussten sich Menschen Telefonnummern einprägen, heute kennen viele ihre eigene Nummer nicht. Wer im Alltag einem Problem begegnet, der googelt die Lösung auf dem Smartphone. Kritiker sehen in dieser Abhängigkeit eine große Gefahr und betiteln sie als digitale Demenz.

Die Putzfrau, der Geschäftsführer, die Musiklehrerin – praktisch jeder ist heutzutage online. Das Smartphone ist für die Mehrheit das Portal ins Internet. Mehrere Stunden täglich nutzen Verbraucher das Gerät, um mehr oder weniger wichtige Aufgaben zu erledigen. Zu den Nutzergruppen zählen auch Jugendliche und Kinder – und darin sehen Hirnforscher und Psychologen wie Manfred Spitzer eine große Gefahr.

Laut Spitzer entstehen durch die übermäßige Nutzung von Smartphones unerwünschte Nebenwirkungen. Seinen Angaben zufolge können nur drei von zehn Deutschen die Rufnummer des Partners auswendig nennen. Dieses Beispiel demonstriert, dass es in der modernen Gesellschaft immer häufiger Konzentrations-, Gedächtnis- sowie Aufmerksamkeitsstörungen gibt.

Das Unternehmen Kaspersky Lab kam in einer Studie zu ähnlichen Ergebnissen. Neun von zehn Studienteilnehmer sind von ihren Geräten abhängig. Sie denken nicht, speichern kein Wissen in ihrem Gehirn und lösen Probleme nicht selbst. Es ist für sie einfacher, das Problem mithilfe von Google zu lösen.

Mehr Platz für Neues

Nicht alle Hirnforscher und Psychologen stimmen Manfred Spitzer zu. Viele befassen sich ebenfalls mit der digitalen Revolution und ihren Auswirkungen. Ihrer Meinung nach reduzieren Menschen nicht die Funktion ihres Gehirns, sondern entlasten es durch die Verwendung von Smartphones und lassen Freiraum für wichtigere Dinge. Anstatt sich wichtige Informationen zu merken, müssen Verbraucher lediglich den Ort einprägen, wo der Datensatz gespeichert ist.

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Colin Blakemore, Neurobiologe an der Universität Oxford, schreibt in The Guardian, dass er zu seiner Zeit in der Schule Gedichte auswendig lernen musste. Diese Tätigkeit bezeichnet er als eine Verschwendung seiner Neuronen.

Ein kleiner werdendes Hirn

Auch wenn das Hirn theoretisch mehr Speicher haben sollte, zeigen Studien, dass die Hirnmasse abnimmt. Die britische Neurowissenschaftlerin Eleanor Maguire hat in ihrer Studie herausgefunden, dass Taxifahrer einen überdurchschnittlich großen Hippocampus besitzen. Dort speichern sie Karten und Informationen zu Staus und Baustellen, damit sie Kunden schneller von A nach B bringen können. Durch ihr Training ist dieser Gehirnteil gewachsen.

Auf der anderen Seite kann eine fehlende Beanspruchung des Gehirnteils das Gegenteil bewirken: er schrumpft. Das Gehirn verhält sich wie ein Muskel: Wird er nicht verwendet, verringert er sich.

Der Wirtschaftsjournalist Nicholas Carr geht davon aus, dass die Nutzung digitaler Medien einen negativen Einfluss auf das Gehirn hat. Seiner Ansicht führt das Lesen von Texten im Internet zu hastigem und oberflächlichem Denken. Im Onlinemedium wird das Gehirn von zu vielen Reizen überflutet, sodass es sich nicht konzentrieren kann. Folglich bleiben die Informationen nicht im Langzeitgedächtnis.

Leerer Akku bedeutet Panik

Interessant ist der indirekte Einfluss des Smartphones auf das menschliche Gehirn, welcher im Alltag beobachtet werden kann. Viele Geräte müssen täglich aufgeladen werden, sodass eine Art Routine entsteht. Wird das Aufladen vergessen, entsteht bei Smartphone-Nutzern eine kleine Panik, denn ohne ihr Gerät sind viele von ihnen verloren: Sie kennen nicht die wichtigsten Rufnummern und können keine E-Mails oder andere wichtige Daten abrufen.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, optimieren viele Smartphone-Nutzer ihr Gerät, um die beste Akkulaufzeit zu erhalten. Laut dieses Artikels gibt es simple Lösungen wie das Reduzieren der Displayhelligkeit, das Abschalten ungenutzter Dienste sowie Ortungsdienste.

Die Optimierung des Smartphone-Akkus zeigt deutlich, wie wichtig für viele Menschen dieses Gerät ist. Auf der anderen Seite scheinen die Hersteller keine großen Fortschritte im Bezug auf die Akkuleistung zu machen. Seit Jahren werkeln sie an besseren Displays, Wasserschutz und hochwertigeren Materialien, ohne dass es Vorsprünge im Bereich der Akkus gibt.

Smartphone-Abhängigkeit mit Übungen reduzieren

Dass das Smartphone unser tägliches Leben vereinfacht, möchte niemand bestreiten. Dennoch ist es zumindest kritisch zu betrachten, welche Auswirkungen die Handynutzung auf das menschliche Gehirn hat. So wirkt sich die Bedienung des Geräts unter anderem auf das für den Zeigefinger und Daumen zuständige Hirnareal aus. Einer Studie von Anne-Dominique Gindrat zufolge reagieren wir durch die Smartphone-Nutzung sensibler auf Tasteindrücke.

Trotz der sensibleren Reaktion auf Tasteindrücke ist es ratsam, seine Abhängigkeit von einem mobilen Gerät auf ein Minimum zu reduzieren, wie dieses Experiment demonstriert. Im Rahmen der Studie wurde ermittelt, wie sich die Abhängigkeit von der Suchmaschine Google auf das menschliche Gedächtnis ausübt. Google-Nutzer haben ein schlechteres Vermögen, Information zu speichern und abzurufen.

Das Problem lässt sich relativ leicht lösen, indem Verbraucher seltener ihrem Smartphone das Denken überlassen. Natürlich lohnt es sich, bestimmte Fragen über das Internet zu beantworten, wenn das Wissen zum Lösen des Problems nicht vorhanden ist. Für simple Aufgaben ist es sinnvoll, das Gehirn ein wenig anzustrengen. Abseits alltäglicher Fragestellungen hilft es, Übungen auszuführen, die das Gedächtnis verbessern: Angefangen bei der Gehirn-Jogging-Reihe Dr. Kawashima von Nintendo über das Merken von mehrstelligen Zahlen bis hin zum Lösen von Sudoku-Rätseln.

(, 02.05.2016 – )

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