Bargeldabschaffung: Unerwünschte Folgen und Gesetzeszwänge - scinexx | Das Wissensmagazin
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Bargeldabschaffung: Unerwünschte Folgen und Gesetzeszwänge

Geldpolitik

Kasse
Noch bezahlen gerade die Deutschen sehr gerne mit Bargeld. © stock.adobe.com, Goodpics

Die Abschaffung von Bargeld gehört zu denjenigen Themen, über die seit einigen Jahren immer wieder in den Medien berichtet wird. Doch selten werden dabei auch die Hintergründe vollumfassend beleuchtet. Dabei hätte eine endgültige Abschaffung weitreichende Folgen, die hier genauer betrachtet werden.  

Es mag einfach sein, sich für eine Bargeldabschaffung auszusprechen und darauf hinzuweisen, dass dadurch Regierungen viel Geld für Herstellung, Transport und Lagerung sparen würden, dass Kriminalitätsbekämpfung erheblich erleichtert würde und dass sowieso in den meisten Ländern der Trend zu alternativen Zahlungsmitteln geht.

Ganz so einfach wäre es in der Realität allerdings keinesfalls. Denn ein analoges, anonymes Zahlungsmittel zu besitzen ist im Interesse sehr vieler. Würde beispielsweise die EU oder auch nur Deutschland morgen beschließen, das Euro-Bargeld komplett einzustampfen, hätte das mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit drastische Folgen, die auf der negativen Seite zu Buche schlagen.

Davon ausgehend müsste eine Regierung auch noch zahllose weitere Gesetze beschließen, um die verschiedensten Auswirkungen in den Griff zu bekommen. Wie das alles aussehen müsste, ist in diesem Beitrag skizziert. Für die meisten Szenarien gibt es historische Vorbilder, die teils mehrfach in Rezessionen, Staatspleiten und nach Kriegen zu beobachten waren, auch in Deutschland.

Die unerwünschten Nebenwirkungen

Neben unbestrittenen Vorteilen einer Abschaffung des Bargeldes gibt es auch zahlreiche weniger attraktive Auswirkungen. Darüber hinaus würden daraus auch Folgen resultieren, die weitestgehend unerwünscht sind, die aber dennoch unvermeidlich wären.

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Gold
Viele Menschen wollen „etwas in der Hand haben“, das einen Wert darstellt. Ohne Bargeld würden deshalb Edelmetalle wie Gold stark an Bedeutung gewinnen. © stock.adobe.com, Gina Sanders

Bedeutungsgewinn realer Rohstoffe

Warum hat ein zehn-Euro-Schein einen Wert von zehn Euro? Salopp ausgedrückt: Weil die Europäische Zentralbank bzw. die Länderregierungen das so sagen. Denn auch wenn all die Scheine und Münzen für uns einen sehr realen Wert besitzen mögen, so leben wir doch längst in einer Zeit, in der keine greifbaren Werte mehr deckend dahinterstehen.

Bedeutet, faktisch ist der Euro nur aufgrund eines politischen Versprechens so viel wert. Damit steht er in einer langen Reihe anderer Währungen; das Prinzip ist unter dem Begriff Fiatgeld bekannt. Eine Währung, deren Wert nur aufgrund von gegenseitigem Vertrauen besteht und nicht, weil dahinter ein realer Rohstoff steht, etwa Gold oder Silber. Kaum eine Währung auf der Welt wird noch durch eine ausreichende Menge eines Rohstoffs gedeckt. Eine der letzten Nationen, die dies aufgaben, waren die USA. 1973 beendet das Land das bis dato gültige Versprechen, jeden Dollar in Gold einzulösen.

An diesem Punkt kommt erstmalig in diesem Text die Natur des Menschen ins Spiel: die meisten wünschen sich finanzielle Sicherheit. In einer Welt ohne Bargeld wäre dies noch schwerer sicherzustellen als es aktuell – selbst mit dem üblichen Fiatgeld – der Fall ist.

Wenn eine Währung einzig und allein virtuell existiert, besteht das realistische Risiko, dass der Wert viel stärker schwankt und dass Regierungen nach ihrem Gusto steuernd eingreifen. Beispielsweise wäre es einem Staat auch möglich, Negativzinsen einzuführen, um die Konjunktur anzukurbeln – ausgeben oder verlieren wäre dann die Wahl, vor der jeder stünde.

