Betriebsunfall - worauf muss ich achten? - scinexx.de
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Betriebsunfall – worauf muss ich achten?

Sozialrecht

Arbeitsschuh und Bananenschale
© pixabay.com, succo (CC0 1.0)

Unter einem Betriebsunfall, auch als Berufsunfall bzw. Arbeitsunfall bezeichnet (bei Beamten nennt er sich Dienstunfall) wird ein Unfall im Rahmen der ausgeführten Tätigkeit verstanden. Einen solchen kann der Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellter oder Beamter) während der Arbeitszeit am Arbeitsplatz oder aber auf dem Arbeitsweg erleiden.

Der Arbeitsweg ist hierbei definiert als Weg zum Arbeitsplatz bzw. als Weg vom Arbeitsplatz zum Wohnort. Damit ein solcher Unfall von den Unfallversicherungen als Betriebsunfall eingestuft wird, müssen verschiedene Dinge beachtet werden.

Sonderform Dienstunfall beim Beamten

Erleidet ein Beamter während der Dienstausübung oder auf dem Weg vom oder zum Dienstort einen Unfall, wird dieser als Dienstunfall bezeichnet. Für solche Fälle gibt es die sogenannte beamtenrechtliche Dienstunfallfürsorge. Sie wird gemäß Bundesrecht in den §§ 30 ff. Beamtenversorgungsgesetz geregelt. Die beamtenrechtliche Dienstunfallfürsorge lehnt sich an das Unfallversicherungsrecht der gesetzlichen Unfallversicherung (SGB VII) an. In einigen Bundesländern gibt es eigene Landesbeamtenversorgungsgesetze, die aber bezüglich der Regelungen inhaltlich der Dienstunfallfürsorge entsprechen.

Bei Dienstunfällen spielen auch die Leistungen der privaten Krankenversicherungen eine Rolle.  Mehr Infos finden Beamte unter https://www.krankenversicherung.net/beamte. Dort erhalten Interessierte die wichtigsten Informationen zur privaten Krankenversicherung. Zudem gibt es Informationen zum Thema Beihilfe. Außerdem werden die Unterschiede zwischen GKV (gesetzliche Krankenversicherung) und PKV (private Krankenversicherung) erläutert.

Voraussetzungen für einen anerkannten Betriebsunfall

Geschieht ein Betriebsunfall, müssen bestimmte Schritte unternommen werden, entweder vom Arbeitgeber oder aber vom betroffenen Arbeitnehmer. Es geht vor allem um bestimmte Meldepflichten, medizinische Untersuchungen sowie um die Verpflichtung, bei der Aufklärung des Sachverhaltes mitzuwirken. Die richtigen Schritte zu unternehmen, ist äußerst wichtig, da ansonsten von der Versicherung Leistungen aufgrund von Fehlverhalten verweigert werden können.

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Betriebsunfall melden

Ein Betriebsunfall muss grundsätzlich an den jeweils zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldet werden. Diese Meldung hat innerhalb von drei Tagen zu erfolgen. Lediglich bei tödlich verlaufenden Arbeitsunfällen besteht eine sogenannte Sofortmeldepflicht. Das gilt auch bei mehreren Verletzten, die medizinisch versorgt werden mussten. Diese Verantwortung obliegt dann dem Arbeitgeber. Die Meldung ist die Voraussetzung dafür, dass der Versicherungsträger überhaupt aktiv wird und in der Folge eventuell anfallende Kosten für die Behandlung bzw. Rehabilitation übernimmt.

Es wird hauptsächlich kontrolliert, wie sich die Unfallsituation dargestellt hat und welche Gesundheitsschäden durch den Betriebsunfall verursacht wurde. Manchen Unfallopfern droht aufgrund der schweren Verletzungen sogar die Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit.

Erste Hilfe und Untersuchung durch einen Arzt

Die erste und wichtigste Maßnahme nach einem Arbeitsunfall ist die Erste Hilfe durch eine dafür geeignete Person. Das ist meistens ein speziell geschulter Ersthelfer aus dem Kreis der Kollegen. Zudem sollte der für Arbeitssicherheit zuständige Mitarbeiter und auch der Betriebsrat (so vorhanden) verständigt werden. Um nach einem Betriebsunfall Leistungen vom Versicherungsträger zu erhalten, ist es unbedingt notwendig, dass sich der betroffene Arbeitnehmer von einem Arzt untersuchen lässt.

Auf diese Weise können erlittene Verletzungen dokumentiert werden. Viele Versicherungen überprüfen bei solchen Arbeitsunfällen sehr gerne auch die Krankheitsgeschichte des Verunfallten, um Kosten eventuell nicht übernehmen zu müssen. Dafür werden nicht selten Gutachter bestellt. Der Arbeitnehmer sollte sich vom Träger immer eine Kopie des Gutachtens aushändigen lassen.

