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Freitag, 10.02.2012
Meditation vergrößert Emotionszentren im Gehirn
Studie weist mehr Graue Substanz bei regelmäßig Meditierenden nach
Jogging, Kraftsport oder Heimtrainer – um mehr Muskeln und kräftigere Knochen zu bekommen, sind dies nur einige Möglichkeiten von vielen. Aber was hilft dabei, das Gehirn zu trainieren und zu vergrößern? Nein, kein Denksport oder Hirnjogging. Sondern Meditieren. Das jedenfalls haben amerikanische Forscher in einer Studie mithilfe der Magnetresonanztomografie herausgefunden. Bereiche, die für Emotionen zuständig sind, waren bei den untersuchten Meditierenden vergrößert und enthielten mehr Graue Substanz.

Gehirn
Gehirn
© IMSI MasterClips
Dass Meditation zahlreiche positive Effekte hat, haben Forscher bereits in einigen Studien nachgewiesen: Wer regelmäßig meditiert, kann sich besser konzentrieren, besitzt eine bessere Kontrolle über seine Emotionen und fördert zudem Stressabbau und die Leistungsfähigkeit seines Immunsystems. Über den Einfluss der Meditation auf die Gehirnstruktur jedoch war bisher weitaus weniger bekannt. Genau das untersuchte nun eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA).

Hochauflösende Hirnscans suchen nach Unterschieden
Eileen Luders und ihre Kollegen am Laboratorium für Neuroimaging der UCLA analysierten die Hirnstrukturen von 44 Versuchspersonen – 22 Kontrollpersonen und 22, die verschiedene Formen der Meditation, darunter Zazen, Samatha und Vipassana, praktizierten. Letztere hatten fünf bis 46 Jahre, im Durchschnitt aber 24 Jahre Erfahrung mit diesen Techniken. Die meisten von ihnen meditierten zwischen zehn und 90 Minuten täglich und gaben an, dass tiefe Konzentration ein essenzieller Teil ihrer Übungen sei.

Die Wissenschaftler nutzten eine hochauflösende, dreidimensionale Form der Magnetresonanztomografie und zwei unterschiedliche Ansätze, um Unterschiede in der Hirnstruktur zu identifizieren. In einem wird das Gehirn automatisch in verschiedene Regionen unterteilt, um die Größe bestimmter Strukturen messen zu können. Der zweite teilt das Gehirn in unterschiedliche Gewebetypen, so dass die Forscher die Menge der Grauen Substanz in spezifischen Teilen vergleichen können.

Mehr Graue Substanz in Zentren der Emotionsverarbeitung
Das Ergebnis war überraschend: Die Wissenschafter maßen in der Gruppe der Meditierenden in einigen Strukturen signifikant größere Werte als bei den Nichtmeditierern. Umgekehrt dagegen gab es keine Gehirnregion, die bei der Kontrollgruppe größer war. Im Gehirn der Meditierer war meist das Volumen des rechten Hippocampus höher, außerdem besaßen sie mehr Graue Substanz im rechten orbito-frontalen Kortex und im linken unteren Schläfenlappen. Alle diese Regionen gelten als eng verbunden mit Emotionen.

„Wir wissen, dass Menschen, die regelmäßig meditieren, eine einzigartige Fähigkeit besitzen, positive Gefühle zu kultivieren, emotionale Stabilität zu behalten und sich durchdacht zu verhalten”, erklärt Luders. „Die beobachteten Unterschiede in der Gehirnanatomie könnten uns einen Hinweis darauf geben, warum Meditierende diese außergewöhnlichen Fähigkeiten besitzen.“

Plastizität des Gehirns oder bereits bestehender Einflussfaktor?
Noch nicht bekannt ist allerdings, ob diese makroskopisch messbaren Veränderungen auch eine mikroskopische Entsprechung besitzen, beispielsweise in Form einer höheren Anzahl oder veränderten Größe von Neuronen oder einem speziellen Muster der Verschaltung. Hier ist, so die Wissenschaftlerin, weitere Forschung nötig.

Und noch eine Einschränkung gibt es: Da dies keine Langzeitstudie war, bei der die Meditierenden von Anfang an verfolgt wurden, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie bereits vor Beginn ihrer Meditations-„Karriere“ mehr Graue Substanz in diesen Bereichen besaßen. Möglicherweise war dies sogar ein Faktor, der sie für Meditation empfänglich machte. Luders allerdings weist darauf hin, dass zahlreiche andere Studien bereits gezeigt haben, wie plastisch das Gehirn ist und wie Veränderungen in Umwelt und Verhalten auch die Hirnstruktur beeinflussen. Ihrer Ansicht nach spricht daher nichts dagegen, dass sich das Gehirn auch an das intensive Meditieren im Laufe der Zeit angepasst hat.
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