Genau das aber wollen viele Menschen nicht. Sie wünschen sich eine Möglichkeit, einen Wert beiseite zu legen, ohne dass dieser allein durch das Sparen massiv an Wert verlieren kann. Das bringt uns zu Rohstoffen wie den Edelmetallen.

Dadurch, dass Rohstoffe physisch vorhanden sind, ist es unmöglich, dass sie gänzlich an Wert verlieren. Sie bieten als Wertanlage somit eine relativ hohe Sicherheit. In einer Welt ohne Bargeld dürfte man davon ausgehen, dass sehr frühzeitig ein Ansturm auf Rohrstoffe beginnt. Vornehmlich natürlich Edelmetalle, aber durchaus auch andere Dinge von bleibendem Wert.

Bedeutungsgewinn von Kryptowährungen

Rein digitale Währungen gibt es seit einigen Jahren und inzwischen in großer Zahl. Für viele Normalverbraucher sind sie aber kein Thema, mit dem sie sich tiefer befassen. Nach einer Bargeldabschaffung wäre das höchstwahrscheinlich anders.

Denn Kryptowährungen sind in gewisser Weise ein monetäres Abbild der digitalen Internetwelt. Sie existieren und funktionieren jenseits von Ländergrenzen, von politischen Regelungen. Sie lassen sich nicht einmal im Ansatz mit klassischen Mitteln kontrollieren und sind im Zweifelsfall so anonym, dass auch damit abgewickelte Transaktionen möglichst nicht nachvollziehbar sind.

Auch Kryptowährungen mögen keinen „handfesten“ Gegenpart in Form eines physischen Werts haben. Aber sie haben einen entscheidenden Vorteil: für ihren Wert ist kein Vertrauen in eine politische Instanz notwendig. Der Wert von Kryptowährungen entsteht durch das Vertrauen derjenigen, die sie nutzen und annehmen. Keine Regierung kann hier einen Negativzins aufzwingen, einen Kurs festsetzen, diese oder jene Kryptowährung verbieten.

Auch das hat wieder mit Sicherheit zu tun. Ohne Bargeld würden deshalb viel mehr Menschen als heute in Kryptowährungen einsteigen – und da viele von diesen auf ein Maximallevel festgelegt sind (beim bekannten Bitcoin sind es beispielsweise 21 Millionen), würde damit auch noch eine Sicherheit gegen Inflation einhergehen – vor der auch ein bargeldloser Euro keineswegs gefeit wäre.

Fremdwährungen
Solange es noch andere Währungen mit Bargeld gibt, besteht immer ein Risiko, dass sie in bargeldlosen Ländern zur Schattenwährung werden. © stock.adobe.com, Jeanette Teare

Bedeutungsgewinn anderer Währungen

Die Welt stellt kein einheitliches politisches Gebilde dar – und wird es mutmaßlich auch niemals sein. Eine Folge davon ist, dass es noch für sehr lange Zeit immer Nationen geben wird, die ihr eigenes Bargeld, ihre eigene Währung behalten.

Zwar könnte der gesamte europäische Währungsraum die Euroscheine verbannen, auf Länder außerhalb des Staatenbundes hätte das jedoch keinen Einfluss. Sie müssten nicht zwangsläufig nachziehen.

In der Vergangenheit gingen die Menschen in ähnlichen Situationen dazu über, sich Bargeld in den entsprechenden Fremdwährungen zu besorgen – seien es Dollars, Pfund, Franken oder Yen. Zudem gäbe es vermutlich auch einige Gewerbetreibende, welche die Fremdwährung auch annehmen würden, weil das Vertrauen in die nunmehr volldigitale einheimische Währung erschüttert wäre.

Bei Krediten gibt es schon heute verschiedene Gründe, sich das Geld in einer anderen Währung ausbezahlen zu lassen – etwa, weil sich durch Kursschwankungen hohe Einsparpotenziale ergeben können. Nach der Bargeldabschaffung wären diese Gründe auf jedem Gebiet, nicht nur dem Geldleihen, um einiges bedeutender. Das Argument der Bekämpfung von Steuerhinterziehung würde dadurch zudem ad absurdum geführt

Schwarzmärkte und Tauschhandel würden durchstarten

In unserem Alltag gibt es zahlreiche Situationen, in denen Bargeld ganz selbstverständlich eingesetzt wird. Dazu gehören auch kleinere Gefälligkeiten unter Bekannten. Ein Beispiel: Ein Automechaniker hilft nach Feierabend seinem Nachbarn beim Montieren der Winterreifen. Dafür bekommt er als Dank ein kleines Trinkgeld. Eine solche oder vergleichbare Situation ist absolut üblich und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.