Praxistipp: Man muss die Wahl eines Gutachters übrigens nicht dem Versicherungsträger überlassen. Der Geschädigte kann auch selbst einen entsprechenden Facharzt bitten, ein Gutachten zu erstellen.

Untersuchung der Unfallsituation

Ein ebenfalls wichtiger Schritt ist eine interne Untersuchung des Betriebsunfalls. In der Regel sind an einer solchen Untersuchung verschiedene Mitarbeiter des Unternehmens beteiligt:

  • das oder die Unfallopfer
  • die zuständige Führungskraft (z. B. Abteilungsleiter)
  • der für die Arbeitssicherheit zuständige Mitarbeiter
  • mögliche Zeugen des Unfalls
  • der Betriebsrat
  • jemand von der Unternehmensleitung

Eine wichtige Rolle kann hier der Betriebsrat übernehmen. Er sollte das Unfallgeschehen dokumentieren, mögliche Beweismittel sichern und vorhandene Zeugen identifizieren und befragen. Die Ergebnisse stehen dann später dem Versicherungsträger und eventuell weiteren Ermittlungsbehörden zur Verfügung.

Versicherungskarte in Hosentasche
© pixabay.com, blickpixel (CC0 1.0)

Nicht jeder Wegeunfall ist ein Betriebsunfall

Prinzipiell genießt der Arbeitnehmer auf dem Arbeitsweg Versicherungsschutz. Geschieht unterwegs ein Unfall, bei dem der Arbeitnehmer geschädigt wird, gilt dies als Wegeunfall. Ein solcher ist eine Sonderform des Betriebsunfalls. Damit der Versicherungsschutz greift, müssen aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein:

  • es muss sich um den unmittelbaren Weg zum oder vom Arbeitsplatz handeln
  • der Weg darf nicht zwischendurch unterbrochen werden
  • ein Unfall muss im versicherten, nicht privaten Bereich liegen (also jenseits der Wohnungstür oder des Garagentors)

Für die Einstufung als Betriebsunfall bzw. Wegeunfall spielt die Art der Fortbewegung keine Rolle. Man kann also zu Fuß, mit dem Rad oder Motorrad, mit dem Pkw oder mit den öffentlichen Verkehrsmitten unterwegs sein. Selbst die Nutzung von Inline-Skatern ist erlaubt. Eine Besonderheit besteht auch darin, dass der Arbeitsweg zwar der unmittelbare sein muss, aber nicht unbedingt der kürzeste. Der Weg zur oder von der Arbeit darf dann länger sein, wenn er schneller, sicherer oder verkehrsgünstiger ist. Auch für Wegeunfälle gilt, dass sie dem Arbeitgeber schnellstmöglich gemeldet werden müssen. Je länger der Arbeitnehmer mit der Meldung wartet, desto problematischer ist es meistens, die Berufsgenossenschaft zur Erstattung von Kosten zu bewegen.

Folgekosten nach einem Betriebsunfall

Ein Unfall auf dem Arbeitsweg oder am Arbeitsplatz geht oft mit Verletzungen einher, die zum Teil sehr schwer sind. Sie müssen behandelt werden und nicht selten ist eine längerfristige Rehabilitation notwendig. In dieser Zeit kann der Geschädigte nicht arbeiten. Dies führt zu Verdiensteinbußen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man sich vom Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen lässt.

Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber

Nur mit einer solchen gibt es eine Lohnfortzahlung, die in der Regel für die Dauer von 6 Wochen vom Arbeitgeber gezahlt wird. Er ist zu dieser Leistung verpflichtet, solange die Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters die 6 Wochen nicht überschreitet. Tut sie es doch, ist der Arbeitgeber aus der Verpflichtung zur Fortzahlung des Lohnes entlassen.

Verletzten- bzw. Krankengeld

Ab der siebten Woche hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf sogenanntes Verletzten- bzw. Krankengeld von den Berufsgenossenschaften bzw. Krankenkassen. Diese Leistung erhalten Betroffene für einen Zeitraum von maximal 78 Wochen. Dies gilt allerdings nur, wenn sie immer aufgrund derselben Erkrankung arbeitsunfähig sind.

Kosten für Rehabilitationsmaßnahmen

Nach einem Betriebsunfall mit Verletzungen sind Geschädigte meist gezwungen, Hilfsmittel für die Rehabilitation zu kaufen. Diese Kosten können sie sich unter Umständen zurückerstatten lassen. Das gilt etwa für folgende Leistungen:

  • Gehhilfen (Krücken)
  • Rollstuhl
  • Spezialschuhe
  • Umrüstung der Wohnung oder des Arbeitsplatzes
  • Umbau des Fahrzeugs

Die Erstattung solcher Kosten muss selbstverständlich beantragt werden. Oft hilft es, wenn man anhand eines ärztlichen Attests oder eines Gutachtens die Notwendigkeit belegen kann.

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