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Dienstag, 26.09.2017
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Vergeht die Zeit im Alter schneller?

Viele Menschen haben das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht, je älter sie werden. Besonders wenn wir zurückdenken, erscheint dies so. Dann kommen uns fünf Jahre in der Kindheit oft vor wie eine Ewigkeit, während die letzten Jahre unseres Lebens scheinbar viel zu schnell verronnen sind. Doch vergeht die Zeit tatsächlich schneller, wenn wir älter werden oder spielt uns das Gehirn nur einen Streich?

Studien bestätigen unsere Annahme: Je älter wir werden, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen.

Studien bestätigen unsere Annahme: Je älter wir werden, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen.

Das letzte Neujahr scheint noch gar nicht lange her zu sein und schon steht wieder das nächste Silvester vor der Tür. Ab dem Erwachsenenalter scheint die Zeit oft wie im Flug zu vergehen. Wenn wir dagegen an unsere Kindheit zurückdenken, fühlt es sich im Vergleich an, als ob unsere Grundschulzeit oder die Abschlussfahrt vor dem Abitur ewig dauerten. Dieses Phänomen bemerken wir auch häufig, wenn wir mit Bekannten sprechen. Ist die Wahrnehmung der Zeit demnach altersabhängig?

Kurioses Zeitempfinden


Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass unsere Zeitwahrnehmung vom Alter abhängt. Allerdings kommt es dabei auch auf den Zeitabschnitt an. Kürzere Zeitabschnitte von Wochen oder Monaten bis zu maximal einem Jahr schätzen Menschen jeden Alters ähnlich lang ein.

Ein deutlicher Unterschied zeigte sich jedoch, wenn Menschen einschätzen sollten, wie schnell die Zeit in den letzten zehn Jahren vergangen war: Je älter die Teilnehmer waren, desto schneller waren ihrer Meinung nach die letzten Jahre vergangen. Ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren blieb das Zeitempfinden dann relativ konstant. Das Zeitempfinden hängt demnach tatsächlich mit dem Alter zusammen.

Das Urlaubs-Paradoxon


Das wir Zeitabschnitte nicht immer gleich lang einschätzen, liegt in den unterschiedlichen Faktoren, die unsere Zeitwahrnehmung beeinflussen. Denn dafür spielt es einerseits eine große Rolle, wie viel wir erlebt haben und andererseits, ob wir an ein Ereignis zurückdenken oder während eines Erlebnisses die Zeit abschätzen.

Die Psychologin Claudia Hammond beschrieb dieses Phänomen auch als Urlaubs-Paradoxon. Demnach empfinden wir eine Zeitspanne im Nachhinein als lang, wenn wir viel Neues oder Spannendes erlebt haben. Die Zeit scheint zwar währenddessen wie im Flug zu vergehen. Abends in der Rückschau erscheint uns der vergangene Tag aber als sehr lang und vollgepackt.

Genau umgekehrt sieht es allerdings aus, wenn wir uns langweilen oder alltägliche Dinge tun. Die Wartezeit auf den Zug oder die Routinearbeit im Büro erscheint uns währenddessen oft wie eine Ewigkeit. Insgesamt aber bleibt in unserer Erinnerung von einem solchen Tag nur wenig übrig. Dadurch erscheint er in der Rückschau kürzer.

Mehr erlebt - mehr gespeichert?


Die Erklärung hierfür liegt in der Arbeitsweise unseres Gehirns. Denn dieses speichert neue oder emotionale Erlebnisse umfassender ab, als uns bereits vertraute Erfahrungen. Deswegen haben wir mehr Erinnerungen an Erlebnisse, die für uns neu und besonders waren. Erinnern wir uns an die Zeitspannen unterschiedlicher Erlebnisse in unserer Vergangenheit zurück, werden wir diese also immer daran messen, wieviele Erinnerungen wir an jene bestimmte Zeit haben.

Das ist auch der Grund dafür, warum uns die Kindheit im Nachhinein so lang vorkommt. Denn in dieser Zeit haben wir mehr neue Fähigkeiten erlernt und mehr Erfahrungen zum ersten Mal gemacht, als jemals wieder in unserem Leben. Deswegen kommt uns die erste Klassenfahrt wahrscheinlich sehr lang vor, während der letzte Urlaub in unserer Erinnerung vielleicht viel zu schnell vergangen ist.

Raus aus dem Alltag


Dieses paradoxe Verhalten des Gehirns hat allerdings den Vorteil, dass wir unser Zeitempfinden aktiv beeinflussen können - zumindest ein wenig. Denn wenn wir aus der Routine ausbrechen und mehr Neues unternehmen und erleben, prägt sich dies auch mehr im Gedächtnis ein.

Wenn wir uns im Alter also an eine lange und erfüllte Lebenszeit erinnern möchten, kann es jetzt schon hilfreich sein, gegenzusteuern. Statt des üblichen Fernsehprogramms könnten wir doch mal die Stadt erkunden, eine neue Sportart ausprobieren oder im nächsten Urlaub den lange ersehnten Fallschirmsprung machen.