Selbst in völlig legaler Form gäbe es ohne Bargeld keine Möglichkeit mehr, solche Gefälligkeiten zu bezahlen, ohne dazu ganz offiziell einen Dienstleister zu bemühen. Dass zudem deshalb immer die Gefahr besteht, dass der Fiskus misstrauisch kontrolliert, kommt hinzu – jegliche Form legaler Nachbarschaftshilfe wäre plötzlich ungleich schwieriger und automatisch mit einem Stigma des Halbkriminellen versehen.

Eine Alternative wäre es, auch hier auf Fremdwährung zurückzugreifen. Was aber in einer bargeldlosen Welt häufiger vorkäme (vor allem bei niedrigeren Beträgen), wäre eine alternative Vergütung. Möglich wäre eine Bezahlung in Naturalien.

Tatsächlich könnte der Tauschhandel in einer solchen Welt Züge annehmen, die mit denen der deutschen Hyperinflation 1923 vergleichbar wären oder den USA während der großen Depression. Und keine Regierung könnte es kontrollieren.

Entstehung neuer Dienstleister

Betrachtet man die Nationen der EU, so gilt darin Deutschland als eines derjenigen Länder, in dem die Bevölkerung am stärksten am Bargeld hängt. Nach wie vor wird knapp die Hälfte aller Transaktionen hierzulande in bar abgewickelt. In anderen Ländern ist diese Quote um einiges niedriger. Vor allem bei mobilen Bezahlmethoden – etwa mit dem Smartphone – sind die Deutschen sehr skeptisch.

Doch wir alle kennen auch Situationen, in denen es schlicht nicht praktikabel oder möglich ist, auf (bislang etabliertem) elektronischem Weg zu bezahlen. Das fängt beim Kauf eines Gebrauchtwagens von Privat an und endet bei den Nachhilfestunden des Nachwuchses und dem morgendlichen Gang zum Bäcker längst noch nicht. Ohne Bargeld würde ein wichtiges niedrigschwelliges Zahlungsmittel fehlen. Selbst wenn man Fremdwährungen oder Rohstoffe außeracht lässt, bestünde ein Bedarf daran.

Dies könnte dazu führen, dass ganz neue Bezahldienste eingeführt werden. Für den Verbraucher indes hätte das einen massiven Nachteil: Bereits heute existiert eine Vielzahl unterschiedlichster Bezahlanbieter. Viele Geschäfte offerieren ihren Kunden jene Möglichkeiten, die am weitesten verbreitet sind. Je mehr dies sind, umso größer der Aufwand und die Kosten für den jeweiligen Händler. Gleichzeitig entscheiden sich auch die Verbraucher dazu, Konten bei mehreren Anbietern zu eröffnen, um für jede Situation gerüstet zu sein.

Niedrigschwellig wäre das sicher nicht. Und es würde auch all jene massiv benachteiligen, die nicht einen so natürlichen Umgang mit Digitaltechnik pflegen, wie es die heute jungen Generationen tun.

Einwurf in die Wahlurne
Jeder, der nicht mit einer Bargeldabschaffung d’accord wäre, würde zumindest an der Wahlurne seinem Ärger Luft machen. Ein für alle Parteien unkalkulierbares Risiko. © stock.adobe.com, Julian Schäpertöns

Wachsender politischer Unmut

Um diesen Punkt zu erklären, muss man den Hintergrund einer Bargeldabschaffung beleuchten:

  1. Alle Gewalt über den Wert einer Währung ginge von einer zentralen Bank aus.
  2. Es gäbe keine Möglichkeit für Bürger mehr, durch Ansparen und Beiseitelegen von Bargeld in der Landeswährung zum Korrektiv zu werden oder sich vor dem Einfluss einer Zentralbank zu schützen.
  3. Es kann selbst der kleinste Geldfluss überwacht werden, alles läuft digital ab und hinterlässt Spuren.

In diesen drei Punkten findet sich der erste und wahrscheinlich stärkste Grund dafür, warum eine Bargeldabschaffung unwahrscheinlich wird: Es wäre für sämtliche antreibenden Akteure ein politisch riskantes Vorgehen.

Die Wut vieler Menschen auf alle, die an der Abschaffung beteiligt waren, wäre groß. Die daraus möglichen Folgen unabsehbar. Positiv für die Demokratie wären sie mit Sicherheit nicht, denn es könnte jede Partei aufsteigen, die nur glaubhaft genug vermittelt, das Bargeld zurückzubringen.

