Cannabis gegen Schmerzen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Cannabis gegen Schmerzen

Diese Pflanze wird fatalerweise nur auf ihre berauschende Wirkung reduziert. Doch wer einen Blick in die Details wirft, erkennt: Diese Pflanze, vor allem das Cannabionid CBD, kann mehr. © pixabay.com, herbalhemp

Im Jahr 2016 konnten viele Schmerzpatienten auf einen Durchbruch nur hoffen. Sie wünschten sich, dass es Cannabis zur Krebsbehandlung, in der Schmerztherapie oder bei Multipler Sklerose auf Rezept gibt, was auch bedeutet: Die Krankenkassen müssen für diese Medikamente aufkommen. Heute entspricht dieser Wunsch tatsächlich der Realität. Das Gesetz ist durch. Und die Nachfrage steigt. 13.000 Anträge gingen im Jahr 2017 bei den Krankenkassen ein. Mit Blick auf die Anfragen ist die AOK der Spitzenreiter. Im Genehmigungslauf hingegen sind sich die Kassen einig, wie dieses Aufstellung zeigt: „Sie (=die AOK-Kassen) erhielten 7600 Anträge, 64 Prozent davon wurden genehmigt. Bei der Barmer gingen bis Ende 2017 rund 3.200 Anträge ein, davon wurden knapp 62 Prozent anerkannt. Die TK hat bis Ende November rund 2.200 Anträge auf Kostenerstattung erhalten. Dort lag die Genehmigungsquote bei 64 Prozent.“ Mittlerweile ist ein neues Produkt am Markt aufgetaucht, das sich – fernab von jeglicher öffentlichen Diskussion einen Weg bahnt: Cannabisöl. Was sich dahinter verbirgt, zeigt dieser Beitrag.

CBD-Öl wird oral eingenommen. Ein Tropfen genügt für den Anfang. © pixabay.com, 378322

Das Produkt

Cannabisöl gilt als Heilmittel, das legal erworben werden kann. Es wird aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen. Das berauschende THC, das dafür verantwortlich ist, dass Cannabis nach wie vor in der Welt der Drogen gehandelt wird, ist nicht Bestandteil des Cannabisöls. Um hier eine klare Differenzierung zu ermöglichen, wird das Cannabisöl ohne THC häufig auch als CBD-Öl bezeichnet. Das Öl eignet sich – nicht zuletzt aufgrund der flüssigen Konsistenz – zur oralen Einnahme. Wer sich über das Produkt erkundigt, erfährt, dass es sinnvoll ist, buchstäblich tröpfchenweise zu beginnen. Jeder Tropfen gelangt über die Mundschleimhaut in den Körper und stößt einen Heilprozess an. Je nach Krankheit oder auch Stärke der Beschwerden wird die Dosis sich ganz individuell verändern. CBD-Produkte gibt es in den verschiedensten Darreichungsformen: als Kapsel, Öl und sogar als Creme.

Der Praxiseinsatz

Cannabisöl bzw. CBD-Öl entfaltet bei ganz unterschiedlichen Beschwerden seine Wirkung. Welche Wirkung das Öl für welchen Praxiseinsatz denkbar macht, zeigt die folgende Aufstellung:

  • Das Öl macht müde. Damit kann das Öl als Alternative zu mancher Schlaftablette angesehen werden. Der Unterschied: Das Öl ist nicht psychogen, beeinflusst also nicht die Psyche. Manche Schlafmittel tun dies hingegen durchaus.
  • Das Öl wirkt beruhigend und soll Beklemmungen lösen. Vor eben diesem Hintergrund wird das Öl gerne eingesetzt, um epileptischen Anfällen vorzubeugen oder die Leiden posttraumatischer Störungen zu lindern. Auch bei Migräne soll das Öl Linderung versprechen.
  • Das Öl wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend zugleich, nimmt dabei aber keinen negativen Einfluss auf das Nervensystem des Menschen. In diesem Zusammenhang wird das Öl gerne eingesetzt, um Opiate zu ersetzen. Diese dienen bei schweren Schmerzen, die aus Krankheiten wie HIV und Krebs resultieren oder auf einen Unfall zurückzuführen sind, der Schmerzlinderung. An eben diese Stelle kann auch das Öl rücken.
  • Die entzündungshemmende und gleichzeitig entkrampfende Wirkung des Öls ist bei vielen verschiedenen Krankheitsbildern eine gern gesehene: Bei Multipler Sklerose, aber auch bei chronischer Atemnot, wie etwa Asthma, soll das Öl Linderung bringen.
  • Lediglich eine Verlangsamung des Krankheitsprozesses bei Alzheimer verspricht die Einnahme des Öls. Ein Stillstand der Krankheit ist nicht zu erwarten.
Ein schmerzverzerrtes Gesicht kann viele Gründe haben. Gegen einige dieser Gründe kann der Einsatz von CBD-Produkten helfen. © pixabay.com, Deedee86

Viele Einsatzgebiete des Öls sind noch nicht umfangreich erforscht. Allerdings habe es schon Tests gegeben, die festgestellt haben sollen, dass die Lust auf Nikotin nachweislich reduziert wird durch den Konsum des Öls. Auch bei Brechreiz, Asthma, Akne und Adipositas soll das Öl zu Therapiezwecken bereits zum Einsatz gekommen sein.

Die Nebenwirkungen

Deutlich geringer als die Nebenwirkungen von THC sind die Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von CBD-Produkten zu beobachten sind. Im Allgemeinen konnten zwar keine Veränderungen mit Blick auf Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur festgestellt werden. Wohl aber sollte auf diese Eventualitäten geachtet werden.

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  • CDB-Produkte können die Speichelproduktion beeinflussen. Das kann einen trockenen Mund zur Folge haben.
  • Der Einsatzbereich als Schlafmittel ohne psychogene Wirkweise wurde bereits beschrieben. In diesem Zusammenhang können CBD-Produkte folglich auch schläfrig machen. Da es sich um eine grundsätzliche Wirkweise handelt, ist es sinnvoll, auf das Führen von Maschinen zu verzichten.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich. Bei einer Chemo-Therapie sei dies zwar nicht der Fall, allerdings könnte es vor allem bei den Medikamenten, die einen Einfluss auf die Leberenzyme haben, zu Wechselwirkungen kommen.
  • Wer sich nach der Einnahme von CBD-Produkten benommen fühlt, sollte Blutdruck messen. Wer neu mit der Behandlung mit CBD-Öl begonnen hat, kann kurzzeitig unter dem Abfall des Blutdrucks leiden. Nur wer grundsätzlich Probleme mit dem Blutdruck – chronisch zu niedrige oder zu hohe Werte – hat, sollte die Einnahme von CBD-Öl im Vorfeld mit einem Arzt besprechen.

(Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Autor Daniel Theiss., 20.03.2018 – )

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