Alibaba vs. Amazon: Wer ist der größte? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Alibaba vs. Amazon: Wer ist der größte?

Online-Handel

Viele Pakete stehen vor einer großen Weltkugel
Pakete von Amazon und Alibaba werden fast auf der ganzen Welt ausgeliefert. © pixabay.com, AbsolutVision (CCO)

Amazon beherrscht den Onlinehandel in den USA und in Europa. In den westlichen Industrienationen ist der E-Commerce-Riese Anlaufstelle Nr. 1, wenn man etwas im Internet bestellen möchte. Dank günstiger Preise und einem riesigen Angebot hat Amazon auch hierzulande zahlreiche Kunden. Als größter Konkurrent gilt Alibaba. Die chinesische IT-Firmengruppe ist Marktführer in China, hat in Deutschland und Europa jedoch keinen großen Stellenwert. Das soll sich in Zukunft ändern. Die Expansion Alibabas nach Europa hat bereits begonnen.

Mit Amazon und Alibaba sind Erfolgsgeschichten verbunden, die in den 90er Jahren ihren Ursprung hatten. Jeff Bezos hat 1994 Amazon in den USA gegründet und den Weg für den Online-Handel in den USA sowie später auch in Europa geebnet. Jack Ma gründete Alibaba fünf Jahre später im chinesischen Hangzhou und konnte das Unternehmen zum wichtigsten eCommerce-Händler in Asien formen. Der Erfolg der Firmen hat sich natürlich auch für ihre Gründer bezahlt gemacht: Jack Ma ist der reichste Mensch in China und Jeff Bezos ist der reichste Mensch der Welt.

Beide Unternehmen haben einen riesigen Fundus an Angeboten. Neben den unzähligen Artikeln vom unschlagbaren Schnäppchen bis hin zu teuren Luxusgegenständen haben die Firmen ihre Leistungen ausgebaut und sich in zahlreichen Branchen wie dem Cloud-Computing oder im Streaming etabliert.

Geschäftszahlen: Amazon vor Alibaba

Da stellt sich natürlich die Frage, wer von den beiden eCommerce-Giganten größer ist. Hier hat Amazon (noch) die Nase vorn. Im zweiten Quartal 2019 konnte Amazon einen Gesamtumsatz von 63,4 Mrd. US-Dollar verzeichnen. Bei Alibaba waren es „nur“ 16,7 Mrd. US-Dollar, wovon 14,5 Mrd. US-Dollar auf den eCommerce-Umsatz entfallen. Damit ist der Anteil deutlich höher als bei Amazon, das nur 31,1 Mrd. US-Dollar in diesem Bereich umsetzt. Allerdings sind hier die Zahlen des Singles Day noch nicht enthalten, da dieser auf den 11.11. fällt. Am Singles Day 2019 erzielte Alibaba erneut einen Rekord und machte insgesamt einen Umsatz von 38 Mrd. US-Dollar.

Das zeigt, dass Amazon seine zusätzlichen Geschäftsfelder schon deutlich weiter ausgebaut hat als Alibaba. Vor allem im Cloud-Computing und bei den Abo-Einnahmen für Amazon Prime hat das US-Versandhaus neue Einnahmequellen erschlossen. Der Umsatz beträgt in diesen Bereichen 8,4 Mrd. bzw. 4,7 Mrd. US-Dollar. Auch wenn Amazon deutlich mehr Umsatz erzielt, kann Alibaba bei zwei sehr wichtigen Kennzahlen punkten: Beim Nettogewinn liegt Alibaba mit 2,8 Mrd. US-Dollar gegenüber 2,6 Mrd. US-Dollar von Amazon vorne und auch bei den Wachstumszahlen kann Amazon nicht mithalten. Alibaba hat seinen Umsatz im Vergleich zum zweiten Quartal 2018 um 42 Prozent steigern können.