Allerdings ist die Angst davor, Wählerstimmen zu verlieren, nur ein kleiner Teil. Es gibt noch stärkere Gründe, die gegen eine Abschaffung sprechen – weil sie alle für eine Abschaffung notwendig wären.

Infografik zur Bargeldabschaffung
Datenquelle: splendid-research.com

Die notwendige Regelung durch Gesetze

Wer den ersten Teil dieses Textes aufmerksam gelesen hat, hat wahrscheinlich festgestellt, dass es absolut nicht ausreichen würde, ein Gesetz zu erlassen, das Bargeld abschafft. Basierend auf den vorherigen Punkten wären dementsprechend weitere Gesetze erforderlich.

Um Bargeld abzuschaffen, wären nicht nur Maßnahmen erforderlich, die fernab jedes Demokratiegedankens stehen, sondern auch eine sehr engmaschige Überwachung der digitalen finanziellen Transaktionen, dass allein die Finanzierung eines solchen Systems jede Volkswirtschaft in Bedrängnis brächte.

1. Ein weitreichendes Edelmetallverbot

Edelmetalle haben einen beträchtlichen Wert. Da dieser in der Regel zunächst nicht staatlich kontrolliert wird, kann es für eine Nation schmerzhaft sein, wenn ihre Bürger einen erklecklichen Teil ihres Vermögens in diese Anlageform steckt.

Ein Goldbesitzverbot – wie es u.a. in Deutschland und den USA im 20. Jahrhundert bestand, wäre deshalb praktisch verpflichtend und müsste, um wirklich wirksam zu greifen, um viele andere Rohstoffe ergänzt werden. Auch hier ist ein staatlicher Zugriff durchaus denkbar.

2. Bargeldverbot und Rückführungsprogramme

Seit vielen Jahren ist der Euro in Deutschland das einzige offizielle Zahlungsmittel – trotzdem waren noch Ende 2019 gut zwölf Milliarden D-Mark in Privatbesitz. Und das, obwohl der Tausch bei allen Filialen der Bundesbanken selbst bei Pfennigbeträgen ohne weiteres möglich ist.

Würde ein Land nun das Bargeld abschaffen, wäre es notwendig, alle bestehenden Bargeldvorräte rigoros einzuziehen. Schon um zu verhindern, dass sich mit diesen Scheinen und Münzen eine jahrelange Schattenwirtschaft etabliert.

Damit würden aber vier Dinge notwendig:

  1. Es bräuchte ein Gesetz, das den Besitz und die Annahme von Bargeld unter Strafe stellt und ein System, das dies auch durchsetzen kann – beides unter dem Eindruck der schon heute überlasteten Gerichte kaum realistisch.
  2. Es wären internationale Verträge notwendig, um zu verhindern, dass Euro-Bargeld im Ausland in Landeswährung umgetauscht oder gutschrieben wird.
  3. Der Einzug und die Vernichtung der Devisen müsste organisiert und durchgeführt werden. Dies ist mit erheblichen Kosten verbunden, wie der Wechsel auf den Euro zeigte. Doch um wirksam zu sein, müsste auch ein teures Anreizprogramm zur Rückgabe geschaffen werden. Eine potenzielle Kriminalisierung allein würde kaum ausreichen.
  4. Es müsste eine umfangreiche Kontrolle etabliert werden, damit jede Benutzung von Bargeld aufgedeckt wird – prinzipiell kaum möglich.

3. Digitale Kontrollmechanismen

Es bleibt die Möglichkeit, auf Kryptowährungen zurückzugreifen. Dies zu verhindern ist mit den Mitteln eines demokratischen Rechtsstaats unmöglich. Denn mit einer Bargeldabschaffung müsste eine lückenlose Kontrolle sämtlicher finanziellen Transaktionen im Internet einhergehen.

Als Gesetz mag das vielleicht noch vorstellbar sein, aber sicher nicht in seiner praktischen Umsetzung. Es benötigt keine tiefgreifenden Hacker-Fähigkeiten, um seine Spuren im Netz zu verschleiern. Selbst jene Nationen, die eine umfassende Kontrolle heute anstreben, scheitern daran in schöner Regelmäßigkeit.

