Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Weltrekord bei Brennstoffzellen
Lange Lebensdauer bei hoher Leistung nachgewiesen
Jülicher Wissenschaftler haben eine neue Bestmarke bei einer vielversprechenden Energietechnologie gesetzt: Gleich zwei Hochtemperatur-Brennstoffzellen-Stapel (Stacks) erreichten eine Betriebsdauer von 15.000 Stunden.

Brennstoffzelle
Brennstoffzelle
© Forschungszentrum Jülich
Heiße Kandidaten für den künftigen Einsatz in Gebäuden, Kraftwerken und Fahrzeugen sind Hochtemperatur-Brennstoffzellen mit Festelektrolyt - Solid Oxide Fuel Cells (SOFCs). Sie wandeln chemische Energie direkt und effizient in elektrische Energie um – damit sparen sie Ressourcen und vermeiden Emissionen.

„Stacks“ der Generation 3
Im Forschungszentrum Jülich wurden nun „Stacks“ der Generation 3 aufgebaut. Bei der dort verfolgten so genannten planaren Technik werden in diesen Stacks die einzelnen Zellen aufeinander gestapelt, um eine höhere Spannung zu erreichen.

Wissenschaftler des Instituts für Energieforschung (IEF) und der Zentralabteilung Technologie (ZAT) haben nun zwei solcher Stacks erfolgreich über jeweils 15.000 Stunden betrieben. „Dabei lieferten sie im Schnitt eine Leistung von 0,4 Watt pro Quadratzentimeter, etwa das Doppelte, was heute in kommerziellen Systemen vorgesehen ist“, sagt Robert Steinberger-Wilckens, Leiter des Projekts „Brennstoffzelle“ am Forschungszentrum.

Für den Einsatz in Fahrzeugen reichen bereits 5.000 bis 10.000 Stunden aus, für eine stationäre Stromversorgung sind aber Betriebszeiten von über 40.000 Stunden notwendig. „Wir sind dem Ziel, solche Betriebszeiten zu realisieren, wieder ein gutes Stück näher gekommen”, freut sich Steinberger-Wilckens.

Zellen altern langsamer
„Zudem haben wir die Langläufer-Stacks bei vergleichsweise geringen 700 °C betrieben – dadurch altern die Zellen langsamer“, so Steinberger. Die Alterung oder Degradation einer Brennstoffzelle wirkt sich als allmählicher Verlust an Leistung aus – ähnlich wie bei Batterien. Bemerkenswert ist bei den Jülicher Stacks, dass die Degradation der Zellen über die bisher erreichte Laufzeit lediglich zehn Prozent betrug. Gemeinhin wird das Lebensende eines Stacks bei 20 Prozent Leistungsverlust angesetzt.

Gelingt es also, die Stacks ungestört noch weiter zu betreiben, so haben sie nach Angaben der Wissenschaftler theoretisch das Potenzial, 30.000 Stunden zu schaffen – eine für Stacks dieser Bauart bisher für unerreichbar gehaltene Betriebszeit. Damit wären sie für rund vier Jahre ununterbrochenen Betrieb qualifiziert. Bei unterbrochener Betriebsweise, z.B. in der Gebäudeheizung, entspräche das sogar einer Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren.

Dünne Funktionsschichten
Leistungsfähigere Zellen mit präzise aufgebrachten dünnen Funktionsschichten ermöglichten ein Senken der Betriebstemperatur. Außerdem vermindern der von Jülich entwickelte spezielle SOFC-Stahl CroFer und der im EU-Projekt Real-SOFC qualifizierte Stahl ITM zusammen mit entsprechenden Schutzschichten die Freisetzung von Korrosionsprodukten und verlängern damit die Lebensdauer.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Brennstoffzellen, Energie, Strom, Stahl, Kraftwerke, Fahrzeuge, Spannung, Watt, Stacks
Weitere News zum Thema
Katalysator erleichtert Wasserstoffgewinnung aus Alkohol (29.09.2011)
Neues Verfahren läuft bereits bei niedrigeren Temperaturen effizient ab
Tiefsee-Mikroben erzeugen Energie aus Wasserstoff (11.08.2011)
Muscheln an heißen Tiefseequellen nutzen Bakterien als "lebende Brennstoffzelle"
Brausepulver als Wasserstoffspeicher (17.06.2011)
Chemikern gelingt Kohlendioxid-neutrale Wasserstoffspeicherung mit einem Bicarbonat/Formiat-System
Hybridantrieb macht Linienbusse sauberer (31.01.2011)
Brems-Energie wird als Strom zurückgespeist
Wasserstoffproduktion wird preiswerter (03.11.2010)
Atomare Platinschicht auf Wolframcarbid-Träger katalysiert Wasserstoffherstellung kostengünstig
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Brennstoffzellen
Batterien der Zukunft
OLEDs
Kernfusion
Dossiers zum Thema
Mini-Kraftwerke für Zuhause und unterwegs
Brennstoffzellen – wie weit ist die Entwicklung?
Brennstoffzellen
Alleskönner auf Wasserstoffbasis?
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
Kohle aus dem "Dampfkochtopf"
Neue Methode verwandelt Biomasse in wertvolle Rohstoffe
Schlanke Giganten
Vision Aufwindkraftwerk
Kernfusion
Teure Utopie oder Energie der Zukunft?
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Strom aus der Konserve
Batterien und Akkus der Zukunft
Licht aus Plastik
Organische Leuchtdioden auf dem Vormarsch
News des Tages
Kinder “ticken” anders
Wasserflöhe treiben Stechmücken in die Flucht
Alkohol: In sechs Minuten vom Glas ins Hirn
Forscher enträtseln "unmöglichen" Kristall
Deutschland unter Stress
Nippes gab es schon im alten Rom
Weltrekord bei Brennstoffzellen
Bücher zum Thema
Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts?
Der Wettlauf um die Lagerstätten von Hermann-Josef Wagner
Wasserstoff und Brennstoffzellen
Die Technik von morgen von Sven Geitmann
Erneuerbare Energie
von Thomas Bührke und Roland Wengenmayr
Erneuerbare Energien und Alternative Kraftstoffe
Mit neuer Energie in die Zukunft von Sven Geitmann
Donnerwetter - Physik
von Peter Häußler
Die chemischen Elemente
Ein Streifzug durch das Periodensystem von Lucien F. Trueb
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
4. Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn
5. Tempolimit auf dem Quanten-Highway