Artensterben nimmt dramatische Ausmaße an - scinexx | Das Wissensmagazin
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UN-Bericht 2019

Artensterben nimmt dramatische Ausmaße an

Visualisierung der Biodiversität
In seinem Bericht zum Zustand der Artenvielfalt zeichnet der Weltbiodiversitätsrat ein düsteres Bild. © Romolo Tavani/ istock

Nach einem aktuellen Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services). einer Organisation der Vereinten Nationen (UN), sind in den nächsten Jahrzehnten 500.000 bis 1.000.000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Rund 150 Experten aus 50 Ländern arbeiteten drei Jahre lang an dem Bericht über den Stand der Artenvielfalt. Dem Bericht zufolge ist die Geschwindigkeit des Artensterbens zehn- bis hundertmal höher als in den vergangenen zehn Millionen Jahren. Ein „Massenaussterben„, wie es aktuell der Fall ist, gab es in den vergangenen 500 Millionen Jahren erst fünfmal.

Was sind die Ursachen für das Artensterben?

Nach dem Bericht sind drei Viertel der Erdoberfläche bereits „stark verändert“ durch den Menschen, wobei die Ozeane noch nicht mit eingerechnet sind. Die Ursachen für das Artensterben sehen die Experten inbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Abholzung, Bergbau, Fischerei, in der Umweltzerstörung und im Klimawandel. Die Menschen beanspruchen immer mehr Flächen für sich, die anderen Lebewesen dann fehlen. Beispielsweise wurden von 1980 bis 2000 über 100 Millionen Hektar Wald gerodet, um Weideflächen für das Vieh zu gewinnen (Lateinamerika) oder Ölplantagen (Südostasien) anzulegen. Ein weiteres Beispiel ist der Städtebau: Seit 1992 haben sich die Flächen, die für den Städtbau genutzt werden, verdoppelt. Der Mensch verdrängt die Tier- und Pflanzenwelt.

Welche Arten sind besonders bedroht?

Von den etwa acht Millionen auf der Erde lebenden Tier- und Pflanzenarten sind etwa eine Million vom Aussterben bedroht. Insbesondere Amphibien (unter anderem Kröte, Frösche, Molche), Korallen und sowie viele Pflanzenarten sind stark gefährdet. Insgesamt könnten etwa 40 Prozent der Amphibien aussterben. Bei den Korallen kämpfen fast ein Drittel um das Überleben. Wie viele Insekten vom Aussterben bedroht sind, ist unsicher, da viele statistische Daten fehlen. Nach Schätzungen sind zehn Prozent der Insekten stark gefährdet. Dies ist eine gewaltige Menge an Arten, wenn man bedenkt, dass es fünfeinhalb Millionen Insektenarten gibt. Bei den Pflanzen sind insbesondere die Palmfarne, zu denen beispielsweise die Sago-Palme gehört, stark bedroht. Auch rund 30 Prozent der Nadelhölzer droht das Aussterben. Der Bericht bezeichnet auch noch 500.000 Arten als „dead species walking“, womit Arten gemeint sind, die aufgrund der Veränderung ihrer Lebensräume längerfristig keine Überlebenschance haben.

Die Welt aus der Sicht der Tiere

Der Bericht wirft einen Blick auf die Vielfalt der Arten. Interessant wäre auch der umgekehrte Blick: Wie nehmen die anderen Lebewesen ihre Lebensräume wahr? Hier sehen wir uns gleich einer unglaublichen Vielfalt des Sehens gegenüber: Viele Tiere sehen andere Farben als wir, manche nur schwarzweiß. Insekten haben nicht nur zwei Augen, sondern tausende. Einen kleinen Einblick, wie die Welt aus der Perspektive von Tieren aussieht, zeigt uns Lensbest mit der Website Wie Tiere sehen – Lensbest feiert den Tag der biologischen Vielfalt.

Nachhaltige Wirtschaftsweise gefordert

Der Bericht ruft zu einer massiven Verschärfung der Maßnahmen zum Umweltschutz auf, insbesondere zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und der Fischerei. Dazu sollte auch das Wissen der indignen Bevölkerung („Naturvölker“), die meist viel nachhaltiger mit der Natur umgeht, in die Umweltpolitik aufgenommen werden. Nach dem Bericht sollte der Artenschutz weltweit in allen Politikbereichen vertreten sein.

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