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Alibaba ist rentabler als Amazon

Der chinesische Markt ist riesig, da das Land allein aktuell rund 800 Millionen Online-Kunden beherbergt, womit schon ein großer Teil der Chinesen online einkauft. Das Alibaba rentabler agieren kann, liegt aber auch am Geschäftsmodell des Unternehmens. Während Amazon einen großen Teil der Produkte selbst einkauft und an die Kunden weitergibt, ist Alibaba nur Vermittler. Amazon ist somit mit der aufwändigen und teuren Logistik beschäftigt und baut selbst Logistikzentren auf. Alibaba kann mit deutlich weniger Mitarbeitern dennoch an einem großen Teil des chinesischen Online-Handels partizipieren.

Amazon zieht sich zurück, Alibaba bläst zum Angriff

Der chinesische eCommerce-Händler kommt laut iResearch Global auf einen Marktanteil von 58,2 Prozent in China. Amazon kommt zwar auf ähnliche Zahlen – in Deutschland werden etwa 50 Prozent aller Internetkäufe über Bezos‘ Unternehmen abgewickelt –, allerdings nur in den USA und Europa. In China kommt Amazon gerade einmal auf 0,7 Prozent. Nachdem Amazon nun schon 15 Jahre lang versucht hat, im Land der aufgehenden Sonne Fuß zu fassen, steht ein Strategiewechsel an. Die Investitionen an Zeit, Arbeitskraft und Geld in China werden verringert und Amazon such nach anderen Wachstumsmärkten wie beispielsweise Indien.

Während sich Amazon zurückzieht, bläst Alibaba jedoch zum Angriff. Das chinesische Unternehmen will sich auch in Europa etablieren, auch wenn der Markt in China riesig ist. Als erste Maßnahme hat der Konzern in Spanien zwei Shopping-Zentren eröffnet, was für einen Online-Händler zunächst eine unkonventionelle Maßnahme ist. Aber dieser Schritt bringt Vorteile beim Marketing mit sich und macht die Marke Alibaba bekannter. In den Aliexpress-Filialen in Madrid und Barcelona werden auf großzügigen Verkaufsflächen nur ein Bruchteil der Produkte direkt verkauft – etwa 1.000 Artikel von 60 Marken.

In den Shopping-Zentren können aber auch Artikel bestellt werden, die innerhalb von drei Tagen kostenlos per Post ankommen. Eine zweijährige Garantie, wie es in Spanien üblich ist, und eine kostenlose Rückgabefrist gibt es obendrein; also all das, was Kunden auch in Deutschland von einem Online-Händler erwarten. Das alles gibt es nun in Spanien von Alibaba, ganz ohne lästige Zollprobleme. Damit ist der Einstieg in den europäischen Markt gelungen und die geplanten Investitionen lassen vermuten, dass es nicht beim Einstieg bleibt.

In Belgien baut Alibaba ein Logistikzentrum mit 220.000 Quadratmetern Fläche beim Flughafen Lüttich. Auch in der Nähe der tschechischen Hauptstadt Prag sowie in der Nähe des Frankfurter Flughafens existieren bereits moderne Lager. Diese Investitionen befeuern zusätzlich die Spekulationen um eine Übernahme von Zalando durch Alibaba. Bereits seit mehr als einem Jahr tauchen immer wieder Gerüchte auf, dass der chinesische Konzern den beliebten deutschen Versandhändler aufkaufen will.

Kann Alibaba in Zukunft Amazon überholen?

In China wird Amazon keinen deutlichen Zuwachs verzeichnen. Alibaba und andere Händler haben den chinesischen Markt fest im Griff und Angebote wie Amazon Prime haben in China keinen großen Mehrwert. Auf der anderen Seite hat Alibaba jedoch gute Chancen, etwas vom Kuchen in Europa abzubekommen. Da Amazon jedoch ein verlässlicher Partner sowohl für Kunden als auch für Drittanbieter geworden ist, wird es auch für Alibaba schwierig. Es gibt aber noch genügend Wachstumspotenzial in Europa, so dass die Situation nicht ausweglos erscheint. Vor allem, wenn Alibaba mit seinen technologischen Angeboten wie AliPay oder AliExpress überzeugen kann, stehen die Chancen auf einen weiteren Big Player nicht schlecht.

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