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Samstag, 01.10.2016
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Wasserflöhe treiben Stechmücken in die Flucht

Nahrungskonkurrenten als natürliches Insektizid

Mückenlarven und die mit ihnen konkurrierenden Krebstierchen können nicht gleichzeitig denselben Lebensraum besiedeln. Wassertümpel, in denen Kleinkrebse wie beispielsweise Wasserflöhe vorkommen, enthalten wesentlich weniger Mückenlarven als Tümpel ohne solche Kleinkrebse. Zu diesem Ergebnis sind jetzt Wissenschaftler in einer Studie im Biosphärenreservat Mittelelbe bei Dessau gekommen.
Stechmücken der Unterart Culex

Stechmücken der Unterart Culex

Dazu beobachteten die Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung im Roßlauer Oberluch 15 Wasserstellen eine Saison lang. Ziel der Untersuchungen ist es, natürliche Mechanismen zu erforschen, um potenziellen Mückenplagen begegnen zu können.

Dabei sollen in Zukunft Krebstierchen als natürliche Nahrungskonkurrenten der Mückenlarven eingesetzt werden, um die Mückenpopulationen zu kontrollieren. Auf diese Weise könnte der Einsatz giftiger Insektizide reduziert werden. Das Verfahren befindet sich in der Patentierung.

Mückenplagen mit Wasserflöhen bekämpft


Mückenweibchen können schneller neue Lebensräume besiedeln als ihre Nahrungskonkurrenten, die auf Transportunterstützung durch andere Tiere oder den Wind angewiesen sind. Mückenweibchen suchen dagegen zielgerichtet nach neuen Brutplätzen, wo sie zahllose Eier ablegen.


„Mücken profitieren von solchen kurzlebigen Wasseransammlungen, denn sie verlassen bereits nach ein bis zwei Wochen das Wasser als flugfähige Insekten“, erläutert Sabine Duquesne vom UFZ. „Kleinkrebse benötigen hingegen benötigen mehr Zeit, um solche Lebensräume zu besiedeln. Somit bekämpfen die Wissenschaftler, Mückenplagen nachhaltig mit Wasserflöhen. Wenn man die Krebstierchen gezielt in potenzielle Mückenbrutplätze ausbringt, kann man ihren Entwicklungsnachteil ausgleichen.“

Die Methode wurde inzwischen erfolgreich in Deutschland von Iris Kröger und auch in Afrika von Alvine Meyabeme eingesetzt. Sie befindet sich derzeit in der Patentierung.

Roßlauer Oberluch

Roßlauer Oberluch

Beste Brutbedingungen


Das Roßlauer Oberluch bietet mit seinen Feuchtgebieten günstige Brutbedingungen für verschiedene Stechmückenarten. Die Larven der Mücken können sich nur im Wasser entwickeln und bevorzugen daher flache Tümpel, in denen keine Fraßfeinde wie Fische leben. Durch die erwartete Klimaveränderung werden sich die Brutbedingungen für Stechmücken weiter verbessern, denn starke Regenfälle, Überschwemmungen und hohe Temperaturen begünstigen ihre Fortpflanzung.

Zudem steigt durch höhere Temperaturen die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten wie Blauzungenkrankheit, West-Nil-Virus und viele andere. So hat sich die in den Tropen und Subtropen als Dengue-Überträger gefürchtete Tigermücke (Aedes albopictus) bereits in mehreren Ländern Südeuropas bis hin zur Schweiz und auch Deutschland etabliert.

Am Oberrhein werden Stechmücken seit vielen Jahren mit den Bakterium Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) beispielsweise von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) bekämpft. In den wenig zugänglichen Auenwäldern der Elbe wäre eine solche Bekämpfungsstrategie schwer durchzuführen und würde den Zielen des Biosphärenreservates widersprechen.

Ausgewählter Ort


Das Roßlauer Oberluch ist am 12. Mai 2009 als ein „Ausgewählter Ort“ im Land der Ideen ausgezeichnet worden. Dabei handelt es sich um die erste großflächig umgesetzte Deichrückverlegung an der Mittleren Elbe.

Durch diese Verlegung ist seit 2006 eine 140 Hektar große Altaue wieder an das Hochwassergeschehen angebunden. Das Projekt in Roßlau hat Modellcharakter für ganz Deutschland. Entlang der Mittleren Elbe sind derzeit 15 Deichrückverlegungen mit einer Gesamtfläche von etwa 2.600 Hektar geplant. Das Hochwasser im Frühjahr 2009 sorgte zum ersten Mal seit der Deichöffnung dafür, dass die Auenwiesen im Rückdeichungsgebiet der Stadt Dessau-Roßlau überflutet wurden.

Dieses Renaturierungsprojekt im UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe verbessert nicht nur den Hochwasserschutz. Es bietet auch der Forschung eine bisher einmalige Möglichkeit, die Auswirkungen auf Natur und Mensch zu untersuchen.
(idw - Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, 18.05.2009 - DLO)
 
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