4. Umfassende Einreisekontrollen

Für ein Land ohne Bargeld ist es ein schwieriges Unterfangen, zu verhindern, dass Fremdwährung von außen hineinkommt und von seinen Bürgern benutzt wird, um am Staat vorbei bar zu bezahlen. Dafür wären weitere Maßnahmen notwendig:

  1. Es wären Verträge mit allen anderen Nationen notwendig, damit Bürger mit deutschem/EU-Pass dort kein Bargeld erhalten – sehr unwahrscheinlich.
  2. Die Einreisekontrollen müssten massiv ausgedehnt werden. Jeder müsste umfassend überprüft und durchsucht werden. Technisch ist dies an Flughäfen zwar etabliert, aber in einer Welt der offenen Grenzen kaum praktikabel, daher ebenfalls unwahrscheinlich.

Selbst die DDR mit ihren bestens gesicherten Grenzen konnte niemals verhindern, dass Fremdwährungen ins Land strömten und einen Schwarzmarkt nährten. Und keine Demokratie würde versuchen wollen, noch strenger zu sein. Das auch deshalb, weil es den Handel mit anderen Staaten eklatant erschweren und wahrscheinlich dort auch ziemliche Verstimmungen verursachen würde.

Spürhund im Einsatz
Selbst ein ausgesprochener Polizeistaat könnte kaum verhindern, dass Fremdwährung ins bargeldlose Land gelangt – würde sich durch den Versuch aber stark diskreditieren. © stock.adobe.com, Dragosh

5. Aufstockung der Staatsmacht

Bereits heute verliert der deutsche Staat durch Steuerhinterziehung jährlich dreistellige Milliardensummen. Zoll und Finanzämter sind für eine umfassendere Kontrolle nicht ausgelegt. In einem Land ohne Bargeld müsste die Überwachung noch weitaus umfangreicher aufgestellt werden.

Wäre das möglich? Vielleicht. Allerdings nur mit einem riesigen finanziellen Aufwand. Die Anzahl an loyalen Staatsdienern, die notwendig wäre, um auch nur ein Mindestmaß an Kontrolle zu behalten, wäre so teuer, dass sich kaum ein Land den Unterhalt langfristig leisten könnte. Auch hier zeigt ein Blick auf die ehemalige DDR, was dies bedeuten kann: Die Größe des umfangreichen Kontrollapparats war mitverantwortlich für den wirtschaftlichen Niedergang.

Zusammenfassung

Wir leben in einer Zeit, in der Bargeldabschaffung von vielen Stellen als notwendiger Schritt angesehen und eingefordert wird. Das ist die eine Seite. Die andere ist jedoch die, dass es nicht damit getan wäre, ein Gesetz zu unterzeichnen und im Nachgang das vorhandene Bargeld einzusammeln – wie es sich viele Abschaffungsbefürworter vorstellen.

Um eine Bargeldabschaffung zu betreiben, die diesen Namen auch verdient, wäre es automatisch notwendig, dass ein Land oder Staatenbund Maßnahmen erlässt, die mit ausgedehnten Kontroll- und Überwachungsmechanismen verbunden sind.

Schon aus diesem Grund sind die meisten Befürchtungen für eine tatsächliche Abschaffung aktuell unrealistisch. Kein hochentwickelter Staat könnte es verkraften, sich durch solche Maßnahmen gegenüber der durch Welthandel verbundenen Staatengemeinschaft ins Abseits zu stellen.

Außerdem würde eine Bargeldabschaffung und vor allem ihr dauerhafter Unterhalt zu einer riesigen Belastung des Wirtschaftssystems werden. Selbst ein ausgedehntes Kontrollsystem, das Jahr für Jahr einen Großteil des BIP verschlingt, könnte nicht mit letzter Sicherheit gewährleisten, dass Menschen unkontrollierte Alternativen zum Bargeld in der Landeswährung nutzen.

Wird Bargeld in den kommenden Jahrzehnten mit dem weiteren Aufblühen digitaler Zahlungsweisen an Bedeutung verlieren? Ja, absolut. Wird Bargeld vollkommen abgeschafft werden? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Es wird seine Nische behalten. Selbst in den Ländern, die bereits jetzt in viel geringerem Maß bar bezahlen als es in Deutschland üblich ist. Wenn sich dieser Ausgleich einmal eingependelt hat, werden all die Gründe, die heute noch für eine Abschaffung herangezogen werden, weniger Gewicht haben, da der Stellenwert von Bargeld nicht mehr so hoch ist. Eine Bargeldabschaffung mag viele Vorteile liefern. In der Summe würden die Nachteile jedoch um einiges schwerer wiegen.

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