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Freitag, 10.02.2012
Heißheilige statt Eisheilige?
DWD: Die frostigen Tage sind seltener geworden
Sie heißen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sofie und können uns den Frühling im wahrsten Sinne des Wortes verhageln: die Eisheiligen. Doch die frostigen „Gesellen“ treten heute deutlich seltener auf als noch vor hundert Jahren. Dies zeigen die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Frosteinbruch zu den Eisheiligen
Frosteinbruch zu den Eisheiligen
© DWD Frosteinbruch zu den Eisheiligen
Mit dem Begriff Eisheilige wird der Zeitraum vom 11. bis zum 15. Mai bezeichnet, in dem bis Mitte des 19. Jahrhunderts fast regelmäßig Kaltlufteinbrüche beobachtet wurden. Schuld an den ungemütlichen Temperaturen sind Nord-Wetterlagen, die arktische Polarluft nach Mitteleuropa führen. Die Eisheiligen bekamen ihre Namen von frühchristlichen Bischöfen und Märtyrern, denen an diesen Maitagen gedacht wird.

In Norddeutschland gelten die Tage vom 11. bis 13. Mai als Eisheilige - Mamertus, Pankratius und Servatius. Im Süden und Südosten Deutschlands zählen noch der 14. (Bonifatius) und der 15. Mai (kalte Sofie) dazu. Hier ist der 11. Mai allerdings nicht gültig. Die eintägige Differenz erklärt sich laut DWD aus dem Zeitraum, den die Kaltluft bei Eintritt der Nord-Wetterlagen benötigt, um von Norden nach Süden vorzudringen.

Obstbäumen drohen Frostschäden
Die kalte Luft, die in ungünstigen Lagen auch manchmal Frost bringen kann, bereitet dann vor allem Gärtnern und Winzern schlaflose Nächte, denn an den Obstbaumblüten können Frostschäden schon bei geringen Kältegraden eintreten. Obstblüten sind um so mehr gefährdet, je näher sie sich dem Erdboden befinden, da sich in windstillen und wolkenarmen Frühlingsnächten die kälteste Luft in unmittelbarer Bodennähe bildet und in Geländevertiefungen zusammenfließt.

Es gibt nach Angaben der Meteorologen vom DWD Jahre, in denen die Eisheiligen ganz ausgeblieben sind. So zum Beispiel 1945, als zu Servatius in Mitteldeutschland Tageshöchsttemperaturen von mehr als 33 Grad Celsius gemessen wurden und damit als „Heißheilige“ bezeichnet werden können. Dass die Eisheiligen aber auch hart zuschlagen können, belegen Aufzeichnungen von Chronisten aus dem Jahre 1750: Dort ist überliefert, dass die Kalte Sofie in der Mark Brandenburg sogar Schnee gebracht hat.

Eisheilige
Eisheilige
© DWD Eisheilige
Kälterückfälle werden seltener
Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der frostigen Gesellen ist in der Tendenz im Fallen. In Frankfurt am Main gab es nach Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes in den letzten zehn Jahren sechs Kälterückfälle in dieser Periode, vor etwa einhundert Jahren waren die Eisheiligen in sieben von zehn Jahren nachweisbar.

„Hier dürfte der Klimawandel eine Rolle spielen“, meint Jurik Müller, Leiter der Agrarmeteorologie beim Deutschen Wetterdienst in Leipzig und Experte für Bauernregeln.

Eisheilige inspirieren zu Bauernregeln
Ungeachtet dessen haben die Eisheiligen Müller zu einer Reihe von Bauernregeln inspiriert: „Da Memertus Eisblumen liebt, auf Bergeshöhen oft Schnee noch stiebt“ oder „Lässt Pankratius mit Frösten grüßen, muss dies die Apfelblüte büßen“. Dazu gehören aber auch „Wärmt sich nachts um Servatius der Bauer mit Grog, verharren die Bienen tagsüber im Stock“ oder „Zu früh gepflanzte Gurken und Tomaten erleiden um Bonifatius oft tödlichen Schaden“ sowie „Mitunter der Gärtner nicht daran denkt, dass Sophie dem Mai gern Eisblumen schenkt“.
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