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Freitag, 28.11.2014
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Frage: Kann man wirklich nicht vorschlafen?

Ein Mittagschläfchen schadet nie - aber hilft es auch dabei, abends länger durchzuhalten? Es erscheint auf den ersten Blick logisch: Wenn wir schon im Vorhinein wissen, dass es am Abend besonders spät wird - weil wir eine Party besuchen oder im Schichtdienst arbeiten müssen, gönnen wir unserem Körper einfach schon vorher ein wenig Schlaf. Nach diesem prophylaktischen Nickerchen, so könnte man glauben, sind wir dann viel ausgeruhter und werden deshalb in der Nacht erst später müde. Aber stimmt das auch?

Erholsamer Büroschlaf?

Erholsamer Büroschlaf?

"Das stimmt tatsächlich", sagt Heinrich Becker, Chefarzt an der Asklepios-Klinik Barmbek und ehemaliger Leiter des Schlaflabors Marburg. Wenn man ausgeruht sei, könne man mit einem Mittagsschlaf die Müdigkeit am Abend hinauszögern. Statt beispielsweise nur bis 23 Uhr halte man dann ein paar Stunden länger durch. Diese Form des Vorschlafens funktioniere aber nur zu bestimmten Zeiten. "Es gibt zwei Punkte am Tag, an denen man gut einschlafen kann: mittags und abends zur normalen Schlafenszeit", erklärt der Schlafmediziner. Zu diesen Zeiten sei die Körpertemperatur auf einem Tiefpunkt und der Körper darauf eingestellt, das Ruheprogramm zu starten.

Einfach nur früher ins Bett zu gehen, um vorzuschlafen, funktioniert dagegen in der Regel nicht, wie Becker erklärt. Man könne dann meist ohnehin nicht einschlafen und halte nach dem Aufstehen auch nicht länger durch. Es mache daher keinen Sinn, beispielsweise schon um 18 Uhr ins Bett zu gehen, wenn man sonst erst gegen 23 Uhr einschlafe. "Die innere Uhr ist dann noch nicht auf Schlafen eingestellt", sagt der Schlafmediziner. Anders sei es allerdings, wenn man schon zuvor ein Schlafdefizit angesammelt hat. Dann kann man meist auch außer der Reihe einschlafen - allerdings ist das das dann kein Vorschlafen, sondern eher ein Nachholen des zuvor versäumten Schlafes.

Schlafdruck macht uns müde


Wie Becker erklärt, ist nach gängigen Modellen neben der inneren Uhr auch der sogenannte Schlafdruck dafür verantwortlich, ob wir müde sind und wie lange wir schlafen müssen. Die innere Uhr regelt unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und sorgt beispielsweise dafür, dass wir jeden Abend etwa zur gleichen Zeit schlafbereit sind. Der Schlafdruck ist von diesem Tagesrhythmus unabhängig, er steigt an, je länger wir wach sind. Physiologisch gesehen sammeln sich dabei im Laufe des Tages spezielle Substanzen in unserem Gehirn an. Erreichen sie eine bestimmte Menge, spüren wir den Schlafdruck: Wir fühlen uns müde.

Wenn wir schlafen, wird der Schlafdruck wieder abgebaut. Dieser Abbau sei sehr effektiv: "In acht Stunden Schlaf bauen wir den Schlafdruck ab, der sich in den rund 16 Stunden Wachzeit angesammelt hat", sagt Becker. Deshalb könne auch eine halbe Stunde Mittagsschlaf ausreichen, um abends ein bis zwei Stunden länger durchzuhalten: Wir bauen einen Teil des Schlafdrucks ab und fühlen uns daher zur gewohnten Schlafenszeit weniger müde als sonst.