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Sonntag, 24.07.2016
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Krebstherapie: Vier auf einen Streich

Kombinations-Nanovehikel schaltet gezielt Gene in Krebszellen stumm

Krebserkennung und Therapie auf einen Streich – das könnte bald Wirklichkeit werden. Denn koreanische Forscher haben die Basis für einen Vier-in-Einem-Wirkstoff entwickelt, der Tumorzellen aufspüren, gezielt lahm legen und dabei makroskopisch wie mikroskopisch sichtbar machen soll.
Krebszellen

Krebszellen

Wissenschaftler um Tae Gwan Park und Jinwoo Cheon berichten in der Zeitschrift Angewandte Chemie, dass es sich bei dem neuen Kombinationspräparat um magnetische Eisenoxid-Nanopartikel, an denen ein Fluoreszenzfarbstoff, RNA-Schnipsel sowie ein spezielles Peptid angeknüpft sind. Das Peptid soll die Krebszellen spezifisch erkennen, die RNA-Schnipsel sollen spezielle Gene der Krebszellen stumm schalten und die Zellen damit abtöten. Die Magnetpartikel dienen als Kontrastmittel für die Kernspintomographie, der Fluoreszenzfarbstoff ermöglicht eine mikroskopische Bildgebung der Zielzellen.

Bestandteile und Wirkungsweise des Nano-Kombipräparats

Bestandteile und Wirkungsweise des Nano-Kombipräparats

RNA-Schnipsel blockieren Krebsprotein-Synthese


Um ein Protein entsprechend der genetischen Information einer Zelle zu bauen, wird das Gen auf der DNA abgelesen und eine "Matrize", nämlich eine mRNA übersetzt, die dann von der Zelle als Bauplan für das Proteins benutzt wird. Die mRNA ist ein guter Angriffsprunkt, um die Synthese von Proteinen, die für das Wachstum von Tumoren wichtig sind, zu stoppen. Dazu werden siRNAs (small interfering RNAs) in die Zelle eingeschleust, kurze doppelsträngige RNA-Schnipsel, die an spezifisch an die Ziel-mRNA binden. In der Zelle bindet ein spezieller Protein-Komplex an die siRNA, der die mRNA aufwindet und spaltet. In dieser ungeschützten Form wird sie von der Zelle rasch abgebaut.

Peptid als Wegweiser für „Fähre“


An Nanopartikel gebunden lassen sich die siRNAs leichter in Zellen einschleusen. Damit gezielt Krebszellen angesteuert werden, tragen die Partikel ein RGD genanntes kurzes Peptid, das ihnen den Weg weist: RGD bindet stark an ein Integrin, ein Membranprotein, das in metastasierenden Tumorzellen in wesentlich höherer Menge verankert ist als bei gesundem Gewebe. Die Integrine mit den RDG-bestückten Nanopartikeln werden von der Zelle mitsamt ihrer Fracht aktiv ins Innere hereingeholt (rezeptorvermittelte Endocytose).


Magnetische Nanopartikel als Transportmittel und Marker


Die Magnetpartikel dienen nicht nur als Hilfsmittel für den Transport, sondern gleichzeitig als Kontrastmittel für die Kernspintomographie. So wird sichtbar, wo sich Tumore befinden, ob sich die Partikel darin anreichern und wie eine Therapie voranschreitet. Ist eine höhere Auflösung gefragt, kommen die Fluoreszenfarbstoffmoleküle ins Spiel. In histologischen Schnitten von Gewebeproben lässt sich damit sichtbar machen, wie die Magnetpartikel von einzelnen Zellen aufgenommen werden und in welchen Zellkompartimenten sie sich anreichern.
(Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V., 07.05.2009 - NPO)